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Matthias Kremp

Smartphone-Shopping Warum gebrauchte iPhones die bessere Wahl sein können

Matthias Kremp
Ein Netzwelt-Newsletter von Matthias Kremp
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Liebe Leserin, lieber Leser,

seit vergangenem Samstag verkauft Apple in seinem deutschen Onlineshop sogenannte Refurbished iPhones. Falls Ihnen der Begriff nicht geläufig ist: Als refurbished werden gebrauchte Geräte bezeichnet, die vom Hersteller zurückgenommen, geprüft, gereinigt und wenn nötig auch repariert worden sind. Man könnte das System mit den Jahreswagen vergleichen, die Autohändler anbieten: Sie haben wenige Kilometer drauf, sind in der Werkstatt gecheckt worden, sehen aus wie neu und haben sogar noch Garantie.

Auf dem freien Markt gibt es etliche Unternehmen, die sich auf dieses Second-Hand-Geschäft spezialisiert haben . Die einen bieten gebrauchte Luxusuhren an, die anderen gebrauchte Designermöbel, Kleidung oder Stereoanlagen. Und sehr viele andere widmen sich eben gebrauchten Gadgets. Unternehmen vom Kaufhaus bis zum Möbelhändler bieten Trade-in-Programme an, locken mit einem Rabatt auf neue Produkte, wenn man ein altes zurückgibt. Apple etwa bietet bis zu 465 Euro Eintauschprämie für ein iPhone 12, wenn man es beim Kauf eines iPhone 13 in Zahlung gibt. Wie viel man tatsächlich bekommt, hängt letztlich von Zustand des Geräts ab.

iPhone-Kartons: Wenn es nicht das neueste Modell sein muss, kann man mit Refurbished-Angeboten viel Geld sparen

iPhone-Kartons: Wenn es nicht das neueste Modell sein muss, kann man mit Refurbished-Angeboten viel Geld sparen

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Und ja, natürlich kann man für ein gebrauchtes iPhone mehr Geld bekommen, wenn man es über ein Kleinanzeigenportal anbietet. Dennoch entscheiden sich Millionen Menschen dafür, ihre Apple-Gadgets an den Hersteller zurückzugeben. Allein im Jahr 2020 hat Apple im Zuge dessen mehr als zehn Millionen von seinen Kunden zurückgenommene iMacs, MacBooks, iPads, iPods und iPhones ein zweites Mal auf den Markt gebracht.

Wobei nicht alle Refurbished-Geräte auf diesem Weg zu Apple kommen. Oft handelt es sich auch um Versandrückläufer oder um Geräte, die als defekt eingeschickt wurden und deren ursprüngliche Käufer ein neues Gerät im Austausch bekommen haben. Und letztlich landen auch die Testgeräte, die Journalisten und Bloggern für Tests zur Verfügung gestellt werden, irgendwann im Refurbished-Store. Für ein iPhone 12 mit 128 Gigabyte (GB) Speicher, das bei seiner Einführung 925 Euro gekostet hat, zahlt man dort 709 Euro. Der Neupreis liegt derzeit bei 849 Euro.

Weshalb Apple mit seinem System so erfolgreich ist, lässt sich mit der Preispolitik des Unternehmens erklären – und mit den Trends bei der Konkurrenz. Wer zum Beispiel mit dem Kauf des neuen Samsung Galaxy S22 vier Wochen wartet, werde bis zu 18 Prozent sparen können, prognostiziert die Preissuchmaschine Idealo. Und die Plus-Variante des Vorgängermodells S21 konnte man vergangenes Jahr schon drei Monate nach ihrer Einführung 29 Prozent günstiger kaufen, rechnet Guenstiger.de vor. Den Preis des iPhone 12 hingegen senkte Apple erst, als das iPhone 13 in den Handel kam – um magere 75 Euro. Davor ließ sich durch Warten kaum Geld sparen.

Das Resultat: Weil gebrauchte Android-Smartphones in der Regel schneller an Wert verlieren als iPhones bieten Portale wie Refurbed, Back Market und Rebuy vor allem die Apple-Produkte an. Einzig Samsung-Smartphones, ebenfalls mit 36 Monaten Garantie, findet man noch auf den vorderen Angebotsseiten.

Apple selbst bietet nur zwölf Monate Garantie auf seine Gebrauchtprodukte, genau wie auf seine Neuware. Allerdings verspricht der US-Konzern zwei besondere Extras. Zum einen, dass die Gebraucht-iPhones in einer neuen, also kratzerfreien Außenhülle stecken. Zum anderen, dass sie mit einem neuen Akku bestückt werden. Nur die Elektronik und das Display stammen noch vom alten Gerät, der Rest wandert ins Recycling.

Um bei dem Beispiel mit den Jahreswagen zu bleiben: Das ist ungefähr so, als würde man zum Gebrauchtwagen noch eine Tankkarte mit Spritguthaben für das erste Jahr bekommen.

Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

  • »Voldemort laugh in different languages « (Multilingual, Video, 30 Sekunden)
    Das sollte man viel öfter machen: Dieser kurze Clip zeigt, wie sehr die Synchronisierung eines Filmes sich auf die Wahrnehmung der Protagonisten auswirkt. Oder wissen Sie, wie Voldemort in Usbekistan lacht?

Kommen Sie gut durch die Woche,

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