E-Reader, digitaler Bilderrahmen, Zweitbildschirm Wie Sie alten iPads neues Leben einhauchen

Zum Wegwerfen zu gut, zum Verkaufen zu alt: Mit einigen Handgriffen und diesen Tipps können Sie auch aus jahrealten Apple-Tablets noch einiges herausholen.
Von »Mac & i«-Redakteur Sebastian Trepesch
Zeit fürs Entstauben: Apple bietet für alte Geräte oft nicht mehr das neueste Betriebssystem, doch davon müssen Sie sich nicht aufhalten lassen

Zeit fürs Entstauben: Apple bietet für alte Geräte oft nicht mehr das neueste Betriebssystem, doch davon müssen Sie sich nicht aufhalten lassen

Foto: c't

12 Jahre ist es her, dass Apple sein erstes iPad veröffentlicht hat. Inzwischen verkauft der Konzern die neunte Generation des iPads und die fünfte des iPad Air. Gleichzeitig bieten viele der älteren Modelle zwar nicht mehr die neuesten Funktionen, können aber viele praktische Aufgaben erledigen.

Obwohl Apple ältere Modelle nicht mehr mit dem neuesten Betriebssystem ausstattet, lässt sich mit den Tablets noch vieles anfangen. Von einem Zweitbildschirm für den Mac bis zur Smart-Home-Steuerung ist mit einigen Handgriffen vieles möglich.

Zweitbildschirm am Mac

SideCar macht es einfach, das iPad als Monitor am Mac zu verwenden. Die Systemfunktion gibt es aber erst seit iPadOS 13. Bei einem älteren Tablet (oder iPhone) behelfen Sie sich deshalb mit der App Duet Display  von ehemaligen Appleentwicklern (15 Euro). Die aktuelle Version benötigt iOS 10.3, was auf iPads ab der vierten Generation und iPads Mini ab der zweiten Generation funktioniert. Für betagtere Betriebssysteme hält der App Store aber einen Vorgänger bereit. Laut Hersteller reicht schon iOS 7. In unserem Versuch mit iOS 9 und macOS Big Sur stürzte die App allerdings hin und wieder ab.

Die Bildschirmsynchronisation starten Sie über die Freigabe im Kontrollzentrum des Mac

Die Bildschirmsynchronisation starten Sie über die Freigabe im Kontrollzentrum des Mac

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Auf dem Mac installieren Sie die kostenlose macOS-App von Duet, die die Verbindung mit der iOS-Version herstellt. Schließen Sie das iPad per Kabel an und starten die App. Über die Menüleiste des Mac öffnen Sie das Kontrollzentrum, klicken auf den Bildschirmbutton (die zwei Rechtecke) und wählen »Duet«. In den macOS-Einstellungen unter »Monitore > Anordnen« legen Sie fest, an welcher Seite das Display positioniert ist oder ob Sie die Mac-Inhalte spiegeln möchten.

Auf dem iPad nehmen Sie Mausklicks einfach per Fingertipp vor. Eine erweiterte Gestensteuerung liefert der Anbieter nur mit Duet Air aus. Diese Lösung bietet zudem die Möglichkeit, das iPad kabellos als Mac-Display einzusetzen. Sie ist aber ungleich teurer: Es fallen pro Jahr 26,49 Euro per In-App-Kauf an. Da fahren Sie mit Astropad Standard  günstiger, es kostet einmalig 29,99 Euro und macht aus dem iPad ein Grafiktablett. Sie benötigen mindestens iOS 9.1, was von allen iPads ab der zweiten Generation unterstützt wird.

Smart-Home-Steuerzentrale

Das iPad als Fernbedienung im Smart Home: Als Favoriten legen Sie die wichtigsten Geräte auf die Startseite der Home-App

Das iPad als Fernbedienung im Smart Home: Als Favoriten legen Sie die wichtigsten Geräte auf die Startseite der Home-App

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Besitzen Sie keinen HomePod und kein Apple TV, dient Ihnen ein iPad als Steuerzentrale im Smart Home. Darüber können Sie nicht nur die HomeKit-Geräte bedienen, sondern auch Gästen über eigene Applegeräte einen Zugriff auf Lampen, Heizung und Co. gewähren, selbst wenn Sie nicht zu Hause sind. Zudem steuern Sie von unterwegs die smarten Produkte über das Zuhause deponierte iPad an.

Das iPad (nicht das iPhone!) lässt sich grundsätzlich seit iOS 10 als Steuerzentrale einsetzen. Apple empfiehlt allerdings, die aktuellen Systemversionen zu verwenden. Laut Nutzerberichten in Foren können Schwierigkeiten beim Ansteuern von Geräten auftreten, wenn man ein altes iOS und neues iPadOS im smarten Home mischt. Viel kritischer sehen wir allerdings die fehlenden Sicherheitsupdates bei alten Systemen bei Geräten, die den Zugang auf die Heimtechnik auch bei Abwesenheit bieten sollen. Sie können das aktuelle iPadOS 15 noch auf dem acht Jahre alten iPad Air 2, dem iPad 5. Generation und iPad mini 4 installieren.

