Neue Prozessoren Intels schöne neue Notebook-Welt

Touchscreens, ultrabreite Bildschirme, eingebaute Alarmanlagen und vieles mehr: Intel hat auf der Computex neue Prozessoren vorgestellt, die viele PC-Hersteller zum Bau neuer Ultrabooks und PC motivieren. Wir zeigen die spannendsten Modelle - und das heimliche Highlight.

SPIEGEL ONLINE

Aus Taipeh berichtet


Es wirkt wie ein Zahlenspiel: Auf der Computex 2011 kündigte Intel die ersten Ultrabooks an, auf der Computex 2012 zeigt das Unternehmen die zweite Generation der flachen leichten Rechner, die von der dritten Generation der Intel Core-Chips angetrieben werden. Um genau diese Chips wurde im Vorfeld der Messe ein große Geheimnis gemacht. Weil Intel sie am ersten Messetag offiziell vorstellen wollte, durften die Herstellen von Computern mit diesen Chips bis dahin keine Angaben darüber machen, mit welchem Antrieb ihre neuen Kreationen ausgerüstet werden. Dabei waren die Daten der Chips bereits seit einer Woche bekannt.

Laut Tom Kilroy, Senior Vice President bei Intel, sind sie bis zu 22 Prozent schneller und verbrauchen bis zu 15 Prozent weniger Strom als ihre Vorgänger. Vor allem aber soll die Grafikleistung gewaltig bis auf das Zweifache gesteigert worden sein. Was das bedeutet, zeigte Kilroy dann auch gleich im Rahmen einer Eröffnungsrede, die er auf der Computex in Taipeh hielt: Auf mehreren Ultrabooks unterschiedlicher Hersteller, die alle mit den neuen Intel-Prozessoren bestückt waren, liefen Spiele wie "Diablo 3", "Microsoft Flight" und "Fifa 12" - ruckelfrei und in guter Qualität.

Viele Neuerungen aber stecken besser versteckt unter der Haube. So sollen die Rechner mit den neuen Chips schneller aus dem Ruhezustand erwachen: Sieben Sekunden verspricht Intel. Eine Anti-Diebstahl-Technik, die eigentlich Diebe-Ärger-Technik heißen müsste, verhindert zwar nicht, dass ein Ultrabook gestohlen werden kann. Sie ermöglicht es dem Besitzer aber, sein Gerät via Internet fernzusteuern und zu deaktivieren, sobald der Dieb es mit dem Netz verbindet.

Thunderbolt wird Pflicht

Eine Möglichkeit, Diebstähle wirklich zu verhindern, zeigt Intel in Taipeh anhand einer selbst entwickelten Software. Die kontrolliert ins Notebook eingebaute Lagesensoren und schlägt Alarm, sobald das Gerät bewegt, also etwa angehoben wird. Wahlweise wird dieser Alarm auch aufs Handy gesendet. Auf diese Weise, so Intels-Manager, könne man sein Ultrabook künftig auch mal ein paar Minuten allein im Café stehen lassen. Der Haken bei der Sache: Noch gibt es keinen kommerziellen Anbieter einer solchen Wach-Software. Außerdem gehören die benötigten Sensoren offenbar nicht zur Pflichtausstattung von Ultrabooks.

USB 3.0 und vor allem die superschnelle Thunderbolt-Technik müssen in die neuen Mobilrechner dagegen zwingend eingebaut werden, was vielen neuen Peripeheriegeräten die Tür öffnet und hoffentlich bald die Preise für Thunderbolt-Zubehör sinken lässt. Wie Intel die Branche antreiben und in eine Richtung lenken kann, zeigt sich auch daran, dass der Konzern Abkommen mit mehreren Touchscreen-Herstellern getroffen hat, um die Verfügbarkeit von berührungsempfindlichen Bildschirmen im großen Stil sicherzustellen.

Dass solche Bildschirme in den nächsten Jahren massiv nachgefragt werden, liegt an der neuen Touch-optimierten Metro-Oberfläche von Windows 8. Mehrere Ultrabook-Hersteller zeigen auf der Computex Ultrabooks mit einem für das neue Windows tauglichen Touchscreen. Dass man sich auch mit anderen Methoden an Windows 8 anpassen kann, demonstriert Toshiba eindrucksvoll mit dem 14,4-Zoll-Ultrabook U840w. Mit seinem ultrabreiten Bildschirm im 21:9-Format (1792 x 768 Pixel) bietet es sich zur Wiedergabe von Kinofilmen ohne Trauerrand an. Vor allem aber ist es ideal, um die Windows-8-Funktion zum Aufteilen des Bildschirms in zwei funktionell getrennte Bereiche zu nutzen (siehe Fotostrecke).

Leichter und billiger

Andere versuchen sich mit verschiedenen Details von der Masse abzuheben. Gigabyte etwa zeigt mit dem X11 das bisher leichteste Ultrabook. Nur 975 Gramm wiegt das Gerät, das einen Teil seiner Gewichtseinsparungen dem Gehäusematerial Carbon verdankt. Das passt zu Intels Ankündigung, eine Gehäusetechnik entwickelt zu haben, die es den Herstellern leichter und vor allem billiger machen soll, die Leichtbau-Laptops zu umhüllen. Die populäre Methode, dazu aus einem Block gefräste Aluminiumgehäuse zu verwenden, wie Apple es tut, ist enorm zeitaufwendig und teuer. Intel will dagegen künftig ein spezielles Kunststoffmaterial verwenden lassen; mehr Details dazu gab es bisher nicht.

