Jorge Colombo Der iPhone-Maler von New York

Er hat Cover für den "New Yorker" entworfen, Bücher veröffentlicht, Ausstellungen bestritten. Das Thema des Malers Jorge Colombo ist nicht ungewöhnlich, er malt seine Wahlheimat New York. Ungewöhnlich ist aber sein Werkzeug: Er malt auf dem iPhone.

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Wenn Jorge Colombo arbeitet, sieht er aus wie einer von Zehntausenden Touristen oder Einheimischen, die auf den Straßen New Yorks herumstehen, in dieser heute so typischen Haltung: den Kopf geneigt, die eine Hand auf Brusthöhe erhoben, den Zeigefinger der anderen auf dem Touchscreen seines Smartphones. Colombo aber sucht nicht den Weg zur nächsten U-Bahn-Station, er liest keine E-Mails und spielt nicht "Angry Birds". Jorge Colombo ist Maler - und sein bevorzugtes Werkzeug ist das iPhone und die simple Mal-App "Brushes".

"Wenn man sich nicht so sehr auf das Werkzeug konzentrieren muss, konzentriert man sich ein bisschen mehr auf die Idee", sagt Colombo, "und das ist das, was mir Spaß macht." Im Video oben kann man Colombo bei der Arbeit zusehen: So entsteht mit wenigen Bewegungen des Zeigefingers eine Ansicht von Manhattan, komplett mit einer Staten-Island-Fähre kurz vor dem Anlegen.

Schon 2009 landete eine der Handy-Malereien des gebürtigen Portugiesen auf dem Cover des "New Yorker", seitdem hat der Zugereiste nicht aufgehört, seine Wahlheimat ein ums andere Mal zu porträtieren, immer den Finger auf dem Touchscreen. Der "New Yorker" ist dazu übergegangen, auch die Entstehung von Colombos Werken zu dokumentieren - regelmäßig zeigt das Magazin auf seiner Website die animierte Entstehung einer seiner New-York-Miniaturen.

Colombo gibt zu, dass dieses Beobachtet-Werden bei der Arbeit, die Dokumentation des Entstehungsprozesses, seine Art zu malen beeinflusst hat: Er fange oft mit einem besonders charakteristischen Objekt, an, sagte er einmal der "New York Times", aber danach "lasse ich die Zuschauer gerne raten, was ich als Nächstes zeichnen werde".

Seine Beziehung zu New York sei ein bisschen "wie Verliebtsein", sagt Colombo: "Wenn man jemanden liebt, dann kümmern einen die kleinen Probleme nicht so." Und was läge für einen Maler näher, als das Objekt seiner Zuneigung immer wieder zu porträtieren?

