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iPad angefasst Flink, zittrig, farbenfroh

Ist die Aufregung um Apples neues Gerät gerechtfertigt? SPIEGEL ONLINE hat das iPad einem ersten Schnell-Check unterzogen. Es ist tatsächlich simpel zu bedienen, ruckelt nicht, kann viel - und damit man das Leichtgewicht in der Hand spürt, vibriert es oft und vehement.
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Angefasst: iPad im SPIEGEL-ONLINE-Schnell-Check

Foto: SPIEGEL ONLINE

Der erste Kontakt mit dem iPad macht erst mal stutzig: So leicht ist das Gerät?

Gut anderhalb Pfund wiegt es, sagt ein Apple-Mitarbeiter, der zugleich als Aufpasser fungiert. Er weicht mir nicht mehr von der Seite, während ich mit meinen Fingern auf dem Touchscreen herumfuchtele, denn der Andrang ist groß. Dutzende Tech-Journalisten aus aller Welt warten darauf, auch mal zu einem der wenigen Vorführgeräte vorgelassen zu werden.

Der zweite Eindruck: Das iPad vibriert. Oft und vehement.

Startet man ein Programm, vibriert der Alu-Rücken. Will das iPad eine Rückmeldung geben, vibriert es. Vor allem aber vibriert es im Autorennspiel "Need for Speed".

Durch die integrierten Sensoren kann man in diesem Game quasi das ganze iPad als Steuerrad nehmen, während man über die Rennstrecke rast. Was dabei auf dem Bildschirm abläuft, kommt der Grafik auf mobilen Spielkonsolen wie Sonys PSP sehr nahe.

Fraglich ist, wie schnell solche 3-D-Action den Akku leert. Laut Apple soll die Batterie zehn Stunden durchhalten, auch wenn man Filme guckt. Ob das auch für Spiele gilt: unklar. Selber austauschen kann man den Energiespeicher jedenfalls nicht, da bleibt sich Apple treu.

Wer schon mal mit einem iPhone oder iPod touch hantiert hat, kommt mit dem iPad sofort klar. Der einzige merkliche Unterschied: Man muss die Hände mehr bewegen, wenn man über den Touchscreen fingert. Er ist ja reichlich größer als der des iPhone, nämlich 9,7 Zoll (25 Zentimeter).

Zum Tippen sollte man eine Tastatur besorgen

Der Bildschirm begeistert. Seine Auflösung ist hoch genug, um auch HD-Filme ordentlich darzustellen; der Abstand zwischen den Pixeln ist so klein, dass man keine einzelnen Bildpunkte ausmachen kann. Die sogenannte IPS-Technik erlaubt es, dass man auch von der Seite gut auf das Display blicken kann - normalerweise werden nur PC-Bildschirme der teuren Sorte damit ausgerüstet.

Wirklich erstaunlich ist aber, was auf dem Display passiert, wenn man Programme wie das Textprogramm Pages, die Photo-App oder den Internetbrowser aufruft. Nie sind Verzögerungen oder Ruckler zu spüren, alles läuft flüssig und schnell. Apples selbstentwickelter Prozessor A4 scheint reichlich Power zu haben. Als Betriebssystem dient eine modifizierte Version des iPhone OS, die die Versionsnummer 3.2 trägt. Wann es ein Update auch fürs iPhone geben wird, mag Apple nicht verraten.

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iPad: Das kann Apples schicke Flunder

Foto: KIMBERLY WHITE/ REUTERS

Beim Surfen im Internet bauen sich Seiten schnell auf, man kann Texte und Bilder vollkommen organisch vergrößern, verkleinern und drehen. Nur die Multimedia-Technik Flash fehlt Apples System immer noch - was auf vielen Internetseiten Fehlermeldungen provoziert, sobald es um Videos oder interaktive Grafiken geht.

Auch Multitasking kann das iPad nicht, also mehrere Apps gleichzeitig ablaufen lassen. Stattdessen ist nur Multithreading möglich; man kann also immerhin Musik hören, während man E-Mails schreibt.

Zum Tippen sollte man allerdings das als Zubehör erhältliche Keyboard-Dock kaufen. So schön und groß die Bildschirmtastatur auch sein mag, für längere Eingaben scheint sie auf den ersten Blick nicht geeignet. Das iPad hat unter anderem zu diesem Zweck einen Dock-Connector wie iPhone und iPod, außerdem

  • eine Headset-Buchse,
  • einen Lautstärkeregler,
  • eine Mute-Taste und
  • ein winziges Mikrofon.

Ob man mit Letzterem wird telefonieren können? Wenn, dann nur über Internetdienste (VoIP), denn eine Telefonfunktion ist an sich nicht vorgesehen. Es empfiehlt sich dann aber ein Headset. Das integrierte Mikro ist eher für Sprachaufzeichnungen gedacht. Eine Kamera ist nicht ins iPad eingebaut.

Ob sich das Gerät auch zum Lesen digitaler Bücher (E-Books) eignet, kann erst ein ausführlicher Test zeigen. Dass das Lesen mit dem iPad Spaß macht, merkt man aber schnell: Die Textdarstellung ist klar und scharf, Seiten werden viel schneller umgeblättert als bei Geräten mit E-Ink-Display. Außerdem braucht man dank Hintergrundbeleuchtung keine Leselampe mehr, kann es also auch im Bett bequem nutzen.

Erste iPad-Apps werden schon geschrieben

Bleibt die Frage, wie viele Bücher es in deutscher Sprache geben wird, wenn das iPad in Deutschland auf den Markt kommt - bisher ist das hierzulande eine Schwachstelle von E-Book-Readern. Die Wahl des offenen Formats Epub dürfte Apple immerhin einige Türen öffnen.

Kann das iPad wirklich zum Retter der Verlagsbranche werden? Auch das wird noch zu klären sein. In erster Linie ist das Gerät multimedial ausgerichtet . Als Musik-Film-Internet-Spielkonsolen-Bücherlese-Mobilcomputer könnte es aber durchaus ein Hit werden. Zumal, wenn der US-Preis von 499 Dollar für das Einstiegsmodell korrekt in europäische Währung übertragen wird: rund 400 Euro inklusive Steuern. Billiger als von vielen erwartet.

Es dürfte nicht wenige Menschen geben, die sich jetzt überlegen, für welche Zwecke sie ein solches Gerät benutzen könnten. Im Zweifelsfall werden sie in Apples App-Store fündig - für den die ersten Entwickler schon iPad-Programme schreiben.