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19. September 2012, 16:01 Uhr

Photokina-Neuheiten

Das ist die kleinste Nikon-Kamera aller Zeiten

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Kreative Kuriositäten: Nikon zeigt auf der Kölner Fotomesse eine 96 Gramm leichte Kamera mit Zoom-Objektiv, das Impossible Project einen Foto-Analogisierer und Fujifilm eine Sofortbildkamera. Außerdem im Überblick: eine goldene Kamera von Hasselblad.

Natürlich sind am Photokina-Stand des japanischen Foto-Konzerns Fujifilm neue Digitalkameras ausgestellt. Männer in beigen Westen mit vielen Taschen und Herren in dunklen Anzügen drängen sich vorne bei den neuen Systemkameras und Objektiven. Doch ein paar Schritte weiter, vorbei an einer Vitrine mit einem Hochzeitskleid steht in einer Ecke die analoge Gegenwart. Eine neue Fuji-Kamera, die Filmchemie statt Sensoren belichtet. Die Filmkamera sieht etwas anders aus als der Digitalkram vorne: Wulstig ist das Gehäuse, viel kurviges Plastik in Gelb, hellblau, rosa, weiß und schwarz.

Fujifilm Instax 8 - Sofortbilder im Querformat

Das ist die Instax 8, Fujifilms neue Sofortbildkamera, die erste seit Jahren. Sie belichtet eine Film-Entwickler-Einheit und spuckt nach wenigen Minuten fertig entwickelte Originale aus, wie Polaroid-Kameras vor Jahren. Ständig probiert jemand am Stand die Instax 8 aus, eine Gruppe niederländischer Geschäftsleute in anthrazitfarbenen Anzügen stellt sich zum Foto auf, sie lachen ganz natürlich - vielleicht, weil ihr Kollege mit einer rosafarbenen Instax fotografiert.

Im Oktober soll die neue Instax in Deutschland erhältlich sein. Sie ist leichter als die Vorgängermodelle (310 Gramm), die Filmkassetten sind dieselben. Die Fotos sind in etwa so groß wie Kreditkarten - 6,2 mal 4,6 Zentimeter. Wie Polaroids haben sie einen weißen Rand, allerdings wirken sie wegen des Querformats nicht klassisch-elegant, eher wie ein nettes Party-Gimick.

Die neue Instax wird wohl knapp 80 Euro kosten, Instax-Filme mit 10 Aufnahmen gibt es im Handel für etwa 10 Euro.

Impossible FPU - Sofortbild-Originale vom iPhone

Die Sofortbilder der Firma Impossible Project sehen Polaroids viel ähnlicher als die Instax-Aufnahmen: klassisch-quadratisch mit einem unten etwas breiteren Rahmen. Kein Wunder: Impossible Project hat 2008 eine verlassene Polaroid-Filmfabrik in den Niederlanden übernommen, produziert dort eigene Sofortbildfilme. Auf der Photokina zeigt das Unternehmen sein neues Entwicklungsmodul, eine völlig neue Technik für Sofortbilder.

Die Firma entwickelt nun auch neue Sofortbildkameras für ihre Filmtechnik. Auf der Photokina war ein funktionierender Prototyp des Impossible Instant Lab zu sehen. Das ist so etwas wie ein mobiles Fotostudio zum Entwickeln von iPhone-Fotos. Das Funktionsprinzip ist genial einfach: Das Lab ist nicht anders als eine Kamera, die den Bildschirm eines iPhones dank passgenauer Auflage und exakt festgelegter Distanz in gleichbleibender Qualität abfotografiert. Was immer man mit der Smartphone-Kamera aufgenommen hat, kann man - sofern es in voller Größe auf dem Display zu sehen ist - in ein analoges Original verwandeln.

Der Verzicht auf komplizierte Datenübertragung per Bluetooth oder W-Lan macht das Verfahren einfach, das spart Strom und vermeidet zusätzliche störungsanfällige Technik. Vor allem aber wird durchs Abfotografieren auf Film aus dem Digitalbild ein analoges Original. Statt mit Instagram-Filtern die immer gleichen Störungen, Kratzer und Belichtungsfehler einzurechnen, lässt man das Sofortbild den Lichteinfall interpretieren. Jede Belichtung desselben Motivs auf dem Analogmaterial wird sich leicht von der vorherigen unterscheiden.

