iPad-Konkurrenz Angriff der Sparbretter

Kommen jetzt die billigeren Anfass-Rechner? Die iPad-Konkurrenten planen neue, günstige Geräte, in Indien wird ein Tablet für 26 Euro präsentiert - und auch Apple selbst denkt laut einem Analysten über eine kleine Sparvariante nach. SPIEGEL ONLINE gibt den Überblick.

Tablet-PC (Quanta Redvale): Alle Hersteller wollen mit dabei sein, wenn der Boom beginnt

Tablet-PC (Quanta Redvale): Alle Hersteller wollen mit dabei sein, wenn der Boom beginnt

Von


Apple war schon immer groß darin, Bedürfnisse zu schaffen - und sogleich Produkte zur Befriedigung dieser Bedürfnisse. Wobei die Konkurrenz deklassiert wird, falls sie gerade an ähnlichen Produkten arbeitet.

Das jüngste Beispiel für diese Erfolgsstrategie ist das iPad. Jahrelang versuchte Microsoft, tastaturlose Rechner populär zu machen. Vergeblich. Apple dagegen gelang das Kunststück gleich mit seinem ersten Tablet-Computer. Drei Millionen Exemplare wurden binnen 80 Tagen verkauft.

Kein Wunder, dass nun die ganze Computerbranche von dem Boom profitieren will.

SPIEGEL ONLINE gibt den Überblick, was sich auf dem Tablet-Markt tut:

  • Was plant Apple selbst?

Dass das iPad im Herbst ein neues Betriebssystem bekommen soll, ist klar: Das iOS 4, das auf den neueren iPhones schon läuft, wird ab Herbst auch auf den Tablet-Rechnern laufen. Auch über weiterentwickelte Geräte gibt es Gerüchte - die aktuellsten von Digitimes. Einem Analysten der Web-Seite zufolge soll Apple ein hochgerüstetes iPad planen und außerdem zur Ergänzung der Modellpalette ein neuartiges Mini-iPad.

Das Display dieses Kleingeräts habe statt einer Diagonale von 9,7 Zoll (24,6 Zentimeter) nur noch sieben Zoll (17,8 Zentimeter), schreibt Digitimes. Weil der Bildschirm eines der teuersten Bauteile des iPad sein dürfte, könnte eine solche Reduzierung den Preis deutlich senken - er ist noch das größte Kaufhemmnis für Apples Geräte. 500 Euro kostet derzeit ein iPad mit Magerausstattung und 800 Euro die Luxusversion.

Wer sich jetzt allerdings schon auf dieses Gerät freuen will, Vorsicht: Apple hat die Pläne natürlich in keiner Weise bestätigt. Außerdem ist dem Bericht zufolge die angepeilte Markteinführung erst Anfang 2011.

  • Was plant die Konkurrenz, wann kommen weitere Geräte?

Apples Rivalen wollen mit eigenen, meist billigeren Geräten punkten. Die neue Version des E-Book-Readers Kindle von Amazon ist schicker als die Vorgänger und kostet nur noch 139 Dollar. Anders als das iPad ist es allerdings Spezialist und nicht Generalist - man kann damit nur digitale Bücher lesen und kaufen.

Die meisten anderen Hersteller wollen versuchen, ihre Tablets zu Allround-Maschinen zu machen. Das Mini-Tablet Streak von Dell zum Beispiel zeigt, dass Tablet-Rechner bald eine Nische besetzen könnten, die eigentlich Intel und Co. mit den sogenannten UMPCs ausfüllen wollten: den ultramobilen Mini-Computern.

Beste Chancen hat derzeit Motorola, das ein Gerät auf Basis von Googles Handy-Betriebssystem Android plant. Erstens soll es schon weit gediehen sein, zweitens ist Android kostenlos, drittens gibt es für das System schon Zehntausende Apps. Und gerade die Apps sind es ja, die das iPad so attraktiv machen.

US-Computergigant HP hat seine eigene Tablet-Entwicklung vor einigen Monaten offenbar aufgegeben und den Plan für Windows-basierte Geräte zumindest aufgeschoben. Stattdessen übernahm der Konzern den taumelnden Handy-Hersteller Palm - nun kann er dessen Betriebssystem webOS für die Tablet-Entwicklung verwenden.

HP wird wie andere Hersteller wohl erst Anfang 2011 mit Geräten auf den Markt kommen. Trotzdem könnte es noch in diesem Jahr große Fortschritte geben: Der nächste Startpunkt zur Geräteeinführung oder zumindest -vorstellung ist die Ifa Anfang September in Berlin. Gerüchteweise stellt dort Samsung sein Galaxy Tab vor - der Tablet-PC ist an die erfolgreichen Multimedia-Handys der Galaxy-Serie angelehnt und dürfte mit einem besonders farbkräftigen OLED-Display ausgestattet sein. Ein Novum für ein solches Gerät.

