Staubsaugroboter iRobot will Karten von Nutzerwohnungen teilen

Um effizienter zu sein, kartieren manche Roomba-Staubsaugroboter die Wohnungen ihrer Besitzer. Die so erstellten Karten könnte man Herstellern von Smart-Home-Produkten anbieten, schlägt nun der Chef der Herstellerfirma iRobot vor.
iRobot-Saugroboter Roomba 980

iRobot-Saugroboter Roomba 980

Foto: HANDOUT / REUTERS

Die amerikanische Firma iRobot ist ein Pionier auf dem Gebiet der Robotertechnik. Anfangs entwickelte das Unternehmen noch Roboter für Militär und Polizei. Doch den großen kommerziellen Erfolg brachten Haushaltsroboter. Mehr als 15 Millionen hat der Konzern bereits verkauft.

Die meisten davon dürften Staubsaugroboter der Roomba-Serie sein. Die neuesten Modelle davon legen Karten der Wohnungen an, in denen sie eingesetzt werden. Mit diesen könnte man Smart Homes noch smarter machen, sagte iRobot-Mitgründer und CEO Colin Angle in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters .

Nach seiner Ansicht nämlich sind Geräte, mit denen man heutzutage sein Zuhause zu einem Smart Home aufrüsten soll, entgegen ihrer Bezeichnung derzeit noch ziemlich dumm. Sein Argument: Vernetzte Überwachungskameras, intelligente Lichtsysteme und Heizungssteuerungen hätten keinerlei Wissen über ihre physische Umgebung.

An dieser Stelle will er mit den Daten ansetzen, die seine Roboter längst sammeln. Denn iRobots Topmodelle vermessen bei ihrem staubsaugenden Treiben ganz nebenbei sehr detailliert die Wohnung. Sie tun das, um ihre Arbeit zu optimieren. Geht dem Robosauger unterwegs die Energie aus, kann er zur Ladestation zurückfahren, den Akku füllen und später anhand seiner digitalen Wohnungskarte zu genau der Stelle zurückfahren, an der er beim ersten Durchgang aufhören musste. Neben den Roombas haben wenige andere Staubsaugroboter eine solche Funktion, etwa der 360 Eye von Dyson.

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Dyson 360 Eye: Der Dyson-Roboter im Test

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Dieselben digitalen Karten würden Herstellern von Smart-Home-Geräten eine Vielzahl neuer Möglichkeiten liefern, sagte Angle. Er selbst ging nicht weiter darauf ein, was er damit meint; denkbar ist aber vieles, von der Klimaanlage, die sich abschaltet, wenn ein Fenster geöffnet wird, über eine an den Raum angepasste Beleuchtung bis hin zur simplen Frage: "Alexa, wo habe ich mein iPad liegengelassen?".

iRobot-App mit digitaler Karte

iRobot-App mit digitaler Karte

Foto: iRobot

Er sei sich sicher, das Kartenmaterial innerhalb der nächsten Jahre einem oder mehreren der drei großen Internetkonzerne - Amazon, Apple und Google - zur Verfügung stellen zu können.

iRobot werde die von seinen Robotern gesammelten Kartendaten aber nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Nutzers an Dritte weitergeben, sagte er Reuters. Gleichzeitig gab er sich zuversichtlich, dass die meisten Nutzer diese Zustimmung erteilen werden.

Damit dürfte er Recht haben. Wie so oft in der digitalen Welt, ist die Privatsphäre auch bei seinem geplanten Angebot ein Teil des Geschäftsmodells. Dem Anwender werden für seine privaten Daten Dienstleistungen angeboten, die er ohne eine solche Freigabe nicht nutzen kann. Man tauscht Komfort gegen Datenschutz. Und, da hat Angle vollkommen Recht: Wenn sie vor die Wahl gestellt werden, entscheiden sich die meisten Anwender in der Regel für den Komfort.

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Fassung dieser Meldung hieß es, iRobot plane, die Karten von Nutzerwohnungen zu verkaufen. So hatte Reuters das Interview mit Colin Angle ursprünglich wiedergegeben. Wie das Unternehmen nun klarstellt, hat die Nachrichtenagentur den Firmenchef unbeabsichtigt falsch zitiert. Inzwischen hat Reuters den Text so geändert, dass dort nur noch von die Rede ist, die Kartendaten mit Partnerfirmen zu "teilen". Gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärte die Firma: "iRobot hat keinerlei Pläne, Daten zu verkaufen. In Zukunft - die Erlaubnis des Kunden vorausgesetzt - könnten diese Informationen smarten Endgeräten dabei helfen, besser zu funktionieren." Wir haben diese Meldung entsprechend angepasst.

mak

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