iPhone 12 Mini und 12 Pro Max im Test Apples Extreme

Mit drei Wochen Verzögerung kommen jetzt auch das große iPhone 12 Pro Max und das kleine 12 Mini auf den Markt. Wir haben die beiden getestet und erklären, für wen sich die Extrem-iPhones eignen.
Außen sehr ungleich, innen sehr ähnlich: Das iPhone 12 Pro Max (links) und das iPhone Mini

Außen sehr ungleich, innen sehr ähnlich: Das iPhone 12 Pro Max (links) und das iPhone Mini

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Was es mir in gewisser Weise leicht macht, diesen Text zu schreiben: Viele Dinge sind bei allen iPhones der Zwölfer-Serie gleich. Man könnte sagen, dass sie auf derselben Plattform basieren, also aus Teilen gebaut werden, die aus demselben Baukasten stammen. Das vereinfacht die Herstellung und hilft Apple, die Kosten zu senken und den Gewinn zu maximieren. Es wird auf den ersten Blick allerdings auch schwieriger, Unterschiede zwischen den Geräten zu finden. Dabei liegen preislich Welten zwischen dem Mini, das man ab knapp 780 Euro bekommt und dem Pro Max, das in Vollausstattung ziemlich genau doppelt so viel kostet, knapp 1560 Euro.

Die aktuellen iPhones im Größenvergleich. Von links nach rechts: 12 Pro Max, 12 Pro, 12, 12 Mini
Die aktuellen iPhones im Größenvergleich. Von links nach rechts: 12 Pro Max, 12 Pro, 12, 12 Mini

Die aktuellen iPhones im Größenvergleich. Von links nach rechts: 12 Pro Max, 12 Pro, 12, 12 Mini

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL / Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Doch erst mal zu den Gemeinsamkeiten: Im Pro Max und Mini stecken steckt derselbe Apple-A14Prozessor, wie im iPhone 12 und 12 Pro, alle vier Zwölfer-iPhones haben OLED-Bildschirme, die sich nur hinsichtlich der Größe und der Pixelzahl unterscheiden, aber HDR-fähig und sehr hell sind. Zudem sind die Displays durch eine neue Keramikbeschichtung und weil sie nicht aus dem Metallrahmen hervorstehen, besser gegen Stürze geschützt als ältere Modelle. Natürlich sind auch alle gut gegen Staub und Wasser abgedichtet und 5G-tauglich. Sogar die Frontkamera für Selfies und die Gesichtserkennung Face ID ist identisch. Alles dazu können Sie im Test der iPhones 12 und 12 Pro  nachlesen.

Die wesentlichen Unterschiede liegen bei den Kameras, den Akkus, der Größe und damit der Bedienbarkeit.

Mini: Endlich wieder in Daumenreichweite

Fangen wir an mit dem iPhone 12 Mini. Weil es das günstigste der neuen iPhone-Modelle ist, könnte man meinen, Apple habe es für Sparfüchse entwickelt, denen jeder Euro mehr einer zu viel ist. Denen aber ist eher das iPhone SE zu empfehlen, in dem viel Technik vom iPhone 11 steckt, das mit Preisen ab 467 Euro noch deutlich weniger kostet, allerdings auch deutlich weniger Leistung, nur eine Kamera und ein weniger beeindruckendes Display auf LCD-Basis hat.

Links ein iPhone SE der ersten Generation, rechts das iPhone 12 Mini: Es ist deutlich erkennbar, dass der Bildschirm des alten SE aus dem Gehäuse hervorsteht, was ihn empfindlicher macht

Links ein iPhone SE der ersten Generation, rechts das iPhone 12 Mini: Es ist deutlich erkennbar, dass der Bildschirm des alten SE aus dem Gehäuse hervorsteht, was ihn empfindlicher macht

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Das iPhone 12 Mini hingegen ist im Grunde ein iPhone 12, nur eben kleiner: Sein A14-Prozessor dürfte auf absehbare Zeit mehr als genug Power liefern. Seine Kombination aus zwei 12-Megapixel-Kameras, eine davon mit Weitwinkelobjektiv, die andere mit Ultraweitwinkel, produziert ebenso hochwertige Aufnahmen wie die der größeren Modelle. Damit geknipste Testfotos sind nicht von Aufnahmen des iPhone 12 zu unterscheiden.

Auch der Bildschirm ist im Grunde derselbe wie im iPhone 12, nur eben kleiner. Nebeneinander gelegt, konnte ich keinen Unterschied bei Helligkeit und Farbwiedergabe feststellen. Das ist auch gut so, denn die OLED-Displays der neuen iPhones liefern eine hervorragende Bildqualität. Beim Mini bekommt man wegen der geringeren Größe nur eben ein paar Pixel weniger.

Von links nacht rechts: iPhone SE 2, iPhone 12 Mini, iPhone SE 1

Von links nacht rechts: iPhone SE 2, iPhone 12 Mini, iPhone SE 1

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Spürbar weniger bekommt man allerdings bei der Akkulaufzeit. Der kleinere Akku hatte bei meinem zugegeben harten Ausdauertest, dem Endlosabspielen eines Full-HD-Filmes bei voller Bildschirmhelligkeit, zur Folge, dass sich das iPhone 12 Mini nach neun Stunden abschaltete. Das iPhone 12 hielt in diesem Test fünf Stunden länger durch. Für ein Campingwochenende sollte man zum Mini deshalb lieber eine Powerbank ins Gepäck legen. Für einen normalen Tag reicht die Ausdauer bei nicht allzu überschwänglicher Nutzung aber aus.

Was mich aber trotz der Akkuschwäche gern zum iPhone 12 Mini greifen lässt, ist seine geringe Größe. Das Mini ist kleiner als das iPhone SE, hat wegen des fast randlosen Designs aber einen mit 5,4 Zoll deutlich größeren Bildschirm als das SE mit seinen 4,7 Zoll. Wenn man, wie ich, früher ein iPhone 5 hatte und damit gut klargekommen ist, fühlt es sich an, als würde man einen alten Bekannten wiedertreffen und spontan sagen: "Du siehst aber gut aus!" Zu Look and Feel gesellt sich vor allem aber sehr schnell die angenehme Erkenntnis, dass man nach Jahren, in denen Smartphones immer größer wurden, endlich wieder ein Gerät in der Hand hält, das sich bequem einhändig bedienen lässt.

Vergleich der Daumenreichweite beim iPhone 12 Pro Max (links) und 12 Mini
Vergleich der Daumenreichweite beim iPhone 12 Pro Max (links) und 12 Mini

Vergleich der Daumenreichweite beim iPhone 12 Pro Max (links) und 12 Mini

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL / Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Max: Ausdauer ohne Ende

Das iPhone 12 Pro Max ist das genaue Gegenteil: Einhändig kann ich bei Apples bisher größtem iPhone nur die unteren drei Symbolreihen erreichen – und ich habe große Finger. Ein Leichtgewicht ist es auch nicht, bringt mit 226 Gramm fast 100 Gramm mehr auf die Waage als das Mini. Doch für das Extragewicht und das zu vielen Hosentaschen inkompatible XL-Format wird man entschädigt. Zum einen mit Akkulaufzeit: In meinem Test schaltete sich das Pro Max erst nach fast 16 Stunden Dauer-Videowiedergabe aus Energiemangel ab, ein extrem guter Wert.

Zum anderen bekommt man einen 6,7-Zoll-Bildschirm, der mit E-Mail und Websurfen fast schon unterfordert ist und eigentlich nach Filmen und Videos schreit.

iPhone 12 Pro Max (oben) und iPhone 12 Mini beim Ausdauertest: Identische Bildqualität aber sehr unterschiedliche Akkulaufzeit

iPhone 12 Pro Max (oben) und iPhone 12 Mini beim Ausdauertest: Identische Bildqualität aber sehr unterschiedliche Akkulaufzeit

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Neben der Größe sind die Kameras das Alleinstellungsmerkmal des 12 Pro Max, denn hier ist nur die Ultraweitwinkelkamera identisch mit dem Rest der Zwölfer-Serie. Das Teleobjektiv hingegen bietet 2,5-fache Vergrößerung während das 12 Pro nur eine zweifache hat. Dafür ist die Lichtstärke des Teleobjektivs im 12 Pro Max etwas geringer. Nach meinen Testfotos sehe ich den Unterschied allerdings als marginal an. Beide Teleobjektive sind für Aufnahmen bei wenig Licht nur maßvoll geeignet. Der stärkere Zoom des Pro Max macht sich hingegen bei Porträts, vor allem aber bei Nahaufnahmen von Objekten positiv bemerkbar.