Das iPad wird seine Vormachtstellung bald gegen eine Überzahl von Nachahmern verteidigen müssen, die billiger und von denen manche vielleicht auch besser sind. Die von Digitimes berichtete Entwicklung eines Mini-iPads könnte da für Apple fast ein Befreiungsschlag sein - heraus aus seinem eigenen goldenen Käfig.

  • Haben schon Konkurrenten aufgegeben?
Plastic Logic hat seinen Que Reader gestoppt. Seit Ende 2008 wurde darüber gesprochen, auf Hightech-Messen war er Thema, und eigentlich sollte er in diesem Jahr auf den Markt kommen. Der Clou: Das Gerät sollte biegsam sein. Auf seinem flexiblen DIN-A4-Display hätte das Lesen von Zeitungen und Büchern sicher mehr Spaß gemacht als auf den üblichen starren Bildschirmen.

Apple hat dem Hersteller jedoch die Zuversicht in das Projekt genommen. Das Umfeld sei derzeit nicht günstig, teilte Plastic Logic mit: "Der Markt hat sich dramatisch verändert, und mit den bisherigen Produktverzögerungen erscheint es nicht sinnvoll, das Projekt fortzuführen." Im Klartext: Der Que wäre zu teuer geworden und hätte sich gegen die iPad-Dominanz nicht durchsetzen können.

  • Geht es nicht viel billiger?

Richtig billig muss es sein, dann guckt auch niemand so genau auf die Technik: Diesem Credo scheint das indische Bildungsministerium zu folgen. Erziehungsminister Kapil Sibal präsentierte Ende Juli ein Gerät für 1600 Rupien, umgerechnet 26 Euro. Es hat einen Touchscreen, soll mit einem Mediaplayer, einer Digicam und einer Videokonferenz-Funktion aufwarten - also vielem, was ein solches Gerät spannend macht.

Indiens Erziehungsminister Sibal mit Tablet-PC: Eine Art iPad für 26 Euro?
AP

Indiens Erziehungsminister Sibal mit Tablet-PC: Eine Art iPad für 26 Euro?

Spekulationen über solche Superbillig-Computer aus Indien hat es immer wieder gegeben, zuletzt wurde im Februar 2009 über einen geplanten Acht-Euro-Laptop geredet - daraus ist allerdings nie etwas geworden. Wired schreibt nun, auch dem Tablet-Prototyp könne dieses Schicksal drohen. Schließlich seien schon die nötigen Bauteile teurer als der anvisierte Preis, der wohl nur durch drastische Subventionen erreichbar wäre.

Immerhin, Nicholas Negroponte hat sich als Helfer angeboten. Der Mitgründer des MIT Media Lab ist auch die treibende Kraft hinter dem 100-Dollar-Laptop - einem Dritte-Welt-Computer, der nur 100 Dollar kosten soll und jetzt OLPC genannt wird ("One Laptop per Child" - "Ein Laptop pro Kind"). Auch diese Pläne sind bis heute unerfüllt, die Produktionskosten für das Gerät liegen noch bei rund 200 Dollar.

Mitarbeit: Richard Meusers



insgesamt 94 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
duffybarracuda, 11.08.2010
1. egwe4r
naja, vieleicht sind ja die geschimpften "Sparbretter" wenigstens Mutltitaskingfähig und haben ein paar essenzielle Anschlüsse zu bieten...der titel sollte doch lauten wann kommen endlich vernünftige Bretter ;)
Cleo96 11.08.2010
2. Wo bleiben Sie?
Die Apple-Jünger? Der Artikel bietet zwar keine Neuigkeiten, aber es ist doch an der Zeit auch hier zu bekehren. Oder es zu versuchen?
frank_lloyd_right 11.08.2010
3. Das Ding IST doch schon eine Sparvariante.
Nur eben ein typisches Äppelprodukt - somit eine überteuerte Kultsparvariante.
Hercules Rockefeller, 11.08.2010
4. Hype schon vorbei
Eigentlich ist der Hype ja schon wieder vorbei, ich selbst sehe mittlerweile keinen großen Bedarf für so ein Pad bei mir selber. Und da man für den gleichen Preis in der Regel einen richtigen Laptop bekommt, ist das ja eher was für Leute, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld.
simonlange 11.08.2010
5. weTab übersehen?
Zitat von sysopKommen jetzt die billigeren Anfass-Rechner? Die iPad-Konkurrenten planen neue, günstige Geräte, in Indien wird ein Tablet für 26 Euro präsentiert - und auch Apple selbst denkt laut einem Analysten über eine kleine Sparvariante nach. SPIEGEL ONLINE gibt den Überblick. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,711270,00.html
weTab?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.