Heimüberwachung So klappt es mit IP-Kameras

Kameras zur Außenüberwachung spielen in der vernetzten Sicherheitstechnik eine immer größere Rolle. Die Fachzeitschrift "c't" hat die häufigsten Fragen zum Thema beantwortet.

Nest Labs

Von "c't"-Redakteur Andrijan Möcker


Ich habe in letzter Zeit das Gefühl, dass die Kriminalität in meiner Gegend gestiegen ist. Jetzt habe ich Angst um mein Hab und Gut. Bringt Kameraüberwachung einen Sicherheitsgewinn?

Haus und Hof unbedacht mit Kameras zu bestücken sorgt nicht zwangsläufig für einen Sicherheitsgewinn. Eine Kamerainstallation sollten Sie gründlich durchdenken: Zunächst prüfen Sie, ob es wirklich einen Kriminalitätsanstieg gibt und ob dieser Einbrüche betrifft. Das können Sie beispielsweise bei Ihrer örtlichen Polizeidienststelle erfragen - auf gar keinen Fall sollten Sie dabei auf die lokale Gerüchteküche vertrauen.

Hinzu kommt, dass andere Maßnahmen wie zusätzliche Schutzmechanismen an Fenstern eventuell viel mehr bringen als eine Kamera. Viele Einbrecher lassen sich abschrecken, wenn das Eindringen ins Gebäude zu lange dauert. Auch hier haben Polizei und Versicherungen meist sinnvolle Tipps.

Wer glaubt, mit einer unüberlegt installierten Überwachungskamera sein Sicherheitsgefühl steigern zu können, den trügt der Glaube: Die vorherrschende Angst kann auch dazu führen, dass Sie permanent den Drang verspüren, per Kamera zu kontrollieren, ob alles "in Ordnung" ist - ein hoher Stressfaktor.

Wenn Sie wirklich besonders Schützenswertes besitzen und die Installation somit über eine einzelne Kamera an der Haustür hinausgeht, sollten Sie diese zuerst mit Ihrer Versicherung und deren Anforderung an einen Videobeweis besprechen. Eventuell muss die Installation dazu auch von einer professionellen Firma geplant und abgenommen werden.

Ich höre immer wieder von Power-over-Ethernet und dass es die Installation von IP-Kameras stark vereinfacht. Warum genau ist das so?

Power-over-Ethernet (PoE) gibt genug Strom auf die Netzwerkleitung, um Geräte wie IP-Kameras und WLAN-Access-Points zu versorgen. Davon unbehelligt erfüllt das Kabel nach wie vor seinen Zweck zur Datenübertragung. Das einspeisende Element, ein PoE-Injektor oder Switch, verbleibt im Innenraum.

Insbesondere im Außenbereich wo eine wetterfeste Installation unumgänglich ist, spart PoE gegenüber einer 230-Volt-Verkabelung wesentliche Kosten - insbesondere weil diese immer von einem Elektriker ausgeführt werden sollte. Die IEEE-Spezifikationen 802.3af, at und bt legen fest, wie Power-over-Ethernet im Detail technisch umgesetzt wird, um Interoperabilität zu gewährleisten.

Gelegentlich gibt es Sonderformen, die bei 24 Volt arbeiten. Sofern Sie eine PoE-fähige Kamera ohne Injektor kaufen, sollten Sie im Datenblatt schauen, welche Spezifikation das einspeisende Element erfüllen muss. Wobei 802.3at (30 Watt Spitzenleistung) den Vorgänger 802.3af (15 Watt) mit einschließt.

Kann ich eine Indoor-IP-Kamera auch im Außenbereich aufhängen, sofern dieser einigermaßen wettergeschützt ist?

Das kann gut gehen, ist aber nicht zu empfehlen. Grundsätzlich sind Indoor-IP-Kameras nicht für sehr hohe oder sehr niedrige Temperaturen gedacht. Luftfeuchtigkeit, hineingewehter Regen oder Raureif können dazu führen, dass Wasser in die Elektronik eindringt.

Noch kritischer wird es, wenn die Kamera nicht mittels Power-over-Ethernet über die Netzwerkleitung Strom bezieht, sondern nur ein Netzteil mit ein bis zwei Metern Zuleitung hat: Für 230-Volt-Installationen in Außenbereichen gelten strengere Richtlinien. IP-Kameras kommen jedoch meist mit einem Eurostecker-Netzteil, welches nicht für den Außenbereich geeignet ist.

Eignen sich kabellose, akkuversorgte IP-Kameras für einen Sicherheitszweck?

Nein, Funkverbindungen sind grundsätzlich störbar. Kleine sparsame Sender wie solche in diesen IP-Kameras, können mit Leichtigkeit von anderen Sendern am Erreichen der Basisstation gehindert werden. Für sicherheitskritische Installationen sollten Kabel gelegt werden.

Reicht 100-MBit-Ethernet für eine IP-Kamera oder sollte ich dafür Gigabit-Ethernet vorsehen?

Ja, in modernen Videocodecs wie H.264 und H.265 verpackt benötigen selbst hochauflösende 4K-Bilder nicht einmal die Hälfte der Bandbreite. Wählt man die höchste Qualitätsstufe, senden solche Kameras zwischen 15 und 30 MBit pro Sekunde.

