Sonos-Technik So klingen Ikeas Symfonisk-Lautsprecher

Ab August kann man bei Ikea auch vernetzte Lautsprecher kaufen. Die Technik kommt aus den USA, das Design aus Schweden, der Test von uns.

Matthias Kremp / SPIEGEL ONLINE

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Das schwedische Möbelhaus ist längst nicht mehr nur ein Möbelhaus. Vor Jahren schon hat der Milliardenkonzern erkannt, dass die Zukunft nicht mehr nur in Bücherregalen aus Pressspan liegt, sondern im Smart Home. Den Anfang machten die per App steuerbaren Trådfri-Lampen, die ähnlich funktionieren wie die Hue-Lampen von Philips, aber viel billiger sind. Jetzt folgen die ersten vernetzen Lautsprecher, typisch für Ikea, Symfonisk genannt.

Statt nur das Konzept eines anderen Herstellers zu adaptieren, wie bei den Trådfri-Lampen, hat Ikea sich mit einem der führenden Unternehmen in diesem Bereich zusammengetan: Sonos. Das US-Unternehmen lieferte 2005 seine ersten vernetzten Musikplayer aus, war lange der einzige Anbieter solcher Systeme und profitierte von seinem Technologievorsprung.

Bei der Entwicklung der neuen Ikea-Lautsprecher habe Sonos deshalb auch vor allem seine technische Expertise eingebracht, die WLAN-Anbindung und das Sounddesign entwickelt. Von Ikea sei das Design gekommen.

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Smart Home: Das sind Ikeas Symfonisk-Lautsprecher

Das direkte Ergebnis dieser Kooperation zeigt sich noch vor der ersten Hörprobe, bei der Installation der Lautsprecher. Die unterscheidet sich nämlich in keinem Punkt von der Inbetriebnahme eines Sonos-Lautsprechers: Auspacken, an die Steckdose anschließen, ein paar Sekunden warten und dann den neuen Lautsprecher mit der Sonos-App aktivieren. Das dauert nicht mehr als ein paar Minuten.

Und genau so geht es weiter - jedenfalls, wenn man ein iPhone, iPad oder einen iPod touch hat. Apple-Anwender können den Klang der Lautsprecher, genau wie bei denen von Sonos, nämlich noch per App an den Raum anpassen, in dem sie stehen. True Play heißt diese Funktion, die darauf basiert, dass der Lautsprecher eine Reihe von Testtönen abspielt, während man mit seinem i-Gerät durchs Zimmer geht.

Die App errechnet daraus eine Art Klangprofil des Raumes und passt den Sound entsprechend an. Das Ergebnis ist, wiederum genau wie bei den Geräten von Sonos, eine deutliche Klangverbesserung. Deshalb lohnt es sich auch, diesen Vorgang jedes Mal durchzuführen, wenn man einen solchen Lautsprecher neu platziert. Android-Nutzer bleiben leider außen vor. Weil die Mikrofone von Android-Smartphones nicht so einheitlich sind, wie die von Apple-Handys, könne man True Play auf dieser Plattform nicht anbieten, heißt es von Sonos.

US-Sound im Schweden-Design

Klanglich liegen zwischen den beiden Symfonisk-Lautsprechern, die Ikea anbietet, Welten. Der mit 99 Euro sehr günstige Regallautsprecher ist sehr mittenbetont abgestimmt. Seine Basswiedergabe reicht nicht sonderlich weit nach unten, die Höhenwiedergabe ist in Ordnung. Insgesamt ergibt sich daraus ein Klangbild, das vor allem bei der Wiedergabe von Sprache glänzt, nicht so sehr bei Partymusik. Viele Details der Basslinie von Sias "Day too soon" beispielsweise gehen schlicht verloren.

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Vernetzte Lautsprecher aus Kalifornien: Hausbesuch bei Sonos

Deshalb ist der Symfonisk-Regallautsprecher eher zur Hintergrundbeschallung in Küche und Schlafzimmer geeignet. Ikea bietet als Zubehör Haken, mit denen sich das Gadget in eine Küchenleiste einhängen lässt. Im Schlafzimmer kann man ihn mit einer optionalen Wandhalterung befestigen und als Mini-Nachttisch, etwa für den Wecker, benutzen.

Wie auch bei Sonos üblich, lassen sich zwei davon als Stereopaar verwenden. Klanglich ändert das nicht viel, sorgt aber für ein gut aufgefächertes, luftiges und vor allem viel breiteres Klangbild als ein einzelner Lautsprecher.

Die Raumspar-Box

Ikeas Lautsprecher mit der eingebauten Lampe hingegen liefert schon als Solist ein wesentlich runderes Klangbild ab als die Regalbox, kostet aber auch 179 Euro. Über alle Lautstärkestufen hinweg liefert er kräftige und angenehm trockene Bässe. Darüber werden sanft ausgesteuerte Mitten und klare Höhen projiziert. In "This Must be love" von Phil Collins beispielsweise steht die Stimme des Sängers präsent und klar vor der Musik. Vor einem gleich teuren Play:1 von Sonos muss sich dieses Modell nicht verstecken. Mit seinem Klangcharakter könnte man ihn als "Easy-Listening"-Lautsprecher bezeichnen.

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Drahtloser Surround-Lautsprecher: Der Sonos Play 1 im Test

Die integrierte Lampe ist dabei nur ein nettes Gimmick, aber weder per App steuerbar, noch besonders schön. Ikea jedoch argumentiert mit der Möglichkeit, den Platz in einer kleinen Wohnung auf diese Weise besser nutzen zu können.

Fazit

Das hat geklappt: Ikeas Netzwerklautsprecher sind zwar nicht gleich gut, aber doch beide gute Angebote. Klanglich kann das Regalmodell zwar nicht ganz überzeugen, punktet dafür aber mit einem Preis von 99 Euro und vielen Montagemöglichkeiten. Das Modell mit der eingebauten Tischlampe liegt preislich gleichauf mit dem klanglich sehr ähnlichen Play:1 von Sonos. Für 179 Euro bekommt man hier eine gut klingende Allround-Box. Zwei davon dürften eine ordentliche Stereoanlage abgeben.

Vorteile und Nachteile
Symfonisk Regallautsprecher

Sehr günstig

Volle Integration ins Sonos-System

Steuerung per App

Klanganpassung an den jeweiligen Raum (mit Apple-Geräten)

Vielfältige Montagemöglichkeiten

Mittenbetonter Klang

Symfonisk Tischlampen-Lautsprecher

Volle Integration ins Sonos-System

Steuerung per App

Klanganpassung an den jeweiligen Raum (mit Apple-Geräten)

Ausgewogener Klang

Lichtsteuerung per Drehschalter

Mit dem Design der Tischlampenversion kann ich mich jedoch nicht anfreunden. Während das allerdings nur meine persönlichen Vorlieben widerspiegelt, zeigte sich schon nach der Fotosession mit den beiden Lautsprechern, dass deren Oberfläche arg empfindlich ist (siehe Fotostrecke). Eine Schutzmatte liegt aber nur der Wandhalterung bei. Vielleicht sollte sie lieber jedem Regallautsprecher beigelegt werden.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
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Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
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Seite 1
Weltgeisterer 25.07.2019
1. Miniaturisierungs-Wahn und künstliche Korrekturen
Wer sich einmal mit Lautsprecherbau beschäftigt hat, weiß: Man kann aus den Parametern "Bass", "platzsparend" und "Pegelfestigkeit" nur zwei auswählen. Das heißt: Kleine Lautsprecher können entweder Bass, aber nicht laut, oder sie können laut, aber keinen Bass. Daran ist nichts zu ändern - aus physikalischen Gründen. Wer einmal echte, gut abgestimmte Lautsprecher ohne Schnickschnack gehört hat, z. B. einen Hornlautsprecher mit dem geeigneten Treiber, dem kommen alle Produkte, die heute auf dem Markt sind (auch in höheren Preisklassen) lächerlich vor. Mit Audiophilie hat das alles nichts zu tun. In den letzten Jahren stelle ich fest, dass den meisten Leuten nicht nur die Klangqualität, sondern auch die Qualität der Musik völlig egal geworden ist. Früher galt noch das Ideal "muss so klingen wie im Konzert auf dem besten Platz". Davon sind wir heute weit entfernt. Aber wo maximal die Abwesenheit von Still gefordert wird, ist auch nicht viel zu erwarten. Schade.
SkyNet_SO 25.07.2019
2. Nicht überzeugend
Wirklich überzeugend klingt das jetzt alles nicht. Wo ist denn der Mehrwert gegenüber dem Modell von Sonos, wenn es doch gleich viel kostet? Das eher mäßige Ikea Design? Sonos ist für mich als Anbieter aber so oder so gestorben. Das man Android nur aufgrund der unterschiedlicheren Hardware nicht unterstützt ist doch ein vorgeschobenes Argument. Wenn man es sich aber als Hersteller leisten möchte, nur Apple-User zu bedienen, dann bitte sehr. Kaufe ich eben woanders. Ist ja nicht so, dass es keine Konkurrenz gibt. Warum IKEA ausgerechnet auf diesen Anbieter setzt, erschließt sich mir hier aber auch nicht.
mborevi 25.07.2019
3. Naja, für die ...
... Smartphone-Generation mag der sowieso digital verhunzte Klang ja angehen. Solange man gerade noch die Werbung erkennen kann ist das ja auch in Ordnung. Mit dem ehemaligen HiFi hat das natürlich nichts zu tun. Aber diese Klänge (nicht "Sound") kennen nur noch die (sehr) Alten aus der Vor-CD-Zeit. Meine Lautsprecher ("Boxen") sind mittlerweile fast 40 Jahre alt, mehrfach "renoviert". Neulich habe ich in einem Fachgeschäft mal hochpreisige moderne "Boxen" angehört, so zirka zum Kleinwagenpreis. Ich habe es (das Geschäft) wieder fluchtartig verlassen und mich erneut in meine alten verliebt: Diese seidigen Geigen, diese mächtigen Transienten eines Bösendorfer-Flügelsl sind heute nicht mehr zu erreichen. Keine Ahnung warum.
Furchensumpf 25.07.2019
4.
Zitat von WeltgeistererWer sich einmal mit Lautsprecherbau beschäftigt hat, weiß: Man kann aus den Parametern "Bass", "platzsparend" und "Pegelfestigkeit" nur zwei auswählen. Das heißt: Kleine Lautsprecher können entweder Bass, aber nicht laut, oder sie können laut, aber keinen Bass. Daran ist nichts zu ändern - aus physikalischen Gründen. Wer einmal echte, gut abgestimmte Lautsprecher ohne Schnickschnack gehört hat, z. B. einen Hornlautsprecher mit dem geeigneten Treiber, dem kommen alle Produkte, die heute auf dem Markt sind (auch in höheren Preisklassen) lächerlich vor. Mit Audiophilie hat das alles nichts zu tun. In den letzten Jahren stelle ich fest, dass den meisten Leuten nicht nur die Klangqualität, sondern auch die Qualität der Musik völlig egal geworden ist. Früher galt noch das Ideal "muss so klingen wie im Konzert auf dem besten Platz". Davon sind wir heute weit entfernt. Aber wo maximal die Abwesenheit von Still gefordert wird, ist auch nicht viel zu erwarten. Schade.
Wie erwartet hat es nicht lange gedauert, bis die ersten selbsternannten "Audiophilen" ankommen und uns etwas über "richtige" Lautsprecher erzählen wollen. Schon mal daran gedacht, dass solche Lautsprecher gar nicht auf diese Klientel aus sind? Aber natürlich, Sie würden sich einen ausgewachsenen Standlautsprecher auch auf den Nachttisch stellen. Ich bin seti über 25 Jahren mit meinem HK 6250 von Harman Kardon den beiden Dauphin-Lautsprecher (bei denen es ein Naserümphen Ihrerseits nicht wundern würde) sehr glücklich, habe aber ebenso den "Komfort" von guten mobilen Bluetooth-Lautsprecher zu schätzen gelernt. Nochmal: Solche Lautsprecher wollen gar nicht gegen die von Ihnen genannte Gruppe konkurrieren - sie sind schlicht für andere Konsumenten geschaffen. Da braucht auch nicht jedes Mal jemand zu kommen und zu erzählen, was er doch für eine große Ahnung hat und das "richtige" Lautsprecher so was von besser sind. Sie mögen es nicht glauben, aber manchen Menschen reicht so etwas....
Furchensumpf 25.07.2019
5.
Zitat von SkyNet_SOWirklich überzeugend klingt das jetzt alles nicht. Wo ist denn der Mehrwert gegenüber dem Modell von Sonos, wenn es doch gleich viel kostet? Das eher mäßige Ikea Design? Sonos ist für mich als Anbieter aber so oder so gestorben. Das man Android nur aufgrund der unterschiedlicheren Hardware nicht unterstützt ist doch ein vorgeschobenes Argument. Wenn man es sich aber als Hersteller leisten möchte, nur Apple-User zu bedienen, dann bitte sehr. Kaufe ich eben woanders. Ist ja nicht so, dass es keine Konkurrenz gibt. Warum IKEA ausgerechnet auf diesen Anbieter setzt, erschließt sich mir hier aber auch nicht.
Und das wissen Sie woher? Ich finde die Argumentation schlüssig - bei den paar Apple-Devices weiß Sonos sehr genau, welche Mikrofone verbaut werden - falls Apple nicht sogar manche mehrfach verbaut. Um den Klang einmessen zu können, muss man erst wissen, was das Mikrofon zu leisten vermag - und das ist eben bei den zig verschiedenen Android-Geräten, welche im Umlauf sind, im Grunde unmöglich. Mal davon abgesehen dass ich mein System lieber selbst einstelle - kein solches System kann wissen, wie das Ohr des Nutzers hört...
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