Neben einem HomePod und Apple TV können Sie ein zu Hause liegendes iPad als Steuerzentrale einsetzen

Neben einem HomePod und Apple TV können Sie ein zu Hause liegendes iPad als Steuerzentrale einsetzen

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Apples Smart Home aktivieren Sie in den Einstellungen hinter dem Account-Name, »iCloud > Home« – was natürlich nur dann sinnvoll ist, wenn Sie HomeKit-Produkte besitzen. Damit das Tablet seinen Dienst leistet, muss das iPad eingeschaltet, in Ihrem WLAN eingeloggt und mit Ihrer Apple-ID angemeldet sein. Schalten Sie in den iPadOS-Einstellungen unter »Home« die Funktion »Dieses iPad als Steuerzentrale benutzen« ein.

Die weitere Konfiguration treffen Sie in der Home-App: Gehen Sie auf das Haus-Icon in »Zuhause«, dann auf »Einstellungen des Zuhause«. Hier laden Sie Personen mit Applegeräten ein, ebenfalls steuern zu dürfen. Tippen Sie auf eine hinzugefügte Person, um weitere Rechte wie den Fernzugriff zu ermöglichen.

Gäste können Ihre smarten Produkte natürlich auch direkt über das alte iPad steuern. Legen Sie hierfür die wichtigen Geräte und Szenen als Favoriten auf die Übersichtsseite der Home-App: Gehen Sie auf einen Raum, halten Sie ein Gerät gedrückt und tippen dann auf das Einstellrädchen. Hier finden Sie den Schalter »In Favoriten anzeigen«. Damit Gäste keine anderen Funktionen des Tablets nutzen können, beschränken Sie die Anwendung mit »Geführter Zugriff«. (Weitere Tipps zur Einrichtung von HomeKit finden Sie hier.) 

Mediensteuerer und -spieler

Starten Sie Ihre Filme, navigieren Sie durch Ihre Musikbibliothek, blättern Sie durch Fotosammlungen. Über ein altes iPhone oder iPad greifen Sie und Ihre Mitbewohner auf die Medien zu, die zum Beispiel auf einem NAS oder in der iCloud liegen. Über AirPlay können Sie die Inhalte auch an ein Apple TV oder einen Mac übertragen. Auch Hersteller von TV-Hardware bieten manchmal iOS-Apps zur Fernsteuerung an, zum Beispiel Amazon für Fire TV oder LG für Blu-ray-Player.

Der VLC-Player kann nicht nur lokal gespeicherte Medien abspielen, sondern auch auf Netzwerkspeicher zugreifen

Der VLC-Player kann nicht nur lokal gespeicherte Medien abspielen, sondern auch auf Netzwerkspeicher zugreifen

Foto: c't

Das iOS-Gerät können Sie aber nicht nur als Fernbedienung für die Mediensteuerung verwenden, sondern (ebenfalls über AirPlay) auch als Zuspieler nutzen, nämlich wenn die Medien direkt darauf gespeichert sind.

Bilder von Ihrem Mac übertragen Sie über die iPhone-Synchronisation. Verbinden Sie hierfür das iOS-Gerät mit dem Mac, bestätigen Sie die »Vertrauen«-Meldungen.

Wechseln Sie im macOS-Finder auf das iPhone und hier zu »Fotos«. Setzen Sie den Haken für die Synchronisation und wählen den gewünschten Dateiordner oder die Fotos-Mediathek aus. Darunter können Sie die Übertragung auf ausgewählte Alben beschränken und Videos einbeziehen.

Klicken Sie abschließend auf »Anwenden«. Die Bilder finden Sie auf dem iPhone dann in der Fotos-App. Filme schieben Sie ebenfalls am besten über den Finder auf das iPhone, aber im Reiter »Dateien«, direkt in einen installierten Medienplayer. Der VLC-Player zum Beispiel ist kostenlos, begnügt sich mit iOS 9 und versteht viele Videoformate. Im Reiter »Netzwerk« greifen Sie auf einen Dateiserver im Haushalt zu oder öffnen Netzwerkstreams. So gelangen Sie auch an Ihre Inhalte im iCloud Drive oder in Dropbox.

Doch auch als Musikspieler direkt an der Stereoanlage oder einem aktiven Lautsprecher angeschlossen ist ein altes Gerät praktisch, schließlich war vor dem iPhone 7 ein Kopfhöreranschluss Standard. Als Spotify-Abonnent können Sie Ihre Musik sogar fernsteuern: Melden Sie sich auf dem alten Gerät, dem Zuspieler an der Stereoanlage, in der Spotify-App mit Ihren Zugangsdaten an. Auf Ihrem aktuellen Gerät im selben WLAN tippen Sie in Spotify bei der Wiedergabe auf das Gerätesymbol und wählen den Musikspieler. Für Apple Music funktioniert das leider nicht, die Remote-App verbindet sich nur mit einem Mac oder PC.

Digitaler Bilderrahmen

An der Wand aufgehängt kann ein iPad zum digitalen Bilderrahmen werden. Die wichtigsten Diashowfunktionen bietet schon die Fotos-App von iOS beziehungsweise iPadOS. Wechseln Sie in ein Album, zum Beispiel in Ihre Favoriten. In älteren Systemen müssen Sie nun Bilder manuell auswählen und dann auf den »Weiterleiten«-Pfeil tippen. In neueren gehen Sie direkt oben auf die drei Punkte. Nun finden Sie den Button »Diashow«.

Ein ausrangiertes iPad eignet sich prima als digitaler Bilderrahmen. Die passende Diashow-Funktion finden Sie in der Fotos-App von iOS

Ein ausrangiertes iPad eignet sich prima als digitaler Bilderrahmen. Die passende Diashow-Funktion finden Sie in der Fotos-App von iOS

Foto: c't

Läuft die Ansicht der Fotos und Videos, tippen Sie auf den Bildschirm. Nun erscheint »Optionen«. Hier können Sie den Überblendungseffekt und die Anzeigegeschwindigkeit ändern und mit »Wiederholen« eine Endlosschleife einschalten. Auch für freigegebene Alben können Sie diese Funktionen nutzen. Neu hinzugefügte Bilder sehen Sie aber erst, wenn Sie die Diashow erneut starten.

Damit Ihrem iPad nicht der Saft ausgeht, lassen Sie es am Netzteil eingesteckt. Wir empfehlen deshalb, ein Gerät mit mindestens iOS 11.3 zu verwenden, was einen Verkaufsstart des Modells im Jahr 2013 oder später bedeutet. Hier profitieren Sie von einer Ladungsverwaltungsfunktion, wenn das Gerät dauerhaft an der Steckdose hängt. Sie ist eigentlich für Verkaufsstellen konzipiert und schont den Akku, indem sie laut Apple den maximalen Ladestand reduziert, falls erforderlich. Ist das Tablet nicht mehr dauerhaft eingesteckt, lädt der Akku wieder wie gewohnt.

Lassen Sie die Bildershow rund um die Uhr laufen, fallen rund 15 Euro Stromkosten pro Jahr an – stark abhängig von der Displaygröße und eingestellten Helligkeit (Wie sie Stromfresser unter Applegeräten finden, lesen Sie hier. ). Zudem vergrößert der Verbrauch Ihren CO2-Fußabdruck und läuft anderen Energiesparbemühungen entgegen. Setzen Sie die Funktion also nur vereinzelt ein – und etwa gleich als Lichtquelle in einem Gang. Wollten Sie sich ohnehin einen digitalen Bilderrahmen zulegen, sparen Sie durch den Einsatz des iPads immerhin das Geld und die Ressourcen für neue Hardware.

E-Reader

Selbst wenn die Leistung und Akkukapazität eines gealterten iOS-Gerätes unbefriedigend sind, lässt es sich noch prima zum Lesen von Büchern einsetzen. Mit möglichst wenigen installierten Apps und abgeschalteten Funktionen (Hintergrundaktualisierung, Mitteilungen) sinkt nicht nur die Ablenkungsgefahr für Sie oder Ihre Kinder, sondern wird sogar ein kleines bisschen Energie gespart. Lassen Sie die meiste Zeit den Flugmodus eingeschaltet.

KyBook bietet einen Zugang zu kostenlosen Büchern

KyBook bietet einen Zugang zu kostenlosen Büchern

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Einige Buchhändler machen Ihnen allerdings einen Strich durch die Rechnung: Für Kindle, Tolino und Onleihe fanden wir im App Store eines Geräts mit iOS 9 nicht einmal eine alte App Version. Entweder benötigen Sie ein iPhone oder iPad mindestens mit iOS 12.1 oder Sie müssen sich eine andere Quelle für Ihren Lesestoff suchen. PDFs und Bücher im Format ePub ohne Kopierschutz schicken Sie einfach per AirDrop an das Gerät und öffnen Sie zum Beispiel in Apples iBooks-App von iOS 9. Für Mobi-Dateien verwenden Sie etwa die kostenlose App KyBook 2  (Pro-Version 2,99 Euro), die sich mit iOS 8.1 begnügt. Sie bietet zudem einen Zugang zu frei zugänglichen E-Books.

Möchten Sie das iPad für Rezepte in der Küche einsetzen, sichern Sie es eventuell mit einer wasser- und staubdichten Hülle. Auf Ebay könnten Sie noch fündig werden, wenn es bei den klassischen Händlern für Ihr Modell nichts mehr gibt.

Das ist eine gekürzte Version des »Mac & i«-Artikels, den vollständigen Text finden Sie hier .

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