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07. September 2016, 09:27 Uhr

Apples iPhone 7

Darum ist es gut, wenn die Kopfhörerbuchse verschwindet

Aus San Francisco berichtet

Apple stellt heute ein neues iPhone vor. Glaubt man den Gerüchten, wird es keine Kopfhörerbuchse haben. Das macht vielen Kunden Sorgen. Sollte es aber nicht.

Das iPhone 7 wird keine Kopfhörerbuchse mehr haben, da sind sich Analysten und Blogger einig. Im Netz sind Fotos aufgetaucht, die die Gehäuse der neuen iPhones zeigen sollen. Eine Headset-Buchse ist darauf nicht zu sehen.

Noch bevor die Information offiziell ist, bringt der mutmaßliche Verzicht auf den altgedienten Anschluss selbst viele Apple-Fans auf die Barrikaden. Apple würde damit Millionen von Kopfhörern unbrauchbar machen, klagen sie. Die kleine, runde Buchse sei ein Standard, auf den man nicht verzichten könne.

Aber ist die Buchse wirklich so wichtig?

Dass Apple hemmungslos alte Standards über Bord wirft, wenn es darum geht, modernere Technik einzuführen oder bis dahin unmögliche Designs möglich zu machen, ist nicht neu. Als Steve Jobs 1998 den iMac vorstellte, wurde der knubbelige All-in-One-Computer mit einer Mischung aus Häme und Skepsis überzogen, weil er zum Anschließen von externem Zubehör nur die damals neuen USB-Buchsen hatte.

Am iMac gab es weder den damals für Mäuse und Tastaturen an Macs üblichen Apple Desktop Bus (ADB), noch die SCSI-Schnittstelle, die etwa für Scanner verwendet wurde. Das Gejammer der treuen Apple-Kundschaft war groß, verständlicherweise. Wer einen der neuen Knubbelrechner ins Haus holte, konnte körbeweise alte Peripheriegeräte zum Sperrmüll tragen. Dass der iMac zudem ohne ein seinerzeit noch wichtiges Diskettenlaufwerk geliefert wurde, machte die Sache noch verrückter.

Was waren noch mal Disketten?

Tatsächlich aber dauerte es nicht lange, bis USB der neue Standard wurde. Seine Vorzüge - einheitliche Kabel, mehr Flexibilität und hohe Datenübertragungsraten - überzeugten schnell auch andere Hersteller. Der rasant steigende Speicherbedarf sorgte zudem dafür, dass CDs das Speichermedium der Wahl wurden. Statt eines Diskettenlaufwerks hatte der iMac ein CD-Laufwerk.

Etliche Jahre später wagte Apple mit dem Macbook Air einen ähnlichen Stunt. Um das Notebook so dünn und leicht wie nur möglich bauen zu können, verzichteten die Designer auf das CD-Laufwerk. Wieder war die Verwunderung groß, wieder die Kritik laut. Wenig später zogen Hersteller wie Asus mit ähnlich schlanken Notebooks nach, die ohne CD-Laufwerk geliefert wurden. Es war schlicht ein Umbruch, Internetdienste und USB-Sticks ersetzen seither die Silberscheiben.

Das gab es doch schon mal

Und jetzt ist es wohl das iPhone 7, das einen Umbruch forciert, in Sachen Kopfhörern. Versucht haben das schon andere Unternehmen. Das erste in Deutschland erhältliche Android-Smartphone beispielsweise, das T-Mobile G1, wurde schon 2008 ohne Kopfhörerbuchse geliefert.

Rein mechanisch schafft das Weglassen der Buchse mehr Platz für andere Dinge, etwa für einen größeren Akku oder einen zusätzlichen Lautsprecher. Außerdem würde sich Apple mit dem Verzicht eine verbesserte Wasserdichtigkeit erkaufen. Immerhin die Schutzklasse IPX7 soll das neue iPhone erreichen, damit könnte man im strömenden Regen Fotos machen, unter der Dusche telefonieren oder es auch mal in die Badewanne fallen lassen.

Klingt gut

Vor allem aber hätte ein iPhone ohne Kopfhörerbuchse zwei Vorteile: Zum einen würde es vermutlich mit Bluetooth-Kopfhörern ausgeliefert, die im Alltag einfach komfortabler sind, weil man keinen Stress mit Kabeln hat. Zum anderen könnten der Verzicht dem Klang zugutekommen.

Die Musik wird auf einem iPhone digital gespeichert. Um sie auf einem Kopfhörer hören zu können, wandelt eine Elektronik die digitalen Daten in analoge Signale um. Und das macht sie im iPhone, so wie in den allermeisten anderen Smartphones, nur mittelmäßig.

Die Lösung wäre die Lightning-Buchse, über die iPhones mit Strom und Daten versorgt werden. Schließt man einen Kopfhörer an diesen digitalen Anschluss an, kann er die Audiodaten über einen eigenen Digital-Analog-Wandler selbst in analoge Klangsignale umwandeln. Wie gut das klingen kann, zeigte der Philips Fidelio M2L in unserem Test.

Letztlich wäre der Abschied von der Kopfhörerbuchse also kurzzeitig schmerzlich, im Blick nach vorn würde er dem Fortschritt aber die Tür öffnen. Die digitale Musikübertragung würde dem Sound zugutekommen, der mit der aktuellen Technik noch lange nicht im Digitalzeitalter angekommen ist. Und für alle, die an ihrem alten Analog-Kopfhörer hängen, wird Apple den neuen iPhones hoffentlich einen Adapter beilegen, mit dem sie sich weiter anschließen lassen.


Apples Produktepräsentation startet am Mittwoch um 19 Uhr deutscher Zeit. Das Event kann hier im Livestream verfolgt werden. SPIEGEL ONLINE ist in San Francisco vor Ort und wird zeitnah berichten. Weitere Gerüchte rund um die Neuheiten des Unternehmens haben wir hier zusammengefasst.

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