Joysticks für Flugsimulatoren im Test Übernehmen Sie die Kontrolle

Schöner als mit dem Microsoft Flight Simulator kann man am Schreibtisch kaum in die Luft gehen. Man braucht aber das richtige Equipment. Wir haben Joysticks, Ruderpedale und Gashebel getestet.
Cockpit für Hobbypiloten

Cockpit für Hobbypiloten

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Als ich vor ein paar Wochen die ersten Platzrunden mit Microsofts neuem Flugsimulator drehen konnte, musste ich mein virtuelles Flugzeug noch mit Tastatur und Maus steuern. Das war müßig, lästig und ungenau, sorgte für manchen Absturz und ließ mich die Kontrolle über meine Maschine meist dem digitalen Co-Piloten übergeben. Da kann man zwar immer schön aus den Fenstern gucken, aber wirklich Spaß macht das nicht.

Also habe ich meine Not zur Tugend gemacht und ausprobiert, wie es besser geht, welche unterschiedlichen Möglichkeiten es gibt, im Flight Simulator selbst die Kontrolle zu übernehmen. Acht verschiedene Steuergeräte, manche davon Generalisten, andere Spezialisten, von ziemlich günstig bis ganz schön teuer habe ich ausprobiert. Das Ergebnis ist dieser Bericht.

T.Flight Stick X

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Der T-Flight Stick X ähnelt von seiner Anmutung am ehesten dem, was ich vor Jahren selbst als Joystick benutzt habe: Viel Plastik und ein bisschen Gummi. Allerdings hat dieser hier viel mehr Knöpfe als mein letzter. Insgesamt zwölf Stück plus Schubregler zähle ich. Einer davon ist selbst ein Mini-Joystick, der wegen seiner üblichen Verwendung auch POV - Point of View - genannt wird. Im Flight Simulator eignet er sich gut, um in verschiedene Richtungen zu gucken. Seine Schalter sind dabei allerdings etwas zickig, sodass man ihn sehr exakt in die Richtung drücken muss, in die man schauen will.

Etwas sehr feinfühlig ist auch der Steuerknüppel selbst. Da empfiehlt es sich, in den Controls-Einstellungen des Flugsimulators noch etwas nachzujustieren, damit nicht jeder feine Stupser zum Überschlag des Fliegers führt. Da der Stick auch eine Twist-Funktion hat, also um die senkrechte Achse gedreht werden kann, taugt er auch als leidlicher Ersatz für Ruderpedale.

Fazit: Klar, High End ist das nicht, aber für den Gelegenheitsgamer, der nicht gleich Hunderte Euro ausgeben will, allemal ein guter Einstieg. Insbesondere wenn man den günstigen Preis von unter 40 Euro bedenkt.

TWCS Throttle

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Zu einem guten Simulatorencockpit gehört immer auch eine Schubkontrolle. Die ist wichtig, weil man mit der Motorleistung immer auch Einfluss darauf nimmt, wie ein Flugzeug steigt oder sinkt. Beim TWCS Throttle könnte man meinen, dass es sich dabei um ein einfacheres Modell dieser Gattung handelt und bezogen auf die Grundfunktion stimmt das auch, da es dafür nur einen einzigen Regler gibt. Das bisschen Leistungsregelung könnte man auch am Joystick erledigen. Was dieses Gadget ausmacht, sind aber die neun zusätzlichen Knöpfe, Schalter und Mini-Joysticks.

So hat das TWCS Throttle einen der besten, weil stufenlosen POV-Joysticks, mit dessen Hilfe man sich fast so in seiner virtuellen Umgebung umschauen kann, als würde man seinen Kopf bewegen. Über die vielen anderen Joysticks und Knöpfe lassen sich Funktion von den Landeklappen bis zur Beleuchtung steuern.

Fazit: Mit knapp 80 Euro doppelt so teuer wie der gut dazu passende T-Flight Stick X, aber dank der vielen Möglichkeiten, Funktionen direkt statt über die PC-Tastatur zu steuern, eine feine Sache. Allein die feine Kamerasteuerung des POV-Sticks wäre das Geld wert.

