Innereien-Analyse Die Hardware von Nintendos 3DS kostet 70 Euro

Im Laden kostet sie rund 250 Euro, ihre Bauteile sind aber nur 71,59 Euro wert: Mit der Spielkonsole 3DS macht Hersteller Nintendo offenbar gute Gewinne - und baut ein hochwertiges Produkt, sagen Marktforscher, die das Gerät auseinander genommen haben.
Nintendo 3DS: Nur ein Drittel des Kaufpreises entfallen auf die Herstellung

Nintendo 3DS: Nur ein Drittel des Kaufpreises entfallen auf die Herstellung

Foto: AP

Nintendos neue mobile Spielkonsole 3DS verkauft sich gut: In den Vereinigten Staaten meldete der japanische Konzern gerade einen Verkaufsrekord - nie zuvor habe eine tragbare Nintendo-Konsole in den USA am ersten Verkaufstag so viele Käufer gefunden wie das neue Modell . Bei Nintendo will das etwas heißen, schließlich hat der Konzern eine lange Geschichte in diesem Bereich. Das Erfolgsrezept der 3DS: Sie kann angepasste Spiele in 3D anzeigen, ohne dass man dabei eine Spezialbrille tragen müsste. Jetzt haben die Marktforscher von iSuppli  das Gerät zerlegt und festgestellt, dass die Bauteile der Konsole nicht einmal ein Drittel zum Verkaufspreis des Geräts beitragen.

Auf exakt 100,71 Dollar, umgerechnet 71,59 Euro, schätzen die Experten die Hardwarekosten pro 3DS. Für den Zusammenbau der Komponenten veranschlagen sie 2,54 Dollar (1,81 Euro). Verglichen mit dem Vorgängermodell DSi sei das allerdings ein gewaltiger Kostenanstieg, schreibt iSuppli. Für die DSi hatten die Marktforscher noch Bauteilkosten von 75,58 Dollar (53,73 Euro) veranschlagt - ein Drittel weniger. Im Einzelhandel muss man 249 Euro für eine neue 3DS berappen.

Die teuersten Einzelkomponenten der 3DS sind den Berechnungen zufolge der 3-D-Bildschirm und der Touchscreen. Beide werden vom Bildschirmhersteller Sharp zugeliefert und kosten zusammen 33,80 Dollar, das sind fast 22 Dollar mehr als die Displays von Nintendos DSi gekostet haben.

Trotzdem hat sich die Gewinnspanne des Konzerns gegenüber der des DSi drastisch erhöht, weil das Vorgängermodell im Handel noch 100 Euro billiger war als die 3DS, rechnet heise.de  vor. Demnach hat sich der Anteil der Hardware-Kosten am Verkaufspreis von 44 Prozent bei der DSi auf 35 Prozent bei der 3DS verringert. " Eurogamer " will zudem erfahren haben, dass den Händlern bei dem neuen Modell nur eine geringe Marge bleibt. Inklusive Steuern, so "Eurogamer", liege der Einkaufspreis bei ca. 230 Euro. Anbietern, die das Gerät zu Preisen unter 240 Euro verkaufen, würde damit kein nennenswerter Profit bleiben. Nintendo selbst macht zu Verkaufszahlen, Herstellungskosten und Händlereinkaufspreisen keine Angaben.

Akku-Inspiration von Apple

Abgesehen von diesen Zahlen hat das Sezieren der 3DS auch ein paar nützliche Erkenntnisse zutage gebracht. Zum Beispiel die, dass in der Konsole ein vermutlich ebenfalls von Sharp speziell für die 3DS hergestellter Prozessor steckt, der "signifikant mehr Leistung" bereitstellt als das Siliziumherz der DSi. Überdies sei der Flash-Speicher um das Achtfache von 256 Megabyte auf zwei Gigabyte erhöht worden. Den Arbeitspeicher gibt iSuppli mit 64 Megabyte an, heutzutage nicht eben viel.

Vor allem in die Stromversorgung habe Nintendo viel investiert, attestiert iSuppli. Wobei auch das relativ ist. Der neue Akku habe eine viel höhere Leistung als jener in der DSi, sei dafür aber auch mehr als doppelt so teuer. Hier habe Nintendo sich offenbar von Apple inspirieren lassen, die immer besonders viel in eine hochwertige Regelung des Stromverbrauchs und speziell angepasste Akkus investieren. Dem Reingewinn hätte wohl aber auch ein noch höherwertiger Akku kaum schaden können, denn mit 3,50 Dollar macht das jetzt verbaute Exemplar einen vernachlässigbar kleinen Teil der Gesamtkosten aus.

Aber am Ende, das lehren solche Analysen immer wieder, kommt es den Unternehmen auf jeden Cent an, den sie bei der Produktion sparen und in Erlöse umwandeln können - millionenfach.

mak
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