iOS 14 und macOS Big Sur Wie Apple für mehr Privatsphäre sorgen will - und was nicht funktioniert

Apple hat diese Woche viele neue Funktionen für iPhones, iPads und Macs angekündigt. Die Updates sind kostenlos und nützlich. Doch einige der besten Features wird man in Deutschland nicht nutzen können.
Screenshot aus dem neuen macOS: Hübsche Optik und viele Funktionen, die vorerst nicht alle Anwender sehen werden

Screenshot aus dem neuen macOS: Hübsche Optik und viele Funktionen, die vorerst nicht alle Anwender sehen werden

Foto: Matthias Kremp/ DER SPIEGEL

Den Aufenthaltsort verschleiern

In iOS 14 und iPadOS 14 gibt es unter Einstellungen / Datenschutz / Ortungsdienste für jede App die Option, festzulegen, ob sie den genauen oder nur einen ungefähren Standort nutzen darf.

Verweigert man ihr die exakte Positionsbestimmung, wird ihr vom Betriebssystem ein Ort im Umkreis von etwa 15 Kilometern genannt. Das kann beispielsweise ein Rathaus oder ein anderer markanter Punkt in der Umgebung sein.

Transparenz beim App-Tracking

Im App Store will Apple Angaben dazu machen, welche Nutzerdaten eine App verwendet und mit wem sie diese teilt. Das hört sich gut an, hat aber einen Knackpunkt: Die Angaben im Store basieren auf Meldungen des jeweiligen App-Anbieters. Diese Meldungen sind für die Anbieter verpflichtend und sollen durch eine Kombination aus automatischen und manuellen Überprüfungen verifiziert werden. Apps von Entwicklern, die keine oder falsche Angaben zum Tracking machen, fliegen aus dem Angebot. Zudem müssen Nutzerinnen und Nutzer jeder neu installierten App das Tracking explizit erlauben .

Warnung vor kompromittierten Passwörtern

Apples Browser weist in seiner Liste gespeicherter Passworte schon lange darauf hin, wenn ein Passwort zu leicht zu erraten ist oder auf mehreren Websites verwendet wird. Künftig soll Safari seine Nutzer aber auch informieren, wenn ihre Passwörter in einem Leak aufgetaucht sind. Aus welchen Quellen der Konzern die dafür nötigen Informationen bezieht, mochte das Unternehmen noch nicht verraten. Angebote wie Have i been pwned  und der Identity Leak Checker  vom Hasso-Plattner-Institut sammeln schon lange solche Informationen und könnten hier Hilfe leisten.

Warnung vor Klemmbrett-Kopien

Mit iOS 14 führt Apple eine Funktion ein, die den Nutzer warnt, wenn eine App das Clipboard, also das digitale Klemmbrett des Betriebssystems, ausliest. Im Clipboard landet, was man per "Kopieren"-Befehl aus einem Text oder Bild ausschneidet. Einigen Nutzern der Betaversion war aufgefallen, dass die neue Warnmeldung immer dann aufploppte, wenn man in der TikTok-App Text eintippte.

Laut TikTok war dieses Verhalten eine Reaktion des neuen Systems auf eine Funktion der App, die wiederholte Eingaben von Spammern erkennen soll. Ein Update für TikTok, das dieses Verhalten abstellt, ist bereits verfügbar. Ein Einzelfall ist TikTok nicht gewesen. Wir konnten die Warnmeldung beispielsweise auch in Microsoft Teams reproduzieren.

Freie Wahl von E-Mail-App und Browser

Wohl vor allem um möglichen Wettbewerbsbeschwerden aus dem Weg zu gehen, will Apple den Nutzern von iOS 14 und iPadOS 14 die Möglichkeit bieten, Apps von Drittanbietern als Standard-Browser und Mail-Programm festzulegen. Das geht freilich erst, wenn die jeweiligen Entwickler ihre Apps an die neue Option angepasst haben. Erst wenn eine solche App installiert ist, wird die entsprechende Option in den Einstellungen auftauchen.

Zumindest bei den Browsern bedeutet diese Möglichkeit nur ein kleines bisschen Freiheit. Denn egal ob Chrome, Edge oder Firefox: Webbrowser müssen unter iOS immer die Software WebKit, auf der Safari basiert, als Grundlage verwenden. Das macht sie letztlich alle zu Schwestern und Brüdern von Safari, die sich nur durch ihre Optik und die Möglichkeit unterscheiden, Bookmarks und dergleichen mit anderen Diensten zu synchronisieren.