TCA Sidestick Airbus Edition

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Dieser Joystick soll den berühmten Sidestick der Airbus-Jets nachbilden, der seine Bezeichnung daher hat, dass er nicht, wie üblich, mittig angebracht ist, sondern an der Seite. Im realen Flugzeug steuert der Pilot von seinem Sitz links im Cockpit die Maschine daher mit der linken Hand. Genau so ist auch dieser Joystick konstruiert, was mir als gelernten Rechtshänder und ungeübtem Linksflieger die Bedienung zunächst etwas erschwert hat. Glücklicherweise haben die Konstrukteure das vorausgesehen und die Möglichkeit vorgesehen, den Stick in einen Co-Piloten-Modus umzubauen, sodass man ihn rechtshändig bedienen kann.

Nachdem ich das erledigt hatte, ging es ans Probefliegen, natürlich mit dem Airbus A320 Neo. Verglichen mit dem T.Flight Stock X wirkt dieser robuster, scheint einen Hauch exakter zu steuern. Dabei ist er allerdings so sensibel, dass es sich auch hier lohnt, seine Sensitivität in den Einstellungen etwas herunterzuschrauben. Ist das erledigt, ist der Sidestick ein prima Joystick, vor allem, wenn man gern mit den großen Maschinen unterwegs ist, weil sein integrierter Schubregler eine Umkehrschubfunktion hat. Das kennen sie vom Aufheulen der Triebwerke, die nach der Landung zum Bremsen benutzt werden, indem man ihren Schub nach vorn umlenkt.

Fazit: Ein toller Joystick für Hobbypiloten, die gern die dicken Brummer steuern, denn er ist robust, sieht gut aus und setzt dabei jede Bewegung in exakte Steuersignale um. Leider kommt er erst am 18. September in den Handel.

Flight Throttle Quadrant

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Vollgas ist beim Fliegen nur selten die richtige Maßnahme. Viel öfter gilt es, das richtige Maß an Vortrieb für die jeweilige Situation zu finden, je nachdem, ob man gerade startet, landet oder einfach nur geradeaus fliegen will. Der Flight Throttle Quadrant ist genau dafür gemacht und macht die Feinjustierung viel leichter als die kleinen Schubregler, die in manche Joysticks integriert sind.

Dabei hat man die Wahl, ob man etwa bei einer Propellermaschine die drei Schieber benutzt, um Leistung, Kraftstoffmischung und Propellerwinkel zu regeln oder bei einem Airbus nur den linken als Schubregler für die beiden Triebwerke verwendet. Drei eingebaute Kippschalter lassen sich zudem für Aktionen wie das Ausfahren der Landeklappen oder des Fahrwerks nutzen.

Fazit: Ein dedizierter Schubregler darf im ambitionierten Hobbycockpit ncht fehlen und dieser hier macht seinen Job gut. Schade nur, dass er dabei mit seinem einfachen Plastikgehäuse nicht sonderlich wertig aussieht. Wohl wegen des günstigen Preises von knapp 70 Euro ist er derzeit trotzdem schwer zu bekommen.

Titanwolf Vulture

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Der Vulture ist irgendwie eine merkwürdige Mischung. Die Bodenplatte ist aus schwerem Metall, unterlegt von griffigen, nach Fahrradreifen riechenden Gummiplatten. Darauf prangt ein massives Gehäuse aus dickem Plastik, auf dem wiederum der sehr leicht wirkende Joysticks thront. Immerhin: Das Ding steht bombenfest auf dem Tisch.

Im Flight Simulator merkt man dann aber auch gleich, dass der Vulture offenbar eher in anderen Spielen zu Hause ist, denn es gibt keine voreingestellte Konfiguration. Man muss also alle Tasten selbst belegen. Das macht zwar etwas Mühe, aber es lohnt sich. Vor allem, weil man dabei gleich auswendig lernen kann, welcher Schalter welche Funktion hat, denn alle lassen sich dreifach belegen. Damit stehen fünf Knöpfe, zwei Mini-Joysticks in drei Varianten sowie ein Schubregler bereit.

Beim Fliegen selbst zeigt sich der Vulture als sehr feinfühlig, setzt jede Bewegung direkt in eine Aktion um. Viel Kraft braucht man da nicht. Als Bassist würde ich sagen: Ein Joystick für Gitarristen.

Fazit: Auch wenn es etwas Mühe macht, ihn mit Funktionen zu belegen: Der Titanwolf Vulture lohnt sich. Er ermöglicht eine sehr feinfühlige Steuerung und hat genug Schalter, dass man ihn gut auch als Stand-alone-Steuerknüppel, ohne weitere Steuergeräte benutzen kann.

