»International E-Waste-Day« Zunahme von Elektroschrott alarmiert Umweltexperten

Weltweit werden dieses Jahr wohl 57,4 Millionen Tonnen Elektroschrott anfallen, ein neuer Höchstwert. Recycelt wird davon nur ein kleiner Teil. Das liegt auch an den Verbrauchern.
Elektroschrott in der Halle einer Recyclingfirma: Nicht einfach alles wegwerfen

Elektroschrott in der Halle einer Recyclingfirma: Nicht einfach alles wegwerfen

Foto: Marcel Kusch / dpa

Angesichts einer immer weiter steigenden Masse an kaputten und ungenutzten Elektrogeräten appellieren Umweltschützer an Verbraucher. Sie sollen ausgemusterte Elektrogeräte reparieren oder recyceln lassen, heißt es zum internationalen Tag des Elektroschrotts, dem »International E-Waste-Day«, am morgigen Donnerstag.

Laut Schätzungen wird die Masse des jährlich anfallenden Elektroschrotts im Jahr 2021 mit 57,4 Millionen Tonnen erneut einen Höchstwert erreichen. Umweltexperten des Brüsseler WEEE Forums zufolge übersteigt die Masse ausrangierter Kühlschränke, Monitore und Handys damit sogar das Gewicht der Chinesischen Mauer. WEEE steht für »Waste of Electrical and Electronic Equipment«.

Trotz aller Bemühungen, den Elektroschrott zu reduzieren, wächst der Berg weiter: Laut dem von der Universität der Vereinten Nationen (Uno) mitverfassten »Global E-Waste Monitor 2020« kamen im Jahr 2019 53,6 Millionen Tonnen Elektroschrott zusammen, was einem Wachstum von 21 Prozent seit dem Jahr 2014 entspricht. Und eine Trendwende ist nicht in Sicht: Wenn die Entwicklung anhalte, heißt es, seien im Jahr 2030 74 Millionen Tonnen zu erwarten. Auf seiner Website  weist das WEEE Forum darauf hin, dass die Coronakrise dazu geführt hat, dass viele Menschen noch mehr Elektroprodukte angeschafft haben.

Das Problem ist allerdings nicht nur die Masse, sondern auch, wie mit ihr umgegangen wird. Nach Berechnungen der Uno-Experten wurden 2019 nur 17,4 Prozent des produzierten Elektroschrotts eingesammelt und recycelt. Viele kostbare Rohstoffe – darunter Gold und Silber – seien stattdessen verbrannt worden oder auf Müllkippen gelandet. Gefährliche Stoffe wie Quecksilber würden zur Gefahr für Mensch und Umwelt.

Fokus auf die Verantwortung der Bürger

Zudem gibt es einen weiteren Umweltaspekt: »Solange die Bürger ihre gebrauchte, kaputte Ausrüstung nicht zurückgeben, verkaufen oder spenden, müssen wir weiterhin völlig neue Materialien abbauen, die große Umweltschäden verursachen«, teilte Pascal Leroy, der Direktor des WEEE Forums und Veranstalter des »International E-Waste Days«, mit.

Zwar begegnete die EU dieser Problematik schon früh mit Maßnahmen und Richtlinien, die die fachgerechte Entsorgung alter Elektrogeräte sicherstellen sollen und die Produzenten der Geräte dazu verpflichten, Verantwortung für die Sammlung und Sortierung sowie das Recycling ihrer Produkte zu übernehmen. Dennoch bleiben die EU-Mitgliedsstaaten laut einer Untersuchung des Ausbildungs- und Forschungsinstituts der Vereinten Nationen bei der Reduzierung von Elektroschrott teilweise weit hinter ihren eigenen Zielen zurück.

Auch aus diesem Grund werde der »International E-Waste-Day« in diesem Jahr die Endverbraucher in den Mittelpunkt stellen, so Leroy, und sich »auf die Verantwortung konzentrieren, die wir alle als Bürger haben, um eine Kreislaufwirtschaft zu gestalten«.

So wird man Elektro-Großgeräte los

Großgeräte kann man in Deutschland auf zwei Wegen abgeben: erstens kostenlos am kommunalen Wertstoffhof. In diversen Kommunen gibt es sogar das Angebot, Elektrogeräte vom Grundstück oder aus der Wohnung abholen zu lassen – teilweise ist diese Abholung jedoch kostenpflichtig, teilt der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) mit.

Zweitens kann man Großgeräte im Laden zurückgeben, wenn es sich um einen großen Händler von Elektrogeräten mit einer Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmetern handelt. Beim Onlinehandel wird entsprechend die Versand- und Lagerfläche zugrunde gelegt.

Ein Altgerät muss immer dann kostenlos zurückgenommen werden, wenn ein entsprechendes Neugerät derselben Geräteart gekauft wird. Ein Tipp: Wird die neue Ware geliefert, kann das Altgerät gleich mitgenommen werden. Beim Abschluss des Kaufvertrags sollte man den Händler aber darüber informieren.

Was sich bald ändert

Ab Januar 2022 wird die Rücknahmepflicht übrigens ausgeweitet: Dann müssen auch jene Händler, die Lebensmittel auf einer Gesamtverkaufsfläche von mindestens 800 Quadratmetern verkaufen und mehrmals im Kalenderjahr oder dauerhaft Elektro- und Elektronikgeräte anbieten, Rücknahmestellen einrichten. Dafür gilt aber bis zum 30. Juni 2022 eine Übergangsfrist.

Elektro-Kleingeräte wird man immer unentgeltlich bei Wertstoffhöfen und im Handel los. Denn Geräte, die in keiner Abmessung länger als 25 Zentimeter sind – wie Smartphones, Rasierer und Zahnbürsten –, müssen von Elektrohändlern auf Verlangen angenommen werden. Das gelte unabhängig davon, ob der Verbraucher zeitgleich dort ein neues Gerät kauft, so der VKU. Beschränkt sei die Rücknahme lediglich auf drei alte Produkte pro Geräteart.

All diese Angebote nutzen viele offenbar nicht: Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe haben Händler in Deutschland im Jahr 2020 nur rund 200.000 Tonnen Altgeräte eingesammelt, obwohl mehr als 2,8 Millionen Tonnen Neugeräte verkauft wurden.

mbö/dpa
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