Digitale Musik-Player Shuffle - Abschied - iPod - Apple - vom

Apple stellt den Verkauf von iPod Nano und iPod Shuffle ein. Damit endet die Ära der erzwungen zufälligen Musikwiedergabe. Ein Abschiedstext, den Sie lesen müssen, wie man mit dem Shuffle Musik hörte.
iPod touch, iPod Nano und iPod Shuffle

iPod touch, iPod Nano und iPod Shuffle

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Falls es Ihnen zu anstrengend ist, diesen Text in dieser Shuffle-Version zu lesen, haben wir ihn zusätzlich als lineare Playlist vorbereitet, die Sie hier abrufen können.



4 Ich war kein Fan von diesem System.

1 Die Nachricht vom Ende der beiden kleinen iPods kam aus heiterem Himmel. Mitten ins Sommerloch hinein verkündete Apple, der Verkauf des iPod Shuffle und des iPod Nano werde eingestellt. Künftig gibt es nur noch den iPod touch, der mit seinem vier Zoll großen Bildschirm ein wenig aussieht wie ein plattgedrücktes iPhone. Die Speicherkapazität des einzig im Markt verbleibenden iPods wurde gleichzeitig auf 32 beziehungsweise 128 GB verdoppelt, die Preise für die Geräte auf 229 und 339 Euro reduziert. "Heute vereinfachen wir das iPod-Line-up", kommentierte ein Apple-Mitarbeiter diesen Schritt gegenüber dem Tech-Magazin "The Verge ".

12 Der iPod Nano wurde bis auf Farbänderungen seit 2012 in gleicher Form hergestellt, beim iPod Shuffle hat sich sogar seit 2010 außer bei der Farbe nichts mehr getan.

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8 Eigentlich wundert es mich aus heutiger Sicht eher, dass Apple erst jetzt einen Schlussstrich zieht. Dass angesichts allgegenwärtiger Smartphones überhaupt noch jemand die kleinen iPods kauft, ist schon erstaunlich genug. Sind das alles Geschenke für Kinder im Grundschulalter? Oder ersetzen die Leute damit beim Neuwagenkauf den CD-Wechsler, den sie in ihrem alten Auto hatten?

6 Mit dem Ende der beiden Einstiegs-MP3-Player von Apple beginnt auch das Ende einer Ära. 2001 hatte Steve Jobs den allerersten iPod vorgestellt und damit die Grundlage für Apples Gelddruckmaschine gelegt. Der iPod war das Vehikel, mit dem Apple ein paar Jahre später Kunden in den iTunes Store zog, wo das Unternehmen bei jedem Song, der dort verkauft wird, einen stattlichen Betrag als Provision einstreicht. Und der iPod war die Grundlage für das iPhone, das das Geschäftsmodell des iTunes Store mit dem App Store noch erweiterte.

13 Ich habe iPods zuletzt 2010 getestet und war damals schon nicht mehr begeistert. Der iPod Nano war mir mit seinem winzigen Display zu fummelig, das einzig Bemerkenswerte am Shuffle schien mir, dass er nun endlich Tasten hatte. Innovation gab es also nicht mehr, aber weil die Produktionsstraßen längst abbezahlt waren und die Bauteile immer billiger wurden, lohnte sich die Produktion weiterhin.

9 Den Job könnte schließlich auch ein viel billigerer USB-Stick erledigen. Nur hätte der keine so elegante Anbindung an die iTunes-Software und den iTunes Store.

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3 Dabei war der Shuffle nicht gerade jedermanns Liebling. Man konnte ihn nur lieben oder hassen. Wer ihn liebte, war begeistert, weil er so klein war, so leicht, so simpel zu bedienen. Wer ihn hasste, verachtete das simplifizierte Funktionsprinzip: Der Name Shuffle war Programm. An Apples kleinstem iPod konnte man nicht gezielt den einen Song anwählen, den man gerade hören wollte. Stattdessen sollte der kleine Player die auf ihm gespeicherte Musik in zufälliger Reihenfolge abspielen, im Shuffle-Modus eben. Zum Joggen war das gut, um die neue CD der Lieblingsband zu erkunden eher nicht.

11 In den 13 Jahren von 2001 bis Ende 2014 hatte Apple insgesamt 390 Millionen iPods aller Baureihen abgesetzt. Seither werden keine Verkaufszahlen mehr publiziert. Auch wenn man nur spekulieren kann, wie viele iPods heutzutage noch verkauft werden, ihre Umsätze dürften gegenüber denen von iPhones, iPads und iMacs etwas traurig wirken. Schließlich hat Apple allein für das zweite Quartal 2017 mehr als 50 Millionen verkaufte iPhones gemeldet, die bedeutend mehr Umsatz und Gewinn bringen dürften als die alten iPods.

7 Dass das iPhone - und ganz generell Smartphones - die iPods eines Tages ablösen würden, war schon bei der Markteinführung des Apple-Smartphones 2007 klar. Dass es lange dauern würde, bis es soweit ist, auch, schließlich hatte das originale iPhone bloß 8 GB Speicher. iPods kamen damals mit bis zu 160 GB großen Festplatten in den Handel.

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2 Man könnte aber auch sagen: "Der iPod ist angezählt". Wer unbedingt einen Musik-Player von Apple haben will, kann sich einen kaufen. Aber der ist dann eben auch teuer, während man einen iPod Shuffle zuletzt für 55 Euro bekam.

5 Meinen ersten iPod kaufte ich mir aus beruflichen Gründen. Ich hatte von einem Verlag den Auftrag bekommen, ein Buch über Apples Musik-Player zu schreiben, ein iPod-Buch eben. Damit konnte man 2003 noch Geld verdienen. Also bestellte ich den damals besten iPod, den man für Geld bekommen konnte. Satte 30 GB Musik passten auf seine Festplatte, das Schwarzweiß-Display zeigte nur Text an. Zum Lieferumfang gehörten damals noch Dinge wie eine iPod-Dock, verschiedene Kabel, Adapter, eine Transporttasche. Luxus, den Apple nach und nach wegließ. Meinem letzten iPod lagen nur noch ein kurzes USB-Kabel und ein paar Apple-Kopfhörer bei.

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10 Wie sehr sich der Stellenwert der iPods im Apple Ökosystem verändert hat, zeigen die Verkaufszahlen. Setzte der Konzern 2001 gerade mal 25.000 seiner Musikplayer ab, waren es 2006 mehr als 50 Millionen Exemplare. Doch dann sanken die Umsätze langsam. Zuletzt gingen 2014 noch 15 Millionen Geräte über die Ladentheken.

14 Aber seit der Nacht zu Freitag ist mit dem iPod Nano und iPod Shuffle bei Apple Schluss. Links, die noch gestern auf Apples Website zu den beiden Playern führten, werden jetzt zur iTunes-Seite umgeleitet, im Apple Store ist von den Geräten keine Spur mehr. Wer jetzt plötzlich den Drang verspürt, sich doch noch einen der alten Player kaufen zu wollen, kann immerhin in manchen Webshops noch fündig werden. Ansonsten sind die kleinen Shuffles jetzt Sammlerstücke - millionenfach.

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