iPad-Herausforderer Sony bedient die Sofasurfer

Mit einem Mix aus alter und neuer Technik steigt Sony ins Tablet-Geschäft ein. Die beiden neuen Streichelcomputer der Japaner punkten mit einigen interessanten Funktionen - sind aber eher für die Nutzung im Wohnzimmer ausgelegt.

DPA

Von


Kunimasa Suzuki ist sich sicher: Da geht noch was. Auf der Ifa in Berlin hat der Chef von Sonys Notebook-Abteilung die seit langem erwarteten Tablet-Computer des japanischen Konzerns vorgestellt. Die Tablet P und Tablet S genannten Touch-Computer basieren zwar, wie fast alle Tablets, die nicht iPad heißen, auf Googles Android-Betriebssystem, heben sich aber doch stark von dem Flachrechner-Einerlei ab, das Android ansonsten hervorgebracht hat.

Vor allem gilt das für das Tablet P. Zusammengeklappt sieht es aus wie ein übergroßes Brillenetui, entfaltet bringt es zwei Bildschirme mit einer Auflösung von jeweils 1024 x 480 Pixeln hervor. Die Bauweise, die an Nintendos mobile DS-Spielkonsolen erinnert, bringt ungewöhnliche Nutzungsmöglichkeiten mit sich.

Zum einen lassen sich die beiden Displays wie ein einziges nutzen, zum Beispiel beim Surfen. Zum anderen kann per Fingertipp eine virtuelle Tastatur auf dem unteren Display eingeblendet werden. So lässt sich das Tablet wie ein kleines Notebook oder wie Nokias Communicator-Smartphones nutzen - mit dem Unterschied, dass die Bildschirmauflösung höher ist als bei den Smartphone-Urgesteinen. Beide Displays sind 5,5 Zoll groß.

Rotlicht-Revival

Gewöhnlicher kommt dagegen das Tablet S daher, jedoch nur auf den ersten Blick. Denn das Gehäuse ist asymmetrisch geformt. Suzuki vergleicht die Form mit einer zusammengerollten Zeitschrift. Der Effekt: Hält man das Tablet an seiner dicken Seite in der Hand, verlagert sich das Gewicht zur Hand hin, das Tablet liegt fester im Griff. Auf den Tisch gelegt wirkt die Verdickung wie ein kleiner Ständer, der den Bildschirm sanft zum Betrachter hin neigt.

Ein technisches Highlight beider Tablets ist die bei Handys und Mobilrechnern selten gewordene Infrarotschnittstelle. In Kombination mit einer Sony-App verwandeln sich die Geräte damit zu Universalfernbedienungen für Fernseher, Blu-ray-Player und andere Geräte. Eine solche Funktion sei, so Suzuki, bei Tablets längst überfällig gewesen, da man sie meistens im Wohnzimmer benutze.

Zudem hat Sony seinen Tablets noch eine spezielle Software eingeimpft, mit der die Nutzung von Multimediadaten kinderleicht funktionieren soll. Hat man etwa ein paar Bilder auf dem Tablet, die man Freunden zeigen will, stellt man per Fingerwisch eine Verbindung zum Fernseher her und verschiebt die Bilder virtuell auf dessen Bildschirm. Dasselbe funktioniert mit Videos und Musik. Im Kurztest dauerte es zwar manchmal ein paar Sekunden, bis eine Verbindung hergestellt wurde, dann aber lief der Datenaustausch problemlos. Laut Sony sollen sich auf diese Weise alle Geräte steuern lassen, die den DLNA-Standard beherrschen.

Spezielles Android-Betriebssystem

Auch mit den Inhalten sollen Sonys Streichelcomputer punkten. So sind beide Tablets Playstation-zertifiziert, sie können also Spiele der ersten Playstation-Generation abspielen. Die Controller-Buttons werden dabei auf dem Display eingeblendet, sie können beliebig positioniert und in der Größe verändert werden. Außerdem kann man mit den Tablets Sonys Musik-Streaming-Dienst "Music Unlimited" nutzen. Das Basispaket für 3,99 Euro im Monat ermöglicht dem Nutzer, eigene Web-Radiostationen einzurichten. Die Premium-Variante für 9,99 Euro bietet unbegrenzten Zugang zu einem sieben Millionen Songs umfassenden Musikangebot.

Über das Android-3.0-Betriebssystem (Honeycomb) hat Sony in weiten Teilen eigene Oberflächen gelegt, zudem wurde beispielsweise ein eigener Programm-Browser integriert. Das sieht schön aus und vereinfacht teilweise die Bedienung, dürfte es Sony aber gleichzeitig schwermachen, Updates zu entwickeln, wenn Google neue Android-Versionen bereitstellt. Dabei darf sich der Konzern keine Patzer leisten, schließlich gehört die Geschwindigkeit laut Suzuki zu den wichtigsten Merkmalen der Geräte. Tatsächlich kam es im Kurztest nie zu Rucklern oder Wartezeiten. Schon ein nachlässig programmiertes Update könnte das aber wieder zunichte machen.

Günstig und wohltuend anders

Sony hat mit seinen Android-Tablets Großes vor. Manager Suzuki rechnet vor, dass den jährlich 500 Millionen verkauften Smartphones und rund 250 Millionen Notebooks nur 80 Millionen verkaufte Tablets gegenüberstehen. Der Markt biete also noch reichlich Ausbaupotential, so dass man sich nicht mal darauf verlegen müsste, den jetzigen Marktführer Apple von Thron zu stoßen. Um mit Tablets erfolgreich zu sein, reiche es schon, sich ein ordentliches Stück von dem zu sichern, was jetzt an Kunden nachwächst.