Honeycomb Alpha Flight Controls

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Honeycomb Alpha Flight Controls

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Während wohl die meisten Simulatorpiloten Joysticks als Steuerknüppel benutzen, steuern die meisten echten Piloten ihre Flugzeuge eher mit einem Steuerhorn, auf Englisch Yoke genannt. Dieser hier zeichnet sich durch seine robuste Konstruktion und das realistische Feeling aus - und durch 30 Funktionstasten, die den Griff zur Tastatur meist überflüssig machen. Ein klein wenig überflüssig finde ich persönlich auch die regelbare rote Beleuchtung, aber die kann man ja abschalten.

Der einzige Nachteil, den ich an der Alpha Flight Control für mich sehe, ist, dass man sie entweder mit zwei mitgelieferten Mini-Schraubzwingen oder mit einem ungeheuer anhänglichen Saugfuß am Tisch befestigt. Da der Saugfuß dazu neigt, den Lack von meinem Tisch zu ziehen und mein Tisch auch mein Homeoffice ist, muss ich vor jedem Flug erst umständlich den Yoke aufbauen. Immerhin: Die langen Ladezeiten des Microsoft Flight Simulator lassen sich so sinnvoll nutzen.

Fazit: Besser geht es - zumindest in dieser Preisklasse - derzeit wohl nicht. Dass ich mit dieser Meinung nicht allein bin, zeigt sich auch daran, dass dieser Joystick trotz eines Preises von knapp 250 Euro bis Oktober ausverkauft ist.

Hotas Warthog

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Hotas Warthog

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Da hat man was in der Hand, könnte man sagen. Dieses Set aus Steuerknüppel und Schubregler braucht keine Klemmen, um stabil auf dem Tisch zu stehen. Mit 3,7 Kilo beim Joystick und 4,6 Kilo bei der Schubeinheit sorgt schon die Gravitation für sicheren Stand. Beide Geräte stecken in robusten Stahlgehäusen, machen den Eindruck, als könnte man sie so direkt in einem Kampfflugzeug einbauen.

Das ist wohl auch so gewollt, denn eigentlich richtet sich dieses Pärchen an Hobby-Kampfpiloten, ist es doch der Steuereinheit eines A-10-Bodenkampfjets nachgebildet. Im zivilen Flight Simulator allerdings, können sie auch ohne simulierte Waffen glänzen. Vor allem der ungeheuer genau und ruhig agierende Joystick hat es mir angetan. Mit ihm habe ich meine persönliche Bestleistung beim kniffligen Landewettbewerb auf dem französischen Bergflugplatz Courchevel erreicht.

Die Schubeinheit steht dem kaum nach. Allerdings weniger wegen des Schubreglers, sondern aufgrund der vielen Schalter und Knöpfe, die auch noch grün leuchten, sobald sie am USB-Port hängen. In Kombination mit dem Joystick hat man mehr als 50 Funktionen im Schnellzugriff. Tastatur adé.

Fazit: Einen besseren Joystick kann ich mir kaum vorstellen. Aber auch keinen teureren. Als Bundle kosten die beiden Geräte knapp 500 Euro, einzeln steht der Hotas Flighstick mit 250 Euro in der Preisliste. Das lohnt sich nur, wenn man es mit dem Flusi ernst meint. Aber dann lohnt es sich wirklich.

Pendular Rudder

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Im Grunde kann man das Seitenruder eines Simulatorflugzeugs mit einem Joystick wie den beiden ganz oben genannten auch durch Drehen des Sticks bedienen. Wenn man aber richtig in die Simulation einsteigen will, kommt man nicht an einem Paar Ruderpedal vorbei. Die Auswahl ist nicht groß, aber ab knapp 100 Euro bekommt man brauchbare Geräte. Das TPR Pendular Rudder ist dagegen schon die Königsklasse - und präsentiert sich auch so.

Das riesige Gehäuse mit seiner aufwendigen Mechanik unterbindet zumindest unter meinem Schreibtisch jeden Versuch, die Füße auszustrecken. Dafür gibt es an der aufwendig verarbeiteten Konstruktion diverse Möglichkeiten, Zugkräfte und Winkel so einzustellen, wie man es mag. Und ist das erledigt, mag man auf diese Pedale nicht mehr verzichten, weil sie dem Realismus den letzten Kick geben.

Fazit: An diesen Pedalen gibt es eigentlich nur eine Sache, die man kritisieren kann und muss: den Listenpreis von knapp 500 Euro. Das mag Außenstehenden irre erscheinen, aber wenn man sich ernsthaft und langfristig mit Flugsimulationen beschäftigen will, ist das gut angelegtes Geld.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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