Die im Wortsinne größere Neuerung steckt jedoch in der Weitwinkelkamera, die beim Pro Max mit einem größeren Sensor bestückt ist, der besser mit schlechten Lichtsituationen klarkommen soll. Vor allem aber wird hier zur optischen Bildstabilisierung nicht das Objektiv beweglich aufgehängt, sondern der Sensor selbst, der unter anderem von Magneten gehalten wird. So sollen sowohl hochfrequente Schwingungen, etwa in einem fahrenden Auto, als auch niederfrequente, von einer wackelnden Hand, ausgeglichen werden. Freihand seien damit Belichtungszeiten von bis zu zwei Sekunden möglich, was bei meinen Tests auch gut funktionierte.

Fotostrecke

iPhone 12 Pro Max - Testfotos

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Viel Spaß macht es auch, sich mit dem 12 Pro Max an Nachtaufnahmen zu versuchen. Dann allerdings ist ein Stativ unumgänglich. Denn Apples Kamera schaltet Belichtungszeiten von bis zu 30 Sekunden nur dann frei, wenn sie über mehrere Sekunden kein Gewackel feststellt. Dann aber gelingen durchaus faszinierende Aufnahmen, und das auch bei Tag. Nach meiner Erfahrung ist der große Vorteil der neuen Weitwinkelkamera im iPhone 12 Pro Max, dass sie sehr schnell auslöst und mit so kurzen Belichtungszeiten auskommt, dass selbst aus der Hüfte oder beim Radfahren geknipste Schnappschüsse gelingen.

Fotostrecke

MagSafe

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Fazit

Wen man eine Weile das iPhone 12 Mini und das iPhone 12 Pro Max benutzt hat, wirken iPhone 12 und 12 Pro schon fast langweilig, aber das täuscht. Tatsächlich runden die beiden Extrem-iPhones Apples Angebot gekonnt nach oben und unten ab. Wer sich schon lange nach einem kleineren, handlicheren Apple-Handy gesehnt hat, wird seine Wünsche mit dem iPhone 12 Mini erfüllt sehen. Ein iPhone 11 wäre zwar 120 Euro billiger, ist aber in allen Aspekten weniger leistungsfähig. Das iPhone SE hingegen ist immer noch eine gute Alternative für alle, die auf's Geld achten.

Pro und Contra

👍🏻 Hohe Leistung

👍🏻 Gute Akkulaufzeit

👍🏻 Sehr gute Kameras

👍🏻 Sehr guter Bildschirm

👎 Kein Netzteil im Lieferumfang

👎 Speicher nicht erweiterbar

👎 Hoher Preis

Das iPhone 12 Pro Max muss man sich dagegen erst mal leisten können, denn dafür werden mindestens 1217,50 Euro fällig. Dafür bekommt man allerdings auch die beste Batterielaufzeit und die besten Kameras. Wer ohnehin schon gewillt ist, mehr als 1000 Euro für ein iPhone 12 pro hinzulegen, sollte das Pro Max zumindest erwägen, denn der Aufpreis zum größten Modell beträgt nur rund 100 Euro.

Was aber auch hier wieder allen neuen iPhones gemein ist: Nachträglich lässt sich der Speicher nicht mehr erweitern. Deshalb sollte man beim Kauf genau abwägen, ob die kleinste Speicherbestückung reicht oder man lieber gleich ein Upgrade bestellt. Das gilt vor allem für das iPhone 12 Mini, das mit 64 Gigabyte etwas mager bestückt ist.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.

Anmerkung der Redaktion: Ursprünglich hieß es in diesem Text, das iPhone 12 Mini würde im Akkutest zwölf Stunden durchhalten. Tatsächlich sind es neun Stunden. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.