Das könnte Sony gelingen. Nicht unbedingt, weil die Tablets günstig sind: Das Tablet S soll im September ab 479 Euro (16 GB, W-Lan) in den Handel kommen, das Tablet P im November für 599 Euro (16 GB, W-Lan, 3G). Sondern vielmehr, weil sie sich wohltuend von der Masse abheben und sich einfach mit dem Heimnetz und der eigenen Unterhaltungselektronik verbinden lassen. So dürfte Sony zumindest jene Nutzer ansprechen, die wenig Wert auf die App-Vielfalt des iPads legen, sondern ein Tablet vor allem als Sofa-Surfmaschine sehen.



insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Silberstern, 02.09.2011
1. Klappteil
-> Screens schließen nicht bündig ab -> fail
ElOmda 02.09.2011
2. Wasalle und auch Sony..
vergessen : Wo bleiben Attraktive Zusatzgeräte die einen normalen Flachbildfernseher mit HDMI Schnittstelle mit den Tabletts verbinden so nach dem Motto: Einstecken und loslegen ? Oder ein WLAN Modul das mein bisheriges BS auf meinem Homenetz nutzt ? Irgendwie steht man bei allen irgendwo in der Luft.
bluemetal 02.09.2011
3. Nett
Das ist ganz nett, allerdings kenne ich keinen Menschen mit einem DLNA Fernseher aber egal. Ich frage mich nur wer sich einen iPad Nachbau von Sony zu Preisen eines Premium-Produktes von Apple kaufen sollte? Das iPad2 kostet genauso viel/wenig. Und das obwohl Sony keinen Cent für das Betriebsystem an Google zahlen muss ! So sieht echte Gier aus. Dazu das Android Grundübel: Jeder Hersteller stülpt sein eigens user-Interface über Android. Updates des Betriebsystems sind unwahrscheinlich, teils werden die Geräte schon mit völlig veralteter Software ausgeliefert, Apps sind inkompatibel mit jeder Hardware. Wer so doof ist, sich (offensichtlich) nicht informiert und tatsächlich Android kauft hat den Technikschrott von nächster Woche...
sreveth, 02.09.2011
4. Stimmt...oder doch nicht?
Zitat von bluemetalDas ist ganz nett, allerdings kenne ich keinen Menschen mit einem DLNA Fernseher aber egal. Ich frage mich nur wer sich einen iPad Nachbau von Sony zu Preisen eines Premium-Produktes von Apple kaufen sollte? Das iPad2 kostet genauso viel/wenig. Und das obwohl Sony keinen Cent für das Betriebsystem an Google zahlen muss ! So sieht echte Gier aus. Dazu das Android Grundübel: Jeder Hersteller stülpt sein eigens user-Interface über Android. Updates des Betriebsystems sind unwahrscheinlich, teils werden die Geräte schon mit völlig veralteter Software ausgeliefert, Apps sind inkompatibel mit jeder Hardware. Wer so doof ist, sich (offensichtlich) nicht informiert und tatsächlich Android kauft hat den Technikschrott von nächster Woche...
Im engsten Freundeskreis 53 Menschen mit 49 DNLA Fernsehern....und nun? Ich mag Apple, die Coolness und wie sie es schaffen Reichenprodukte Mainstreamtauglich zu machen aber bei Apple von Premium zu sprechen und gleichzeitig Sony das Premium absprechen wollen ist ein bisschen...nunja. Wer sich mit der Materie beschäftigt und den gesamten Deal zwischen Google und Sony verfolgt hat, weiss ebenfalls, dass sich Sony auch das Android Betriebssystem etwas kosten lässt, wenn auch indirekt. Und solche wirklich unqualifizierten Sprüche wie "Technikschrott" von Morgen über Android Geräte loszulassen und gleichzeitig Produkte bewerben, die gesperrte Bluetooth-Schnittstellen und ähnlichen Mist mit sich rumschleppen zeugt auch nicht gerade von einem informierten Geist. Und wenn ich dann zwei gleichwertige Geräte zur Auswahl habe und der eine Hersteller investiert Milliarden in umweltfreundliche Produktionsmethoden und der Andere denkt sich "Nach mir die Sintflut", ist es dann das Zünglein an der Waage, was zu einen Kaufentscheid führt.
rgom 02.09.2011
5. Apple
Zitat von srevethIm engsten Freundeskreis 53 Menschen mit 49 DNLA Fernsehern....und nun? Ich mag Apple, die Coolness und wie sie es schaffen Reichenprodukte Mainstreamtauglich zu machen aber bei Apple von Premium zu sprechen und gleichzeitig Sony das Premium absprechen wollen ist ein bisschen...nunja. Wer sich mit der Materie beschäftigt und den gesamten Deal zwischen Google und Sony verfolgt hat, weiss ebenfalls, dass sich Sony auch das Android Betriebssystem etwas kosten lässt, wenn auch indirekt. Und solche wirklich unqualifizierten Sprüche wie "Technikschrott" von Morgen über Android Geräte loszulassen und gleichzeitig Produkte bewerben, die gesperrte Bluetooth-Schnittstellen und ähnlichen Mist mit sich rumschleppen zeugt auch nicht gerade von einem informierten Geist. Und wenn ich dann zwei gleichwertige Geräte zur Auswahl habe und der eine Hersteller investiert Milliarden in umweltfreundliche Produktionsmethoden und der Andere denkt sich "Nach mir die Sintflut", ist es dann das Zünglein an der Waage, was zu einen Kaufentscheid führt.
Apple kann leider nichts in umweltfreundliche Produktionsmethoden investieren, weil sie selbst nichts produzieren. Ich gebe aber Recht, daß Apple Einfluß nehmen kann.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.