Dass so etwas schon jetzt geht, beweist auf der Computex allerdings Asus. Denn das Gehäuse des neuen Zenbook UX32 sieht zwar aus als wäre es aus Aluminium, ist es aber nicht. Es besteht offenbar aus einem verstärkten Kunststoffkörper mit einer Metallbeschichtung, was die Produktionskosten erheblich senkt. Ab 800 Euro soll es in den Handel kommen, mit einem der neuen Intel-Prozessoren, 4 GB RAM und einer 500 GB großen Festplatte samt 24 GB SSD-Cache.

Wer dann noch mindestens zweihundert Euro drauflegt, bekommt außerdem ein blickwinkelstabiles entspiegeltes Full-HD-Display und optional eine nVidia-Grafikkarte anstelle der von Intel integrierten. Angebote wie diese verleiten Intel wohl zu der Prognose, dass Ultrabooks in Kürze 40 Prozent Marktanteil haben werden. Die Hersteller dieser Geräte sind da konservativer und gehen eher von Werten um 20 Prozent aus.

Wie sich diese Zahlen tatsächlich entwickeln werden, hängt massiv auch davon ab, wie erfolgreich Windows 8 bei seiner Einführung Ende des Jahres sein wird. Die nötigen Hardware-Grundlagen jedenfalls haben die asiatischen Computerfirmen geschaffen.

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dr. phibes 05.06.2012
1.
Ich fange langsam an die Hoffnung zu verlieren das es irgendwann wieder 4:3 Bildschirme gibt. Die Sehschlitze mögen ja gut für Filme und Panzersimulationen (Sehschlitz) sein, aber Text hätte ich doch gerne klassisch von oben nach unten. Da passt dann einfach bei den "alten" mehr drauf.
fliegender-robert 05.06.2012
2. HD - pfui
Zitat von dr. phibesIch fange langsam an die Hoffnung zu verlieren das es irgendwann wieder 4:3 Bildschirme gibt. Die Sehschlitze mögen ja gut für Filme und Panzersimulationen (Sehschlitz) sein, aber Text hätte ich doch gerne klassisch von oben nach unten. Da passt dann einfach bei den "alten" mehr drauf.
Genau. Also wer sich diesen Unfug als "Standard-Auflösung" ausgedacht hat, hat nie selbst damit "gearbeitet". Nicht umsonst wird in diesem Zusammhang immer nur von "Filme-Ansehen" gesprochen. Für den Arbeitsalltag absolut untauglich. Selbst SPON-Lesen macht keinen Spaß -> mit 75% Werbung auf der rechten Seite und links nur ein winziges Text-Fitzelchen...
Andalusier 05.06.2012
3.
Zitat von dr. phibesIch fange langsam an die Hoffnung zu verlieren das es irgendwann wieder 4:3 Bildschirme gibt. Die Sehschlitze mögen ja gut für Filme und Panzersimulationen (Sehschlitz) sein, aber Text hätte ich doch gerne klassisch von oben nach unten. Da passt dann einfach bei den "alten" mehr drauf.
Mich ärgert dieser Trend zu immer breiter auch, da ich häufiger die Höhe brauche als die Breite. Ein versteckter Grund für immer Breite könnte sein, dass das in Zollmaß gleiche Breitformat weniger Glas braucht als das gleich Zollmaß im 4:3 Seitenverhältnis und somit billiger in der Herstellung ist.
Lurchfreund 05.06.2012
4.
Warum immer nur grässliche Chiclet-Keyboards? Plane Tasten? Die sind billiger herzustellen als die althergebrachten und trotzdem wurden sie, bis Apple mit diesem Unsinn anfing, nie hergestellt. Warum also haben die Hersteller sich diesen zusätzlichen Umsatz entgehen lassen? Warum haben wohl hunderte von Industriedesignern auf plane Tasten verzichtet? Offensichtlich reicht es, wenn Apple irgendein haptisch unsinniges Produkt auf den Markt wirft und alle machen es nach. Ich möchte althergebrachte Tasten. Mit Mulde für die Fingerspitzen. Ich will eine Backspace-Taste, auf der ein Pfeil nach links zeigt und nicht "Backspace" drauf steht. Kenne viele Leute mit Notebooks, die gerne eine "Oldschool"-Tastatur hätten und sehr gut auf Chiclet verzichten könnten. Taschenrechner haben Chiclet-Keyboards. Oder Folientastaturen vom ZX anno 1981. Aber ein 800€-Notebook? Ernsthaft? Chiclet ist genauso lästig wie Glare-Displays, die ordentlich spiegeln. Für berufliche Nutzung schon fast komplett unbrauchbar.
Pumkin 05.06.2012
5. iMac
Ein iMac hat einen 27 Zoll Monitor im 16:9 Format, der dabei trotzdem höher ist als andere Breit. Darauf ist es ein Vergnügen gleich eine Doppelseite geöffnet zu haben und nicht nur eine Seite hoch. Dabei ist seitwärts immer noch genügend Platz frei für z.B. Werkzeugpaletten.
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