Schwierig wird es nur, wenn Sie mehrere Kameras über einen 100-MBit-Switch an einen Netzwerkvideorekorder (NVR) anbinden wollen. Weil dieser meist alle Kameras gleichzeitig streamt, summieren sich hier die Datenraten - ist der NVR-Uplink nur 100 MBit/s schnell, ist hier nach sechs beziehungsweise drei Kameras Schluss.



insgesamt 7 Beiträge
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shardan 25.05.2019
1. Und kein einziges Wort zu Sicherheit.
Es fehlt jeder Hinweis, dass IP-Kameras, insbesondere WLAN-fähige, oft massive Sicherheitsmängel aufweisen. Ebenso sind Cloud-gebundene Kameras schnell ein Problem, man muss dem Cloud-Anbieter schon sehr vertrauen. Ein Hack in der Cloud und der Einbrecher weiß genau Bescheid.... Grade bei der Sicherheit und Cloudanbindung sind Chinakameras Hochrisikogeräte. "Du dich müssen legistlielen bei ganz sicheres Cloud von Ching HackBum Electronics".... wie sicher mag die wohl sein, wie lange läuft der Server, bis der Hersteller den ausschaltet? Wer hier spart, sollte sich lieber die Kamera(s) sparen. Hier fehlt jeder Hinweis im Artikel, obwohl die Reportagen und Testberichte der c't hier eine deutliche Sprache sprechen - auch über namhafte Hersteller! Ebenso wird immer gern unterschlagen, dass bei der Installation von Kameras eine Eigensicherheit beachtet werden muss. Entweder muss eine Kamera so installiert sein, dass sie nicht erreicht werden kann (Auch Kameras haben tote Winkel!) oder es müssen sich zwei Kameras gegenseitig "im Auge behalten". Andernfalls sind die sehr leicht außer Funktion zu setzen. Daneben fehlt noch jeder Hinweis auf die rechtliche Seite. Man darf keineswegs einfach irgendwo mal eben eine Kamera hinhängen. Sind Kameras so platziert, dass z.B. Gesichter oder KFZ-Kennzeichen im "öffentlichen Verkehrsraum" (Dazu zählt auch ein Treppenhaus im Mehrparteien-Haus!!) erkennbar sind, macht der Betreiber sich spätestens mit der Aufzeichnung der Bilder strafbar! Das Risiko wächst, je höher die Kamera auflöst - was mit einer 640 x 480 Kamera noch unerkennbar war, ist mit einer HD- oder 4K-Kamera ohne weiteres zu sehen. Das ist der wohl am wenigsten beachtete Punkt bei der Montage von Security Kameras, da ruht noch ein reicher Fundus für Abmahner.
ddcoe 25.05.2019
2. Ich denke
einen realen Grund sich unsicher zu führen haben die Wenigsten unter uns. OK, wer nun in einem Brennpunkt lebt, den kann ich verstehen. Alle anderen - da schließe ich mich mit ein - sollten über den Unterschied zwischen gefühlt und real nachdenken.
2cv 26.05.2019
3. @1: Danke!
Wirklich ein sehr dünner und in den wichtigsten Punkten völlig unzureichende Artikel. Und danke an Autor @1, vieles nachzureichen. Die externe Cloud beim Anbieter hat neben zumeist unzureichender Sicherheit mindestens noch einen weiteren Haken: nämlich die Verfügbarkeit der zum Betrieb meist zwingend notwendigen (meist asiatischen) Dienste. Die halten meist deutlich weniger als 10 Jahre, meist sogar weniger als 5 Jahre. Und eine 640x480 Kamera, wo das später gefundene Bild des Einbrechers 6x6 Pixel gross ist, löst nur Schmunzeln aus. Noch eins: im überwachten Bereich muss ein Schild, dass überwacht wird, gut lesbar zu finden sein. Und und und. Eigentlich sollte der Artikel komplett überarbeitet werden... so ist das eine 5-. Setzen.
GyrosPita 27.05.2019
4.
Zitat von ddcoeeinen realen Grund sich unsicher zu führen haben die Wenigsten unter uns. OK, wer nun in einem Brennpunkt lebt, den kann ich verstehen. Alle anderen - da schließe ich mich mit ein - sollten über den Unterschied zwischen gefühlt und real nachdenken.
Ach, haben Sie auch dazu eine Meinung? Nun ja, eine IP-Kamera dient auch dazu, Leute wie Sie vom eigenen Grundstück fernzuhalten.
Andrijan Möcker 28.05.2019
5. Warum der Artikel so ist, wie er ist.
Hallo zusammen, vielen Dank für Euer Feedback. Ich muss hier jedoch klar anmerken, dass es sich (wie auch in der Überschrift erwähnt) um eine FAQ handelt, die ursprünglich auf zwei Heftseiten in c't landete. Dementsprechend war der Platz begrenzt. Die Fragen entstammen den Zuschriften nach dem IP-Kamera-Test in c't 22/2018 S. 96. Hier musste ich natürlich priorisieren und den Platz für die meistgestellten Fragen nutzen. Bezüglich der Billig-IP-Kameras aus China hat @1 natürlich recht. Da hätte mein Satz "Rechnen Sie nicht mit (technisch kompetentem deutschsprachigen) Support, stabil laufender Firmware oder Updates" schon noch etwas konkreter sein können. Aber rechtliche Fragen kann man nicht so pauschal beantworten, schon gar nicht in einer kurzen FAQ. In Absprache mit den anderen Mietern, als Teil einer von allen unterschriebenen Hausordnung oder bei bevorstehenden Straftaten ist eine Videoüberwachung auch in gemeinsam genutzten Bereichen möglicherweise erlaubt. Die rechtliche Klärung muss aber in jedem Fall einzeln durchgeführt werden. Gruß Andrijan
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