iPad statt Ausweis Kanadier überquert US-Grenze mit gescanntem Pass

Weil er seinen Pass vergessen hatte, wies sich ein Kanadier an der US-Grenze mit seinem iPad aus - und wurde durchgelassen. Der ungewöhnliche Grenzübertritt lässt von digitalen Ausweisen träumen und dürfte doch ein Einzelfall bleiben.
Martin Reisch: Reisepass ins iPad gescannt

Martin Reisch: Reisepass ins iPad gescannt

Foto: AP

Da sage noch einer, die Einreise in die USA sei beschwerlich, umständlich, kompliziert. Den Gegenbeweis will jetzt der Kanadier Martin Reisch erbracht haben. Statt ein gültiges Dokument vorzulegen, habe er dem Grenzposten eine gescannte Kopie seines Reisepasses gezeigt, die er auf seinem iPad gespeichert hatte. Der Reisch zufolge gelangweilt wirkende US-Grenzer habe ihn darauf an einem Grenzübergang nahe Quebec passieren lassen.

Völlig problemlos gestaltete sich die Einreise dann allerdings nicht. "Er nahm das iPad mit in die kleine Bürohütte . Gut fünf, sechs Minuten blieb er drin. Mir erschien das wie eine Ewigkeit. Als er zurück kam, machte er eine ziemlich lange Pause, bevor er mir Frohe Weihnachten wünschte", beschreibt Reisch die Szene.

Der amerikanischen Einreiseregularien sehen vor, dass Bürger aus dem benachbarten Kanada sich bei der Einreise mit einem sogenannten erweiterten Führerschein oder einem Reisepass ausweisen müssen. Alternativ können sie sich zum Trusted Traveller Program anmelden, das den Grenzübertritt regelmäßiger Grenzgänger durch spezielle Ausweise vereinfacht.

Doch nachdem er bereits zwei Stunden mit dem Auto auf dem Weg zu Freunden in den USA unterwegs war, bemerkte Reisch, dass er seinen Reisepass vergessen hatte. Weil es aber nur noch 30 Minuten Fahrt bis zur Grenze waren, beschloss er es lieber darauf ankommen zu lassen, die Passage per iPad zu versuchen. Zur Sicherheit hatte er seinen Reisepass eingescannt und auf das Apple-Tablet geladen. Nur für den Fall, dass ihm das Original abhanden kommt, sagte er der Nachrichtenagentur Associated Press  (AP).

Bitte nicht nachmachen

Die für die Grenzkontrollen zuständige Behörde, die US Customs and Border Protection, äußerte sich bislang nicht zu dem Fall und reagierte nicht auf Presseanfragen, ob die Einreise in die USA mit gescannten, kopierten oder gefaxten Reisedokumenten nun generell möglich sei. Martin Reisch allerdings wurde mit seinem iPad-Reisepass auch bei der Rückreise problemlos wieder in sein Heimatland eingelassen.

Potentielle Nachahmer seien allerdings gewarnt. Versuche, auf diese Art durch die US-Grenzkontrollen zu schlüpfen, dürften für Europäer von vornherein zum Scheitern verurteilt sein. Ohne gültigen Reisepass und ein Visum oder eine Anmeldung beim Einreiseprogramm Electronic System for Travel Authorization (ESTA), hat man keine Chance, durch die Grenzkontrollen zu kommen. Reisch träumt unterdessen schon von digitalen Ausweisen: "Ich bin zu 100-Prozent sicher, dass man seine Identität in Zukunft mit einem digitalen Gerät ausweisen wird. Das ist nur eine Frage der Zeit."

In Großbritannien wird bereits der Grenzübertritt ganz ohne Pass ausprobiert. Dort kann man sich für das Iris Recognition Immigraion System  (Iris) registrieren, indem man sein Auge einscannen lässt. Das gilt nicht nur für Briten, sondern auch für Bürger des europäischen Wirtschaftsraums. An mehreren Flughäfen lässt sich die Grenze dann passieren, indem man sein Auge in eine Kamera hält - das Vorzeigen des Passes ist nicht notwendig, alles passiert ganz automatisch. Auch gibt es keine Stempel in den Pass, höchstens einen Ausdruck. Alles vollautomatisch.

Die UK Border Agency weist zwar darauf hin, dass man seinen Ausweis trotzdem dabeihaben muss. Im Zweifel hat man ihn schlicht vergessen.

mak
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