SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

14. Mai 2012, 09:17 Uhr

Kopfhörer im Test

Die geh'n ins Ohr

Von

Brauchen Sie unterwegs edlen Hifi-Sound oder sollen die Bässe kräftig drücken? Ein Test von In-Ohr-Kopfhörern unterschiedlicher Preisklassen ergibt: Exzellenter Sound ist teuer, guter Klang bezahlbar und auch ohne Kabel können Kopfhörer gut klingen.

Klanganpassung per Filter: Audéo PFE 232

Was soll man davon jetzt halten? Eigentlich ist das Unternehmen Phonak auf Hörgeräte spezialisiert, stellt aber unter der Marke Audéo auch In-Ohr-Kopfhörer her, die neben gutem Klang vor allem eine gute Passform bieten sollen. Tatsächlich sitzen die von uns getesteten Top-Modelle PFE 232 ausgesprochen angenehm, fast nicht mehr spürbar, im Ohr. Wer es nicht kennt muss sich allerdings erst dran gewöhnen, dass sie quasi kopfüber ins Ohr gedrückt werden und das Kabel hinterm Ohr entlang gezogen werden muss.

Eine Besonderheit der PFE 232 sind die Klangfilter, mit denen man den Grundsound anpassen kann. Ausgeliefert werden sie mit grauen Standardfiltern, die einen leicht mittenbetonten Klang produzieren. Alternativ lassen sich schwarze Filter einsetzen, die eine Art Loudness-Effekt erzeugen, Bässe und Höhen betonen. Ein Satz grüner Filter betont die Bässe besonders stark.

Erfreulich ist dabei, dass die Filter zwar den Klang formen, ihn aber nicht verfälschen. Egal welchen Typ man einsetzt, die Audéo-Ohrhörer klingen immer gut. Das Klangbild ist transparent und warm, so dass man auch nach stundenlangem Gebrauch nicht müde wird, sie zu benutzen.

Besonders empfehlenswert ist die Verwendung in Kombination mit Schaumstoffpassstücken. So werden Außengeräusche gedämmt und im Ohr kommt nur noch Musik an. Manchmal ist das auch bitter nötig, denn besonders viel Lautstärke bringen die PFE 232 nicht zustande. Verwendet man Bass verstärkenden Filter, geht der Schalldruckpegel noch weiter zurück.

Das Zubehörpaket von Audéo ist umfangreich. Neben dem Standardkabel mit Mikrofon und Lautstärkeregler liegt ein zweites ohne diese Extras bei. Außerdem werden drei Schaumstoff-Ohrpassstücke, ein Reinigungswerkzeug, drei Paar Klangfilter und eine Tragetasche mitgeliefert. Als besonderes Extra bekommt man außerdem einen Audéo-PFE-022-Ohrhörer im Wert von 110 Euro ins Paket gesteckt. Das mindert den Schmerz, den der hohe Preis verursacht, zumindest ein wenig.

Hersteller-Website: Audéo PFE 232
Ladenpreis
: 500 Euro

Kräftige Bässe, originelles Design: Bowers & Wilkins C5

Die C 5 von Bowers & Wilkins fallen auf. Sie sehen einfach anders aus als andere Ohrhörer. Das Anschlusskabel endet nicht direkt im Ohrhörer, sondern ist am Ende zu einer Schlaufe geformt, die dazu dient, die Hörer im Ohr zu fixieren. Die flexible Ummantelung des Endstücks ist dabei leicht formbar und sorgt für ein sehr angenehmes Tragegefühl, weil die Ohrhörer nicht tief ins Ohr gedrückt werden müssen. Nebenbei fixiert das Konstrukt die C5 sehr fest im Ohr, so dass man keine Angst haben muss, sie zu verlieren, wenn man mal den Kopf dreht.

Der Klangkörper ist röhrenförmig konstruiert, erinnert an eine Turbine, an deren Ende ein Bezugsstoff, wie bei Lautsprechern, zu sitzen scheint. Tatsächlich handelt es sich hier um Hunderte von mikroskopisch kleinen Stahlkugeln, die einerseits den Schall nach hinten absorbieren und ihm gleichzeitig Lebendigkeit verleihen sollen. Aha.

Tatsächlich klingen die B&W-Ohrhörer recht kräftig und laut. Vor allem die Bässe sind sehr betont, wummern bei hoher Lautstärke aber auch. Darunter leidet die Transparenz des Klangs. Unterwegs, beim Spazierengehen oder Sport stört das kaum, bei entspannten Musikhören im Sessel dagegen schon. Neben vier verschiedenen Ohrpassstücken liegt den C5 eine sehr gut verarbeitete, aber eher unpraktische Tragetasche aus Leder bei.

Hersteller-Website: Bowers & Wilkins In-Ear Kopfhörer C5

Ladenpreis: 180 Euro

Besonders laut: TDK BA 100

TDK macht es einem nicht leicht, nach dem Kauf an seine Kopfhörer zu kommen. Mindestens fünf Klebestreifen muss man entfernen, bevor man die Ohrhörer zum ersten Mal in Händen hält. Was dann zum Vorschein kommt, wirkt weniger wertvoll als es der Preis von rund 150 Euro erwarten ließe. Etwas billig sehen sie aus, mit ihrem wenig aufregenden Plastikgehäuse und den ebenso billig wirkenden Kabeln. Positiv ausgedrückt könnte man das als Understatement bezeichnen.

Dafür geben sie ordentlich Druck auf die Ohren, sind sehr laut. Eine Eigenschaft die Lautstärke liebende iPhone- und iPod-Nutzer freuen dürfte. Umso mehr als die BA100 dabei noch kräftige Bässe produzieren und auch in den Höhen nicht ausdünnen. Voll aufgedreht neigen sie ein wenig dazu, schwammig zu klingen. Reduziert man den Pegel, verschwindet dieser Effekt und man bekommt einen ausgewogenen Grundsound geboten. Nichts wird überbetont, nichts kommt zu kurz, auch nicht die Mitten.

Mit im Karton liegen neben den Ohrhörern ein unbedingt notwendiges Verlängerungskabel, ein Klinkenadapter, ein Reinigungsstift gegen Ohrenschmalz, eine Transporttasche, vier unterschiedliche Ohrpassstücke sowie drei Ersatzfilter für den Lautsprecherkanal, die man benutzen sollte, wenn die eingebauten Filter verschmutzt sind.

Hersteller-Website: TDK BA 100 High Fidelity

Ladenpreis: 150 Euro

Konsequent kabellos: Novero Rockaway

Die Rockaway-Kopfhörer von Novero sind in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes. Mit etwas Glück bekommt man sie online schon für 55 Euro (es gibt allerdings auch Versender, die bis zu 120 Euro verlangen), womit sie vergleichsweise günstig sind. Zudem sind sie kabellos, zumindest, so lange man nicht gerade ihren Akku auflädt.

Den aufzuladen dauert zweieinhalb Stunden. Danach gibt der Hersteller eine Laufzeit von fünfeinhalb Stunden an. So weit sind wir im Test allerdings nie gekommen, nach gut drei Stunden war bei uns Schluss. Und das ist ärgerlich, denn die Verbindung zu Mobiltelefon oder MP3-Player stellt der Rockaway ausschließlich per Bluetooth her. Wenn der Akku leer ist, gibt's keine Beschallung mehr.

Dabei lassen sich erfreulicherweise die Verbindungsdaten von bis zu acht Geräten speichern. Man kann es also ohne Aufwand mit dem iPhone, dem MP3-Player und einem Tablet-PC nacheinander benutzen. Die integrierte Kabelfernbedienung nervt mit etwas zu kleinen Tasten, die man ohne hinzuschauen schwer voneinander unterscheiden kann.

Die am Verbindungskabel der Ohrhörer angebrachte Klemme zur Befestigung an der Kleidung kann man getrost demontieren. Ohne den Plastikclip bleiben die Rockaways besser in Position.

Der Sound ist brauchbar, nur etwas flach. Bässe sind gut hörbar, aber nicht kräftig ausgeprägt, müssen eher als Tiefmitten bezeichnet werden. Dafür werden Mitten und Höhen recht gut übertragen. Insgesamt ist der drahtlose Ohrhörer aber ziemlich leise. Die ideale Anwendung meinen wir in Hörbüchern gefunden zu haben, die man damit beispielsweise beim Sport genießen kann.

Beim Musikhören macht der Rockaway dagegen nur maßvoll Freude und könnte gerne mehr Druck vertragen. Auch würde man sich wertigere Materialien wünschen, denn insgesamt hinterlässt er einen etwas billigen Eindruck.

Hersteller-Website: Novero Rockaway

Ladenpreis: 80 Euro

URL:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung