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05. Dezember 2017, 10:41 Uhr

Wenig Kabel, viel Druck

Kabellose In-Ohr-Kopfhörer im Test

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Ohrhörer mit Bluetooth sind klein genug, um immer dabei zu sein. Und es gibt keine Kabel, die sich in der Tasche verheddern. Wie sie klingen und was sie noch können, klärt unser Test.

Wer sie ausprobiert hat, will nichts anderes mehr: kabellose Kopfhörer. Statt per Strippe werden sie per Bluetooth-Funk mit Smartphone, Tablet oder PC verbunden. Die Reichweite liegt - auf freiem Feld - bei bis zu 100 Metern. Das sorgt für Bewegungsfreiheit, ist praktisch und man muss sich nie mehr mit verhedderten Kabeln herumärgern.

Aber wie gut klingen solche Ohrhörer eigentlich? Schließlich sind sie nicht gerade günstig. Und welche Extras bieten sie? Ein wichtiges Zubehörteil sind zum Beispiel Transportboxen mit Akku, zum Aufladen unterwegs. Denn länger als etwa drei Stunden halten die winzigen Akkus selten.

Ich habe acht verschiedene Modelle ausprobiert und getestet, wie gut sie sich an unterschiedliche Ohren anpassen lassen und wie gut der Klang ist:

Apple AirPods

Mittlerweile benutze ich die AirPods seit einem Jahr regelmäßig. Obwohl man sie auch mit Android-Smartphones benutzen kann, sind sie vor allem für Apple-Nutzer attraktiv. Denn einmal mit dem Apple-Account verbunden, verbinden sie sich fast automatisch mit allen weiteren Apple-Geräten, auf denen man sich anmeldet. Im Alltag heißt das: Case aufklappen, AirPods ins Ohr stecken, Musik hören - egal mit welchen Gerät.

Der Sound der AirPods ist bis in hohe Lautstärken ausgewogen und Hi-Fi-mäßig, mit runden, aber nicht sehr stark betonten Bässen. Das ändert sich, wenn man sich, etwa beim Sport, intensiv bewegt. Weil sich die Kopfhörer dabei lockern, geht ein Teil des Bassfundaments verloren. Am besten ist der Klang also, wenn man sitzt.

Herstellerwebsite: Apple
Preis: 179 Euro

Beats Beatsx

In den Beatsx steckt derselbe W1-Chip wie in den AirPods. Deshalb sind sie auch ebenso einfach mit Apple-Geräten zu koppeln: Einschalten, ans iPhone halten, fertig. Ohnehin sind sie nur für Apple-Nutzer interessant, weil sie nicht per USB aufgeladen werden, sondern eine Lightning-Buchse haben. Ein iPhone- oder iPad-Ladegerät braucht man also auf jeden Fall.

Der Sound ist ähnlich klar wie bei den AirPods, vielleicht einen Hauch kräftiger im Bass. Vor allem aber sitzen sie fester in den Ohren, bieten durch das Verbindungskabel zwischen den Ohrhörern mehr Stabilität. Leider verursacht das Kabel hörbare Geräusche, wenn es beispielsweise am Hemdkragen scheuert. Praktisch: Lässt man die Beatsx am Hals baumeln, haften linker und rechter Ohrhörer magnetisch aneinander.

Herstellerwebsite: Beats
Preis: 150 Euro

Beats Powerbeats3 Wireless

Auch bei den Powerbeats3 Wireless zeigt sich, dass Beats eine Apple-Tochter ist, denn auch hier steckt ein W1-Chip im Ohrhörer. Der wichtige Unterschied ist hier der Tragekomfort. Wer beim Sport Musik hören will, ist mit diesen Ohrhörern gut bedient. Zum einen werden sie von Tragebügeln gut an den Ohren fixiert, zum anderen ist am Verbindungskabel ein Clip angebracht, mit dem sich das Kabel im Nacken zusammenziehen lässt, sodass nichts schlackert.

Die Klangcharakteristik ist ähnlich wie bei den Beatsx, nur etwas kräftiger in den Bässen. Das Tragegefühl ist sehr angenehm, auch nach Stunden verursachen die Powerbeats3 Wireless keinen nervenden Druck in den Gehörgängen. Anders als die Beatsx werden sie über ein Standard-USB-Kabel aufgeladen.

Herstellerwebsite: Beats
Preis: 200 Euro

Beyerdyamic Bryron BTA

Der Byron BTA ist die für Apple-Nutzer angepasste Version des Byron BT. Beide Varianten des Ohrhörers von Beyerdynamic können sowohl an Android- als auch an Apple-Geräten verwendet werden. Der feine Unterschied: Der BTA unterstützt das von Apple verwendete Musikformat AAC direkt, soll dadurch an iPhones und iPads eine bessere Klangqualität bieten als der Byron BT - und ist deshalb doppelt so teuer.

Ob er das wirklich schafft, sei dahingestellt, der Klang gefällt mir jedenfalls sehr gut. Der Sound wirkt unaufgeregt und klar, die räumliche Auflösung ist sehr realistisch. Bässe werden prägnant und trocken, aber keinesfalls aufdringlich wiedergegeben. Nervig ist allerdings die Ladeschale. Statt einfach ein Kabel anzustöpseln, muss man die Kabelfernbedienung des Byron BTA in eine flache Ladevorrichtung legen und diese mit ihrer viel zu kurzen Strippe mit dem PC oder Netzteil verbinden.

Herstellerwebsite: Beyerdynamic
Preis: 199 Euro

Bragi The Dash Pro

Hersteller Bragi bezeichnet die Dash Pro als "intelligente Ohrhörer". Das ist übertrieben, aber mehr als einfache Ohrhörer sind sie schon. Dabei machen sie auch als solche einen guten Eindruck: Ihr Sound ist rund, das Stereobild wird sauber aufgelöst, Tiefmitten und Bässe drücken kräftig.

Mittels Sensoren können die Dash Pro sportliche Aktivitäten aufzeichnen, messen etwa die Herzfrequenz, Schrittzahl und Schwimmstrecken. Bis zu einem Meter Tiefe sind sie wasserdicht. Ans Musikhören beim Schwimmen kann ich mich freilich nicht gewöhnen, auch wenn das komplett ohne Smartphone geht, weil die Dash mit vier GB Speicher Platz für Hunderte Songs haben.

Eher ein Gimmick als ein sinnvolles Extra ist das "4D-Menü", eine virtuelle Benutzeroberfläche, die man mit Kopfgesten steuert, die aber umständlich in der Anwendung ist. Praktisch ist die Option, Anrufe durch ein Kopfnicken anzunehmen und mit einem Kopfschütteln abzulehnen.

Herstellerwebsite: Bragi
Preis: 349 Euro

Samsung IconX (2018)

Samsungs neue Ohrhörer haben die beste Passform im Test. Bei meinen sehr unterschiedlich geformten Ohren passten sie auf Anhieb, und ich konnte sie stundenlang problemlos tragen.

In Kombination mit einem Samsung-Smartphone bieten die IconX diverse Extras, wie beispielsweise eine Trainerfunktion, die etwa beim Jogging das Einhalten vorher definierter Trainingsziele prüft und gegebenenfalls zu mehr oder weniger Leistung animiert. Klanglich decken sie das volle Spektrum ab, leisten sich keine Frequenzlöcher, geben Bässe, Mitten und Höhen gleichermaßen gut, aber leider auch etwas langweilig, wieder.

Herstellerwebsite: Samsung
Preis: 229 Euro

Sony WF-1000X

Die WF-1000X haben für meinen Geschmack den besten Sound unter den getesteten Modellen. Rund und warm, mit einer zum Teil drückenden Tiefenwiedergabe, verpasst man mit ihnen kaum ein musikalisches Detail. Schade nur, dass sie relativ groß geraten sind. Für Menschen mit schmalen Gehörgängen kann das zum Problem werden.

Per App lässt sich die aktive Geräuschunterdrückung steuern. Im Automatikmodus soll diese erkennen, ob man gerade gemütlich sitzt, spazieren geht, läuft oder in einem Transportmittel unterwegs ist, und die Stärke der akustischen Abschirmung entsprechend anpassen. Im Test funktionierte das recht ordentlich und im Flugzeug konnte ich mit den WF-1000X trotz dröhnender Triebwerke gut Musik hören. Anders als etwa die QuietControl 30 von Bose eignen sie sich allerdings nicht, um beim Schlafen im Flieger getragen zu werden, dazu ragen sie zu weit aus den Ohren heraus.

Herstellerwebsite: Sony
Preis: 219 Euro

Zolo Liberty+

Im Gegensatz zu den Samsung IconX habe ich es bei den Liberty+ auch nach intensivem Ausprobieren von Adapterstücken nicht geschafft, einen optimalen Sitz zu erreichen. So rutschten die Ohrhörer schnell ein Stück aus dem Gehörgang heraus, wodurch sich der Klang veränderte, dünn und bassarm wurde. Ansonsten klingen die Liberty+ ordentlich, wenn auch nicht besonders kräftig. Ihr Charakter ist leicht mittenbetont.

Smarte Funktionen fehlen hier komplett, Sensoren gibt es nicht. Das einzige Extra des Liberty+ ist eine Geräuschunterdrückung, die für Alltagssituationen, wie etwa Bahnfahrten, ausreicht. Über Tasten in Ohrhörer lassen sich Sprachassistenten wie Siri und der Google Assistant aufrufen. Ein nettes Extra ist die "Anti-Loss"-Funktion: Verlassen die Ohrhörer die Bluetooth-Reichweite des Smartphones, wird eine Warnmeldung ausgegeben.

Herstellerwebsite: Zolo
Preis: 129 Euro, Lieferbar ab Januar 2018

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