cis

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Ray Cohen 13.11.2011
1. Digitale Kunst
Digitale Kunst ist ja schon lange umstritten. 1. Gibts es noch ein Original? Jede Datei kann ja beliebig oft und ohne Verlust kopiert werden. 2. Wenn es keine Originale gibt, kann ein Künstler dann von seiner Kunst leben? 3. Wer kauft ein jpeg? Darf man sein Werk mehrmals verkaufen? Ich sehe Software durchaus als moderne Malwerkzeuge an, aber ich glaube nicht, dass Sie hilft den Kühnster in Brot zu halten. Denn Kunst ist so eng mit Besitz verknüpft, Kunst um der Kunst Willen gibt's doch gar nicht. Ray
Demokrat_234 13.11.2011
2. Keine Veränderung zu früher?
Zitat von Ray CohenDigitale Kunst ist ja schon lange umstritten. 1. Gibts es noch ein Original? Jede Datei kann ja beliebig oft und ohne Verlust kopiert werden. 2. Wenn es keine Originale gibt, kann ein Künstler dann von seiner Kunst leben? 3. Wer kauft ein jpeg? Darf man sein Werk mehrmals verkaufen? Ich sehe Software durchaus als moderne Malwerkzeuge an, aber ich glaube nicht, dass Sie hilft den Kühnster in Brot zu halten. Denn Kunst ist so eng mit Besitz verknüpft, Kunst um der Kunst Willen gibt's doch gar nicht. Ray
Auch schon im vor dem digitalen Zeitalter haben populäre Künstler Serien (Drucke) aufgelegt oder ihre Schüler erstellten die Werke und und.... In Museen werden oft Kopien ausgestellt und keiner erfährt es. Und das Problem der Existenzsicherung durch Kunst hat es schon immer gegeben und viele Hobbykünstler auch. Wo ist das neue digitale Problem?
Meckermann 13.11.2011
3. Digitale Kunst
Zitat von Ray CohenDigitale Kunst ist ja schon lange umstritten. 1. Gibts es noch ein Original? Jede Datei kann ja beliebig oft und ohne Verlust kopiert werden. 2. Wenn es keine Originale gibt, kann ein Künstler dann von seiner Kunst leben? 3. Wer kauft ein jpeg? Darf man sein Werk mehrmals verkaufen? Ich sehe Software durchaus als moderne Malwerkzeuge an, aber ich glaube nicht, dass Sie hilft den Kühnster in Brot zu halten. Denn Kunst ist so eng mit Besitz verknüpft, Kunst um der Kunst Willen gibt's doch gar nicht. Ray
Einfach jedes Bild mit einem Online-Account oder DRM-Rootkit verbinden. Werden die Käufer nicht mitmachen? Funktioniert in der Spielebranche doch auch! Dort zahlen die Kunden auch bereitwillig 5-20 Euro für ein paar niedrig aufgelöste Texturen, da kann man mit nem guten JPEG bestimmt noch höher gehen. P.S. Malen ist wohl eine der wenigen Tätigkeiten, für die ein Tabletcomputer tatsächlich besser geeignet wäre...
HansOch 13.11.2011
4. Was ist Kunst?
Zitat von Ray CohenDigitale Kunst ist ja schon lange umstritten. 1. Gibts es noch ein Original? Jede Datei kann ja beliebig oft und ohne Verlust kopiert werden. 2. Wenn es keine Originale gibt, kann ein Künstler dann von seiner Kunst leben? 3. Wer kauft ein jpeg? Darf man sein Werk mehrmals verkaufen? Ich sehe Software durchaus als moderne Malwerkzeuge an, aber ich glaube nicht, dass Sie hilft den Kühnster in Brot zu halten. Denn Kunst ist so eng mit Besitz verknüpft, Kunst um der Kunst Willen gibt's doch gar nicht. Ray
Das sind natürlich heftige Fragen. Frage mich, ob der Typ überhaupt der richtige Anlass ist, sie zu stellen. Gut, hier gibt es ein neues Werkzeug, das Medium ist nicht neu. Neu ist der kleine Bildschirm, die abgespeckte Software. Welche Rolle spielt der Markt? Welcher Kunstbegriff liegt vor? Eigentlich Fragen, die schon im Essay "Die Kunst im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit" gestellt wurden." Und - Gibt es "Das Werk", das vom Autor unabhängig und autonom existiert überhaupt? Diese Art, Kunst zu sehen, hing eng mit dem Aufkommen des Kunstmarktes, dem Aufkommen des Bürgertums zusammen. Ich glaube, der Kunstmarkt ist inzwischen mindestens so verrückt wie sein Ambiente. Und - Viele Talente, und immer weniger erhalten die Chance sich durchzusetzen, auch auf Kosten von Innovation und von gesellschaftlichen Impulsen, die Kunst ja auch geben kann. Dies hier ist allerdings nur ein Gag... so in die Richtung was Jedermann so mit dem Smartphone alles anfangen kann... Vielleicht könnte man Andy Warhole dazu noch mal bemühen...? H.
at.engel 13.11.2011
5. Diese Fragen sind schon etwas älter...
Solche Fragen hat sich auch schon Walter Benjamin gestellt; und damals ging es um Fhotografie. Laut Benjamin würde damit die "Aura" des Werkes verloren gehen. Jede Reproduktion - wo es kein Original mehr gibt, gibt es auch keine Kopie - hat ein eigenes Leben, eine Autonomie, die früher nur das Original hatte. Persönlich finde ich, dass diese Form der "Kunst" weder die Aura eines Kunstwerkes, noch dieses Unmittelbare, das die Stärke der Fotografie ausmacht. Das ist einfach nur "dekorativ" - gut für ein Cover eben, oder ein Plakat. Das kann aber manchmal durchaus weit über dem stehen, was ein ganze Reihe von "Künstlern" so in den Galerien entsorgen.
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