Fotostrecke

Apples Profi-Computer: Der iMac Pro im Test

Foto: SPIEGEL ONLINE

iMac Pro im Test Dieser Computer ist für Sie zu gut (und zu teuer)

Technisch lässt Apples iMac Pro fast jeden Desktop-PC alt aussehen. Für wen lohnt es sich, bis zu 16.000 Euro für einen Computer auszugeben, den man nicht mal rollen kann?

Die Wandlung zum Hersteller von - im weitesten Sinne - Unterhaltungselektronik bereitet Apple immer noch Bauchschmerzen. Der anhaltende Erfolg mit iPhones, iMacs und iPads ist für das Unternehmen ein Dilemma. Schließlich hat der Konzern jahrelang vor allem von den Profis gelebt, von Bildbearbeitern, Videoproduzenten, Grafikern und Layoutern. Die hatten seit den Zeiten des Ur-Macintosh mit Apple-Geräten gearbeitet und waren bereit, für Apple-Hardware professionelle Preise zu bezahlen.

Gereicht hat es trotzdem nicht, in den späten Neunzigerjahren war Apple fast am Ende. Erst die i-Geräte haben den Konzern gerettet. iMac, iPod, iPhone und iPad haben aus dem Übernahmekandidaten Apple einen Billionen-Dollar-Konzern gemacht.

Aber reich zu sein reicht eben nicht. Genau wie Porsche neben Familienkarossen wie dem Cayenne und dem Panamera Sportwagen wie den 911 GT2 RS baut, will auch Apple Computer anbieten, die mehr Leistung liefern als man vernünftigerweise im Alltag gebrauchen kann. Anders als beim Beispiel Porsche soll sie beim iMac Pro allerdings produktiv genutzt werden können.

Fotostrecke

Apples Profi-Computer: Der iMac Pro im Test

Foto: SPIEGEL ONLINE

Das Design des Hochleistungsrechners ist mit dem eines normalen iMac 5K ebenso identisch wie der eingebaute Bildschirm, der im Test einen hervorragenden Eindruck machte. Nur die Farbe ist in Apples iMac-Ökosystem einzigartig. Alle übrigen iMacs liefert der Konzern in einem silbernen Farbton aus, den iMac Pro gibt es exklusiv in "Space Grau".

Zehn Kerne für ein Halleluja

Doch bevor man sich einen Profi-iMac auf den Tisch stellen kann, gilt es erst einmal, die passende Konfiguration zu finden. Denn im Inneren hat der Profi-iMac nichts mit anderen iMacs gemein.

Zur Wahl stehen dem solventen Käufer nämlich spezielle Hochleistungsprozessoren mit 8, 10 , 14 oder gar 18 Rechenkernen. Der Arbeitsspeicher ist mindestens 32, maximal 128 Gigabyte (GB) groß. Die Grafikkarte hat bis zu 16 GB Speicher und statt Festplatten werden SSDs mit bis zu 4 Terabyte eingebaut. Wer die Vollausstattung wählt, muss Apple dafür allerdings auch mehr als 16.000 Euro überweisen. High End ist teuer, bei Computern genauso wie bei Sportwagen.

Fotostrecke

20 Jahre All-in One-Computer: Vom Plastik-iMac zum Proficomputer

Foto: SPIEGEL ONLINE

Die Vollausstattung sei aber in der Regel gar nicht nötig, erklärte mir ein Apple-Manager. Der "Sweet-Spot" sei eigentlich die Variante mit zehn Kernen, 128 GB Arbeitsspeicher und 2 Terabyte SSD. Für 11.019 Euro bietet dieser Rechner angeblich ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Genau so einen iMac Pro hatte ich für einige Wochen zum Test auf meinem Schreibtisch stehen - für das, was ich mit Computern mache, ein ebenso unvernünftiger Overkill wie ein Porsche 911 GT2 RS im Stadtverkehr.

Beck muss helfen

Leistung hatte mein iMac Pro jedenfalls weit mehr, als ich nutzen könnte. Ich habe es mit allem versucht, ihm auch nur ein kurzes Ruckeln, ein leises Aufstöhnen der Lüfter abzuringen: Fehlanzeige. Keines meiner Projekte, egal ob Bildbearbeitung oder Videoschnitt, konnte ihn auch nur ansatzweise ausreizen.

Fotostrecke

"Designed in California": Edel-Fotobuch über Apple-Design

Foto: Apple

Deshalb griff ich letztlich zu einem Vergleich, der mir persönlich näher liegt: Musiksoftware. Audioaufnahmen und virtuelle Musikinstrumente können einen Computer genauso belasten, wie es Computerspiele und Videoprogramme tun.

Zum Test lud ich ein Projekt des amerikanischen Musikers Beck, das Apple zu seinem Musikprogramm Logic Pro X bereitstellt, zunächst auf mein gut ausgestattetes aktuelles MacBook Pro. Der Song mit dem Titel "Colors" enthält Dutzende Audiospuren und virtuelle Synthesizer, außerdem belastet er den Prozessor mit etlichen aufwendigen Digitaleffekten.

Das Notebook ging dabei sofort in die Knie. Wenige Sekunden nachdem ich in Logic auf den Startknopf gedrückt hatte, bremste mich eine Fehlermeldung aus: Der Computer habe zu wenige Ressourcen, um dieses Projekt wiederzugeben.

Fotostrecke

30 Jahre Macintosh: Vom Ur-Mac bis zum iMac

Der Test-iMac hingegen quittierte dasselbe Projekt nicht mal mit einem Anstieg der Lüfterdrehzahl. Ihn ließ vollkommen kalt, was Beck da Kompliziertes zusammengebastelt hatte.

Ein Blick auf die Anzeige der Prozessorauslastung (siehe Fotostrecke) zeigte, dass die zehn Rechenkerne des iMac-Pro-Prozessors gerade mal zehn Prozent ihrer Kapazität aufbringen mussten, um abzuarbeiten, woran mein MacBook scheiterte. Erst als ich 230 zusätzliche Synthesizer- und Effekt-Plug-ins in das Arrangement einbaute und parallel zur Musik laufen ließ, näherte sich der Prozessor seinen Leistungsgrenzen.

Aufrüsten unmöglich

In Hamburg fragte ich den Musikproduzenten Andreas Bruhn, ob er meinen iMac-Pro-Testrechner in seinem Studio ausprobieren möchte. Schließlich ist er doch genau der Profi-Kreative, für den dieser Rechner gedacht ist. Doch Bruhn reagierte pragmatisch. Nach Rücksprache mit seinem Techniker sagte er ab, mit dem Hinweis, dass er für einen iMac Pro, der besser sei als sein aktuelles System, circa 15.000 Euro hinlegen müsste: "Das ist im Moment nicht drin." Und Bruhn fragte noch: "Wann baut Apple endlich einen modularen Pro, wo man nach Bedarf zustecken kann?"

Damit spielt der Produzent auf ein Problem an, das vermutlich viele Kreative beschäftigt: Ja, der iMac Pro ist extrem leistungsfähig, leise und sieht auch gut aus. Und der Preis wird oftmals kein Hinderungsgrund sein, zumindest wenn ohnehin die Anschaffung eines Hochleistungsrechners geplant ist. Doch für einen vergleichbar schnellen Windows- oder Linux-PC wird man weniger zahlen. Und man hat auch noch die Option, ihn bei Bedarf mit neuen Komponenten aufzurüsten.

Fotostrecke

Schön anzuschauen, schnell auseinanderzunehmen: Der Apple Mac Pro im Test

Foto: SPIEGEL ONLINE

Diese Möglichkeit gibt es beim iMac Pro nicht - und genau das kann im Profibereich ein Problem sein. Hat man sich einmal für ein iMac-Modell entschieden, muss es auf absehbare Zeit ausreichen. Einzig der Arbeitsspeicher kann vom Anwender ausgetauscht werden. Reicht die Leistung nicht mehr, muss ein neuer iMac her.

Auf dem Wunschzettel vieler Profis steht deshalb ein modular aufgebauter iMac Pro. Doch wann und ob der kommt, ist ebenso unklar, wie die Frage, ob er wirklich so modular sein wird, wie es sich Anwender wie Andreas Bruhn wünschen. Nur eines kann man sicher annehmen: So lässig wie den Mac Pro, der rund wie ein Ofenrohr geformt ist, wird man dessen Nachfolger wohl nicht mehr durchs Büro rollen lassen können.

Mac Pro

Mac Pro

Foto: SPIEGEL ONLINE

Fazit

Für Profis, die ohnehin im Mac-Ökosystem arbeiten, ist der iMac Pro eine Erlösung. Endlich ein schicker Apple-Computer, der die professionelle High-End-Leistung bietet, die man gerade für aufwendige Audio-, Video- und 3D-Projekte gut gebrauchen kann, der einen tollen Bildschirm hat und der nicht mit Lüftergeräuschen nervt. Für alle anderen ist das Gerät zu gut - und zu teuer.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort