iPhone-Exklusivvertrieb Bald könnte das iPhone für alle kommen

Ist es bald vorbei mit der Exklusivität? US-Berichten zufolge wird sich Apple bald weitere Partner für den Verkauf seiner iPhones in den USA suchen. Die Strategieänderung könnte sich auch auf den Vertrieb in Deutschland auswirken.

Matthias Kremp

New York - Der US-Telekom-Gigant AT&T muss offenbar um seine Exklusivrechte für das Apple-Handy fürchten. Nach Informationen der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg scheint das Ende für das AT&Ts iPhone-Monopol in den USA nahe. Einem Bericht vom Dienstag zufolge soll das kultige Mobiltelefon ab Januar 2011 auch von Verizon, dem Erzrivalen des US-Mobilnetzbetreibers, angeboten werden. Sollte sich die Geschichte bewahrheiten, könnten das auch Auswirkungen auf den deutschen Markt haben.

Mit der Ausweitung des iPhone-Vertriebs auf einen zweiten großen Netzbetreiber würde Apple seine eigene, bisher in vielen Ländern verfolgte Regel brechen: Dass pro Land meist jeweils nur ein Anbieter das iPhone vertreiben darf. In Deutschland ist das die Telekom. Die selbst auferlegte Beschränkung gewährleistet zwar eine hohe Kontrolle des Marktes durch Apple, bremst aber gleichzeitig das Wachstum.

Bei vielen potentiellen iPhone-Käufern stößt die Bindung an nur einen iPhone-Anbieter auf wenig Gegenliebe. Schließlich kann ein solcher iPhone-Monopolist quasi nach Gutdünken Preise und Bedingungen für iPhone-Kunden diktieren. Weil viele Handy-Nutzer aber nicht gewillt sind, sich an den jeweiligen Apple-Exklusivpartner zu binden, entgehen Apple vermutlich substanzielle Käuferschichten. Ein weiteres Phänomen: Weil beispielsweise die Telekom das iPhone nur bei Abschluss vergleichsweise teurer Zweijahresverträge herausrückt besorgen sich manche Käufer ihr Gerät über Umwege aus Länder, in denen eine Bindung des Geräts an bestimmte Verträge gesetzlich untersagt ist. Etliche Händler haben sich mittlerweile auf Beschaffung und Verkauf solcher iPhones spezialisiert.

Die Konkurrenz erstarkt

Apple hatte erst jüngst die vierte Version seines Verkaufsschlagers herausgebracht. Alleine in den ersten drei Tagen gingen mehr als 1,7 Millionen Exemplare des iPhone 4 über den Tresen. Niemals zuvor war ein Apple-Produkt derart eingeschlagen. Doch insbesondere Google mit seinem Handy-Betriebssystem Android sitzt Apple im Nacken. Ebenso versucht Samsung gerade, sein eigenes Handy-Betriebssystem Bada im Markt zu etablieren. Marktführer Nokia hingegen will künftig versuchen, Apple mit Smartphones, die nicht mehr auf dem alten Symbian-System, sondern auf dem mit Intel entwickelten Meego-Linux basieren, Konkurrenz zu machen.

Die Spekulationen um Verizon und das iPhone sind nicht neu. Sie erhalten insbesondere durch die schlechte Verbindungsqualität im Netz von AT&T immer neue Nahrung. Der Erfolg des iPhone hat dazu geführt, dass in Ballungsräumen die Netze ständig überlastet sind und Gespräche laufend abreißen. AT&T hat kürzlich den Ausbau des Netzes in New York angekündigt und gleichzeitig die beliebten Flatrates abgeschafft. Jetzt müssen neue Kunden ab einer bestimmten Datenmenge, die sie mit ihrem iPhone verbrauchen, extra zahlen. Das soll das Netz entlasten.

Dass auch die iPhone-Exklusivrechte der Telekom in Deutschland in Gefahr sind, wird ebenfalls schon seit Monaten gemunkelt. Offenbar enthält der Vertrag zwischen Telekom und Apple eine beiderseitige Ausstiegsklausel, die im September greifen könnte.

mak/dpa



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