iOS 8.0.1 Software-Update legt neue iPhones lahm

Ups, ein iOS-Update sollte Macken des neuen iPhone-Betriebssystems ausbügeln, doch es legt anscheinend reihenweise Apple-Handys lahm. Für Betroffene gibt es nur einen unbequemen Ausweg.

iPhone 6 und iPhone 6 Plus: Keine Netzverbindung mit neuem iOS
Matthias Kremp

iPhone 6 und iPhone 6 Plus: Keine Netzverbindung mit neuem iOS


Das Update auf iOS 8.0.1 hatte eine ausgesprochen kurze Lebensdauer: Eine Stunde nachdem Apple die Software zum Download freigegeben hatte, zog der Konzern sie schon wieder zurück. Etliche Kunden hatte nach der Installation des Updates auf ihren neuen iPhones über massive Probleme geklagt.

In einem Apple-Forum berichteten viele Nutzer, sie hätten nach dem Update keine Verbindung mehr zum Mobilfunknetz. Die Experten der Fachzeitschrift "Mac & i" konnten den Fehler auf einem ihrer Redaktionsgeräte nachvollziehen. Demnach zeigte das Gerät nach der Installation von iOS 8.0.1 nur noch die Meldung "Kein Netz" an. "Ideal für Freunde des Flugmodus", scherzte jemand bei Twitter.

Darüber hinaus legt das Update den Touch ID genannten Fingerabdrucksensor der Apple-Smartphones lahm. So funktioniert die Anmeldung per Fingerabdruck unter iOS 8.0.1 nicht mehr. Ebenso lassen sich keine neuen Fingerabdrücke mehr speichern. Betroffen sind offenbar ausschließlich Nutzer von iPhone 6 und iPhone 6 Plus.

Zurück zu iOS 8

Ein Apple-Sprecher sagte auf Anfrage, die betroffenen Nutzer könnten "iOS 8 über iTunes neu installieren". Die Vorgehensweise entspricht einer normalen manuellen Installation eines iOS-Betriebssystems.

Die wichtigsten Neuerungen von iOS 8

E-Mails schneller bearbeiten: Einige Dinge gehen in Apples Mail-App nun fixer. Wischt man von links nach rechts über eine E-Mail, kann man sie als ungelesen markieren. Wischt man von rechts nach links, kann man sie löschen, markieren oder ein Untermenü mit weiteren Funktionen öffnen. Sehr nützlich, wenn man viel unnütze Nachrichten bekommt: Mit einem schwungwollen Wischen von rechts nach links befördert man die jeweilige E-Mail direkt in den Papierkorb.

Wissen, was ist: Ein Fingertipp auf das Fähnchen links unten in der Mail-App öffnet ein Untermenü, das unter anderem den Eintrag Mitteilung enthält. Tipp man darauf, lässt sich festlegen, dass man benachrichtigt wird, sobald der Gesprächspartner geantwortet hat.

Mehr wissen: Die Suchfunktion Spotlight durchkämmt nun nicht mehr nur das Gerät selbst, sondern auch das Web. Wird sie fündig, zeigt sie Suchergebnisse in der Nähe, Webfundstellen wie die Wikipedia, Webseiten und passende Apps an.

Fotos-App: Die bisher sehr rudimentären Bildbearbeitungsfunktionen seiner Foto-App hat Apple deutlich erweitert. Bemerkenswert ist, dass die App schief aufgenommene Bilder nun automatisch gerade ausrichtet. Klappt das nicht, kann man manuell nachjustieren.

Feinschliff: Ein Fingertipp auf das Poti-Symbol der Foto-App fördert ein Untermenü zutage, in dem man weitere Funktionen findet. Mit ihnen lassen sich beispielsweise Kontrast und Helligkeit zu manipulieren.

Schneller sein: Auf Nachrichten kann man jetzt sofort reagieren. Wird eine neue Mitteilung oben auf dem Bildschirm eingeblendet, wischt man kurz von oben aus darüber hinab. Sofort öffnet sich ein Fenster, in das man seine Antworten tippen kann. Die Tastatur bietet dabei gängige Antworten als Vorlage an.

Wo stecken Energieschleudern? Im Untermenü Allgemein -) Benutzung -) Batterienutzung kann man sich anzeigen lassen, welche Apps wie viel Prozent des Gesamtenergieverbrauchs ausmachen. Sehr nützlich, um starke Verbraucher zu identifizieren, ist dabei die Messung des Verbrauchs der letzten sechs Tage.

Chat mit Sprache: In der Nachrichten-App gibt es jetzt ein Mikrofon-Icon. Indem man seinen Finger darauf drückt, startet man eine Audio-Aufzeichnung. Sobald man den Finger hebt, wird die Aufzeichnung beendet und an den Chart-Partner gesendet.

Besser weniger tippen: Die neue Quick-Type-Tastatur kann es leichter machen, schneller lange Texte zu schreiben. Sie gibt oft recht gute Vermutungen dazu ab, was man wohl als nächstes tippen will. Statt das Wort zu schreiben, reicht es dann aus, auf den Vorschlag zu tippen.