Was wegfällt: Windows-on-Mac

Solange Apple Intel-Prozessoren verwendet hat, war es ein Leichtes, darauf neben Apples macOS auch Microsofts Windows zu installieren. Mit Boot Camp gab es sogar eine Apple-Software, die das ermöglichte. Der Umstieg auf Apple-Chips beendet diese traute Zweisamkeit. Auch Virtualisierungsprogramme wie die von vmware und Parallels werden auf Apples Computern kein Windows oder Linux mehr laufen lassen können. Zumindest nicht, solange sie nicht komplett für die neuen Chips umgeschrieben worden sind. Und selbst dann dürfte Windows-on-Mac keine ernst zu nehmende Option mehr sein. Die Übersetzung der Intel-Prozessorbefehle auf Apple-Technik wird solche Programme drastisch ausbremsen.

Ob irgendwann die von Microsoft für sogenannte ARM-Prozessoren entwickelte Windows-Variante Windows 10 on ARM auf Apples Rechnern laufen wird, bleibt abzuwarten. Bisher gibt es dazu offenbar keine Pläne. Zudem müsste sich dann auch Microsoft erst mal dazu überreden lassen, diese Windows-Version frei verkäuflich anzubieten. Bisher wird Windows 10 on ARM nur an Hardwarehersteller geliefert.

Was gar nicht funktionieren wird

Auf der Keynote zur WWDC wurde viele faszinierende Neuerungen gezeigt. Was dabei nicht erwähnt wurde: Etliche der neuen Funktionen wird es vorerst nur in wenigen Ländern geben oder sie werden nur mit bestimmten Geräten funktionieren.

  • Fahrradtouren kann man in Apple Maps in den folgenden Städten planen: San Francisco Bay Area, Los Angeles, New York City, Shanghai und Beijing. Es soll noch ein paar mehr geben, doch die wurden bisher nicht benannt. Wann und wie schnell das Angebot ausgebaut wird, ist unklar.

  • Die Scribble genannte Handschrifterkennung am iPad funktioniert nur auf Englisch und Chinesisch.

  • Die Übersetzung per Translate-App beherrscht die folgenden Sprachen: Arabisch, Chinesisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Koreanisch, Portugiesisch, Spanisch.

  • Um mit AirPods Pro Raumklang hören zu können, braucht man ein iPhone 7 oder neuer oder ein relativ aktuelles iPad.

  • Ein Grund mehr, iOS 14 noch nicht auf dem iPhone zu installieren, das man im Alltag benutzt: Die für die Corona-Warn-App notwendige Software-Schnittstelle ist zumindest in der jetzt an Entwickler verteilten Betaversion nicht enthalten, weshalb die App auf solchen iPhones derzeit nicht funktioniert.

Auf welchen Geräten laufen die Updates?

iOS 14 wird auf allen iPhones ab den Modellen 6s und SE laufen, was dem Baujahr 2015 entspricht.

MacOS Big Sur kann auf den folgenden Apple-Computern installiert werden:

  • MacBooks ab 2015

  • MacBook Air ab 2013

  • MacBook Pro ab Ende 2013

  • Mac mini ab 2014

  • iMac ab 2014

  • iMac Pro ab 2017

  • Mac Pro ab 2013

Mit iPadOS 14 sind die folgenden Apple-Tablets kompatibel:

  • iPad mini ab 4. Generation

  • iPad Air ab 2. Generation

  • iPad ab 5. Generation

  • Alle Varianten des iPad Pro

Das neue watchOS 7 benötigt als Grundlage mindestens eine Apple Watch Series 3.

Ab wann bekommt man die Updates?

Registrierte Entwickler können die ersten Vorabversionen der neuen Apple-Betriebssysteme bereits jetzt auf ihre Geräte holen. Die Teilnahme an Apples Entwicklerprogramm ist für jedermann offen, kostet aber 99 Euro pro Jahr. Wer seine Neugier noch etwas zügelt, kann ab Juli - wann genau, weiß man nicht - an Apples öffentlichem Betatestprogramm teilnehmen.

Das dürfte auch die sicherere Variante sein, denn die Versionen, die der Konzern dann verteilen wird, dürften schon um die gröbsten Fehler bereinigt sein. Mit gewissen Problemen muss man bei einem solchen Test trotzdem rechnen. So hält typischerweise der Akku nicht so lange, wie man es gewöhnt ist, weil die Software in der Betaphase noch nicht dafür optimiert ist.

Die finalen Versionen der neuen Betriebssysteme hat Apple grob für den Herbst angekündigt. Mit iOS 14 ist kann man gegen Ende September, Anfang Oktober rechnen, watchOS 7 und macOS Big Sur dürften wenig später folgen.

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