Anfang 2013 soll das iPhone-Studio erhältlich sein, zeitgleich mit einer neuen Sofortbildkamera. Impossible Project will die neue Filmtechnik auch anderen Herstellern zur Verfügung stellen. Die Geschäftslogik dabei: Je mehr Kameras im Einsatz sind, umso größer sind die Absatzchancen für das neue Filmmaterial. Das Unternehmen ist nach Angaben des Geschäftsführers Florian Kaps zwar seit Jahren profitabel. Allerdings muss die Firma etwa eine Million Sofortbildfilme jährliche verkaufen, um mittelfristig bestehen zu können, sagt Kaps. Lieferanten könnten bestimmte Produkte zum Beispiel nur bei einem gewissen Mindestabsatz kontinuierlich anbieten.

500.000 Filme hat die Firma 2011 verkauft, 750.000 sollen es 2012 sein. Gekauft wird das Material vor allem von jungen, designinteressierten Menschen zwischen 18 und 35 - diese Zielgruppe hätte jeder Digitalkamera-Hersteller gerne.

Hasselblad Lunar - die goldene Kamera

Der schwedische Kamerahersteller Hasselblad konstruierte sein Mittelformat-Kameras in den vergangenen Jahren fast ausschließlich für Profi-Fotografen in Mode und Werbung. Nun will das Unternehmen, das inzwischen einer Investmentfirma gehört, auch kompakte und spiegellose Systemkameras verkaufen. Die Technik liefert der neue Partner Sony.

Das erste Hasselblad-Modell soll Anfang 2013 in den Handel kommen, mehr als 5000 Euro soll die Systemkamera Lunar kosten. Nach den bislang bekannten Details wird es sich dabei wohl um eine leicht erweiterte Sony Nex-7 handeln. Die von Hasselblad vorgestellten Details zu Sensor, Prozessor und Bajonett der Lunar sind jedenfalls identisch mit denen der Sony Nex-7. Das Gehäuse der Sony-Kamera kostet derzeit knapp 1000 Euro. Warum der Preisaufschlag von gut 4000 Euro? Auf dem Kameragehäuse wird Hasselblad stehen, zudem sollen bei verschiedenen Gehäusevarianten Gold und Holz verarbeitet werden. Das klingt so merkwürdig, dass sich vielleicht genügend vermögende Käufer dafür finden.

Nikons Kamera-Zwerg

Die Coolpix S01 ist die wohl kleinste Nikon-Kamera bislang. Man könnte sie als Schlüsselanhänger benutzen, die Fläche ist etwa so groß wie die einer Kreditkarte. Es ist ein Vergnügen, diese kleine Kamera in der Hand zu halten, damit zu zoomen, auf dem Touchscreen herumzuspielen. Trotz der geringen Maße wirkt sie nicht billig, die Lackierung ist aufwendig, das Display ganz ordentlich. Die Bedienung ist denkbar einfach: Auslösen mit dem Auslöser, Zoom mit dem Zoom-Schalter, den Rest erledigt die Automatik, Fotosammlungen durchblättern und Aufnahmen mit Filtern bearbeiten kann man per Touchscreen.

Technisch ist die 96 Gramm leichte Kamera der eines aktuellen iPhones leicht überlegen: Das Objektiv ist ein optischer Dreifach-Zoom mit einer Brennweite von 29 bis 87 mm (kleinbild-äquivalent) - leichtes Weitwinkel, aber auch Porträt-Standardbrennweite also. Bei Smartphone-Kameras hat man nur einen Digitalzoom zur Verfügung, der weit schlechtere Qualität liefert.

Bei der Lichtstärke (f/3) und Sensorgröße (1/2,9 Zoll CCD) ist der Nikon-Zwerg jeder Kompaktkamera unterlegen, der Sensor ist nur wenige Quadratmillimeter größer als der eines aktuellen iPhones (1/3,2 Zoll). Wie gut die Aufnahmen der Coolpix S01 sind, müssen Tests zeigen. Die Kamera dürfte aber nur tauglich für Tageslicht sein. Sie speichert ausschließlich JPGs auf dem mit 7,3 Gigabyte großzügig bemessenen Speicher und kann auch mit HD-Auflösung (720p) filmen. Ende September kommt die Kamera in den Handel. 169 Euro empfiehlt Nikon als Verkaufspreis, die Kamera dürfte bald weniger kosten. Für 150 Euro könnte der Nikon-Zwerg einige Fans unter Nicht- oder Smartphone-Fotografen gewinnen.

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