Bleibt alles in der Familie: Mit der sogenannten Familienfreigabe können Familienmitglieder jetzt über eine gemeinsame Zahlungsmethode im iTunes- und App Store shoppen. Anders ausgedrückt: Papa zahlt, alle anderen kaufen ein. Der große Vorteil ist, dass alle Zugriff auf alle Inhalte haben.

Schnellzugriff: Die Personen, mit denen man zuletzt per iPhone Kontakt hatte, kann man sich per Doppeltipp auf den Home-Button anzeigen lassen. Ein Tipp auf einen der dargestellten Köpfe fördert Symbole zur schnellen Kontaktaufnahme über alle verfügbaren Kanäle (Teleon, Handy, Facetime, SMS) auf den Bildschirm.

Siri wird musikalisch: Mit iOS 8 lernt die Sprachassistenzfunktion Siri auch Musikstücke zu erkennen, so wie die bekannte App Shazam. Um herauszufinden, was man gerade hört, fragt man Siri einfach "Welche Musik höre ich gerade?". Man kann das auch als Quiz auffassen.

Übersicht schaffen: In der Nachrichtenzentrale, die man öffnet, indem man von oben nach unten über den Bildschirm wischt, lassen sich Mitteilungen auf dieselbe Weise bearbeiten wie in der Mail-App, also, indem man von rechts über die Nachrichten wischt.

Mehr Bewegung: Die Health-App, die Apple mit iOS 8 liefert, ist bisher noch weitgehend nutzlos. Sie wird erst dann interessant, wenn andere Apps und Fitness-Gadgets ihre Daten einspeisen. Bisher kann sie gerade mal Schritte zählen und abschätzen, wie viele Stockwerke man gestiegen ist.

Zunächst muss man sich dafür von Apple die entsprechende Installationsdatei herunterladen. Eine schnelle Datenleitung ist dabei von Vorteil, denn die Datei für iPhone 6 ist 1,9 GB groß, die Datei für iPhone 6 Plus 2,2 GB. Allerdings klagen einige Betroffene, die Apple-Server seien derzeit sehr stark ausgelastet, würden die Software nur langsam überspielen. Ist die Software auf der Festplatte angekommen, kann man sie auswählen und auf das iPhone überspielen, indem man auf dem Mac mit gedrückter Alt-Taste auf den Button "Nach Update suchen" klickt. Auf einem Windows-PC drückt man stattdessen die Shift-Taste. Weiterführende Informationen sind auf dieser Webseite zu finden.

Weiter sagte der Apple-Sprecher: "Wir entschuldigen uns für die großen Unannehmlichkeiten, die manchen Anwendern entstanden sind. Wir arbeiten rund um die Uhr daran, iOS 8.0.2 vorzubereiten, das die Probleme beseitigen wird." Das Update zum Update soll bereitgestellt werden, sobald es verfügbar ist.

Mit Humor gegen den Frust

Zwar hat Apple schnell reagiert, doch es bleibt unverständlich, dass dem Unternehmen bei seiner Qualitätskontrolle zwei so substanzielle Fehler durchgegangen sind. Wenn wenige Minuten nach der Freigabe diverse Anwender über dieselben Probleme stolpern, sollte man annehmen, dass dies auch den Testern bei Apple hätte auffallen müssen.

Immerhin: Nicht alle, deren nagelneues iPhone nach dem Update vorläufig nutzlos geworden ist, jammern. Den Sänger Jonathan Mann inspirierte sein Scheintotes iPhone 6 Plus jedenfalls zu einem Song, den er als YouTube-Video an "das Team hinter iOS 8.0.1" richtet. Der Refrain beginnt mit den Worten: "Ihr habt einen schlechten Tag, einen wirklich schlechten Tag".

mak



insgesamt 129 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Solid 25.09.2014
1. Qs?
Man fragt sich echt, ob bei 150 Mrd € an flüssigen Mitteln bei Apple wirklich kein Geld da ist für eine Qualitätskontrolle?
order66 25.09.2014
2. Würdet Ihr in solcher Ausführlichkeit
berichten wenn es sich um SumSum handelt?
OneTwoThree 25.09.2014
3. Herr Kremp
Her Kremp, übernehmen Sie. Und erklären Sie dann bitte, warum das jetzt kein grosses Problem ist ;)
FFMer 25.09.2014
4. Gerade mal eine handvoll Geräte
Da sollte es möglich sein ein funktionierendes Betriebssystem hinzubekommen. Umso ernüchternder, dass Apple wiederholt diesen Vorteil gegenüber Android nicht nutzen kann.
nixus_minimax 25.09.2014
5. Da bin ich ja mal gespannt
erst stellen findige Nutzer fest das Apple grade ein Telefon vermarktet das Technik von 2012, 2014 als super Innovation verkauft und das zu Preisen von 2002 dann biegt sich das iPhone 6 in der Tasche und nun ist das Update Murks. Da wird die Apple Fanzone viel zu subliemieren haben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.