Angeblicher Strahlenschutz IT-Sicherheitsexperten warnen vor 300 Euro teurem "Anti-5G-Stick"

Ein 5G-Kritiker hatte in einem Bericht der britischen Stadt Glastonbury einen über 300 Euro teuren USB-Stick als "hilfreich" bezeichnet. Doch der "Bioschutzschild" ist nichts weiter als chinesische Billigware.
"Quantenholographische Katalysatortechnologie": Die angeblichen Anti-5G-Sticks von 5G BioShield

"Quantenholographische Katalysatortechnologie": Die angeblichen Anti-5G-Sticks von 5G BioShield

Foto: 5G Bio Shield

Wenn die britischen IT-Sicherheitsexperten von Pen Test Partners sich ein Gerät mit dem sogenannten Reverse-Engineering vornehmen, sind sie meist einem gefährlichen Einfallstor für Hacker auf der Spur. Dazu rekonstruieren sie den Aufbau des Geräts, um genau herauszufinden, wie es funktioniert und wo Schwachstellen liegen könnten.

Das Gerät, das sie gerade auf ihrem Schreibtisch hatten, dürfte allerdings einer der einfachsten Fälle in der Geschichte der britischen Analysefirma gewesen sein: Es handelt sich um einen USB-Stick mit dem Namen 5G BioShield, der mithilfe von "Quantenoszillation" vor den angeblichen Gefahren der 5G-Strahlung schützen soll.

Verkauft wird der Stick von einer britischen Firma. Die verspricht für mehr als 300 Euro Kaufpreis ein Produkt, das dank "holografischem Nano-Layer-Katalysator" elektrische Wellen "harmonisiert". Die IT-Experten von Pen Test Partners allerdings stellten fest, dass es sich lediglich um einen normalen USB-Stick mit 128 Megabyte Speicherplatz handelt.

"Sechs Euro teurer USB-Stick mit einem aufgeklebten Sticker"

"Unserer Einschätzung nach ist der 5G BioShield nichts weiter als ein sechs Euro teurer USB-Stick mit einem aufgeklebten Sticker", schreiben sie . Der Stick gleiche Produkten, die im chinesischen Shenzhen massenhaft hergestellt würden. Der einzige Unterschied zur Massenware ist demnach ein Sticker mit dem Löwenkopf-Logo von 5G BioShields.

Außerdem würden Details des USB-Sticks darauf hindeuten, dass es sich um ein Billigprodukt handelt. "Wir wussten gar nicht, dass USB-Sticks mit nur 128 Megabyte überhaupt noch hergestellt werden", schreiben Pen Test Partners in Bezug auf die Speicherkapazität. Aktuelle Sticks bieten längst mehrere Gigabyte Speicherplatz.

Aufmerksam geworden waren Mitarbeiter der britischen Firma auf das Produkt, weil es in einem Bericht der britischen Stadt Glastonbury auftaucht. Die Stadt, die international für ihr Musikfestival bekannt ist, bei dem seit Jahren internationale Stars auftreten, hat seit dem vergangenen Jahr ein Beratungskomitee für den 5G-Ausbau.

Toby Hall, ein externes Mitglied des Beratungskomitees, hatte berichtet, dass er den Anti-Strahlungs-Stick benutze und ihn als hilfreich bezeichnet. Studien oder Belege für die angebliche Wirksamkeit lieferte er keine. Eine besondere wissenschaftliche Qualifikation von Hall wird nicht genannt. Der Bericht betont, dass es sich bei der Einschätzung der externen Mitglieder nicht um eine offizielle Position der Stadt Glastonbury oder der Behörden handelt.

Die Belege fehlen

Hall behauptete auch, dass 5G-Strahlung die Selbstmordrate erhöhe und das Vogelschwärme durch 5G "vom Himmel fallen" würden. Für keine seiner Behauptungen gibt es wissenschaftliche Belege. Auch die Aussage, dass 5G-Strahlung für den Menschen gesundheitsschädlich sei, deckt sich nicht mit dem Stand der Forschung.

Das Bundesamt für Strahlenschutz geht dagegen nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand von keinerlei negativen gesundheitlichen Auswirkungen aus. Das erklärt die Behörde, die die aktuelle Studienlage regelmäßig prüft, auf ihrer Website .

Auf eine SPIEGEL-Anfrage zum 5G BioShield heißt es vom Bundesamt, es rate "generell von derartigen Produkten ab": "Bisherige Erfahrungen mit Produkten, die vor Strahlung schützen sollen (Chips, Harmonisierer), zeigen in der Regel keine Wirkung." Im ungünstigen Fall könnten sie die Exposition erhöhen.

So bleibt zu dem Stick aus Großbritannien wohl nur noch zu sagen, worauf ein anderes Mitglied des Beratungskomitees aus Glastonbury hinwies: "Einige nutzen Falschinformationen zu 5G gezielt, um damit gezielt unsichere Menschen anzusprechen und damit Geld zu verdienen."

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