Apples iPhone-Präsentation Innovation war gestern

Goldenes Gehäuse, Plastikhüllen und bessere Chips: Mit zwei neuen iPhone-Modellen will Apple sich gegen die Übermacht der Android-Handys wehren. Doch statt aufregender Erfindungen präsentiert der Konzern fast nur Designänderungen.
Apples iPhone-Präsentation: Innovation war gestern

Apples iPhone-Präsentation: Innovation war gestern

Foto: Marcio Jose Sanchez/ AP/dpa

Viel Überraschendes gab es nicht zu sehen, als Apple am Dienstagabend das iPhone 5S und das iPhone 5C präsentierte. Viele technische Details der beiden neuen Mobiltelefone waren schon lange vor dem offiziellen Termin durchgesickert, sogar Fotos kursierten vorab online. Tim Cooks Versuche, die Geheimhaltung im Konzern zu verbessern, sind bisher gescheitert. Die Produktpräsentation hatte immerhin ein Novum zu bieten: Zum ersten Mal stellte Apple zwei neue iPhones zugleich vor.

Dabei ist das günstigere iPhone 5C die eigentliche Novität und bietet zugleich kaum Neues. Im Grunde handelt es sich technisch weitgehend um ein neu gestaltetes iPhone 5. Als Antrieb dient derselbe A6-Prozessor, das Display ist derselbe 4-Zoll-Retina-Bildschirm und Fotos knipst es mit derselben Acht-Megapixel-Kamera.

Neu ist allerdings die zum Nutzer gerichtete Kamera, die verbessert worden sein soll. Der neue Mobilfunkchip im iPhone 5C kann sich mit mehr LTE-Netzen verbinden als die Funktechnik des Vorgängermodells. Für Deutschland bedeutet das, dass man als iPhone-Nutzer nicht mehr auf das Telekom-LTE-Netz beschränkt ist, sondern auch Vodafones LTE-Netz nutzen kann.

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Der deutlichste Unterschied gegenüber dem iPhone 5 ist aber das Design. Statt in Aluminium steckt das C-Modell in einem Plastikgehäuse. Wie seinerzeit Nokia bei seinen Lumias, bezeichnet Apple den Kunststoff aber lieber fein als Polycarbonat. Im Vergleich zum iPhone 5 ist das 5C deutlich runder, es fühlt sich gut an. Weil es mit knalligen Farben lackiert und mit einem hochglänzenden Klarlack überzogen ist, wirkt es trotzdem nicht billig.

Billig ist das 5C auch nicht. 599 Euro kostet die Version mit 16 GB Speicher, mit 32 GB Speicherplatz kostet das 5C 699 Euro.

Highspeed mit dem iPhone 5S

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Für das neue iPhone 5S muss man noch mehr ausgeben, die Preise beginnen bei 699 Euro (für das Modell mit 16 GB Speicher). Das teuerste 5S kostet 899 Euro (64 GB). Beim 5S steckt die Technik im selben Gehäusetyp wie beim iPhone 5, nur die Farben wurden verändert. Weiß gibt es nicht mehr, dafür einen Grauton, den Apple als Space Grey bezeichnet. Außerdem gibt es das iPhone 5S auch in einem golden schimmernden Farbton.

Technisch hat sich einiges getan. Der neue A7-Chip soll doppelt so viel Leistung bringen wie sein Vorgänger. Im Rahmen der Pressekonferenz wurde eine an die neue Chiptechnik angepasste Version eines iPhone-Spiels gezeigt, die mit realistischen Lichteffekten und detaillierter Grafik beeindruckte. Beim Ausprobieren war die Rechenleistung vor allem bei der Kamera-App spürbar. Die beherrscht jetzt Gimmicks wie einen Zeitlupen-Videomodus, der 120 Bilder pro Sekunde in Full HD aufzeichnet.

Sicherheit per Fingerabdruck?

Ein weiteres Highlight ist der in den Home-Button integrierte Fingerabdruck-Scanner, mit dem man das iPhone 5S entsperren kann, indem man einen Finger kurz auf den Scanner legt. Beim ersten Ausprobieren funktionierte das sehr schnell und zuverlässig. Der Vorgang, einen Fingerabdruck als zulässig zu registrieren, dauert nur ein paar Sekunden. Bis zu fünf Fingerabdrücke kann man auf diese Weise als gültig definieren. Ängste, die Daten der Fingerabdrücke könnten in fremde Hände geraten, womöglich in die der NSA, versucht Apple mit der Angabe zu begegnen, dass sie nur auf dem A7-Chip gespeichert werden und angeblich nicht ausgelesen werden können.

Wie sicher die Technik wirklich ist, kann nur ein Test zeigen. Dabei gilt es auch auszuprobieren, wie gut es funktioniert, sich im App Store oder iTunes Store per Fingerabdruck auszuweisen. Unklar ist auch, wie genau der Scanner den Finger abtastet und wie leicht sich die Sperre umgehen lässt. Gute Fingerabdrucksensoren messen beispielsweise, ob der Finger einen Pulsschlag aufweist. So haben kopierte Abdrücke (beispielsweise von der Hülle) oder abgeschnittene Finger keine Chance.

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Fraglich ist, welche Erfolgschancen Apple mit seinen neuen Modellen hat. Mit dem iPhone 5C hat der Konzern einem Billighandy eine klare Absage erteilt. Das günstigste Apple-Handy ist jetzt das iPhone 4S für 399 Euro, das mit Technik von 2011 bestückt ist. Damit vergleichbar ist beispielsweise Samsungs Galaxy S2, das man im Web für wenig mehr als die Hälfte bekommt. Statt Einsteiger zu locken oder neue Märkte in Schwellenländern zu erobern, wird das iPhone 5C eher zu einem Mode-Accessoire in westlichen Ländern werden.

Das iPhone 5S wird es nicht leicht haben, sich gegen die Android-Konkurrenz durchzusetzen. Es ist vollkommen am Trend vorbei gestaltet, hat weder einen größeren Bildschirm bekommen noch das überfällige Upgrade auf NFC-Datenfunk. Der stattdessen eingebaute Fingerabdruck-Scanner mag ein nettes Extra sein. Neu ist die Technik aber nicht, ein solcher Sensor war schon im Motorola Atrix eingebaut. Zudem weckt die Funktion bei machen die Befürchtung, ihre Fingerabdrücke könnten in fremde Hände geraten.

Das Diktat der Kompatibilität

Bei den Teilnehmern der Apple-Pressekonferenz am Dienstagabend in Berlin hinterließen die neuen Modelle gemischte Eindrücke. Viele hatten sich mehr erhofft. Statt Sensationen gab es nur Erwartbares. Die neuen iPhones sind moderate Produktpflege ohne Innovationen, wie man sie von Apple erwartet. Auch die Anleger hatten sich mehr erwartet: Die Apple-Aktie   verlor gut zwei Prozent und notiert bei 495 Dollar.

Ob das Apple schaden wird, ist nicht sicher. Auch nach der Vorstellung des iPhone 4S, das sich gegenüber seinem Vorgänger vor allem durch den sprachgesteuerten Assistenten Siri auszeichnete, war von Apples Abschwung die Rede. Dasselbe geschah, als das iPhone 5 vorgestellt wurde und sich in erster Linie durch seinen leicht gestreckten Bildschirm vom Vormodell unterschied. Verkaufsschlager wurden beide trotzdem.

Bleibt die Frage, ob Apples Publikum dem Konzern ein weiteres Mal nachsieht, dass er sich völlig von den Trends absetzt, die den Smartphone-Markt derzeit beherrschen. Natürlich gibt es Argumente, die für das 4-Zoll-Format der 5er-iPhones sprechen. Ebenso kann man argumentieren, dass man die Auflösung nicht weiter hochschrauben kann, damit der Bildschirm kompatibel zu Apps bleibt, die für die derzeitigen Auflösungen programmiert wurden.

Allerdings: Dieses Diktat der Kompatibilität hat über Jahre Microsoft ausgebremst.

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