Kindle Oasis im Test Das Ding braucht mehr Luft!

Toller Bildschirm, reichlich Platz für Bücher, einfach zu bedienen und superleicht - beim Kindle Oasis scheint fast alles zu stimmen. Leider ist er teuer und nicht sonderlich ausdauernd. Der Test.

Matthias Kremp

Von


Als der neue Kindle Oasis geliefert wurde, war ich zuerst enttäuscht: So eine mickrige Schachtel für einen so teuren E-Reader? Aber im Grunde macht es Amazon natürlich genau richtig so. Ein Kindle, der so flach ist wie der Oasis - 3,4 Millimeter an der dünnsten Stelle -, braucht eben nur eine sehr kleine Verpackung. Das spart Ressourcen und tut der Umwelt gut.

Sparsam geht es auch beim Gewicht zu: Der neue Highend-Kindle wiegt kaum mehr als 130 Gramm. Das macht den Umgang mit ihm extrem angenehm. Das bisschen Gewicht fällt kaum zur Last, man kann ihn auch über längere Etappen bequem in der Hand halten. Während andere E-Reader so viel wiegen wie ein Taschenbuch, bringt er es gerade mal auf das Gewicht eines Groschenromans.

Besonders angenehm ist mir beim Lesen aufgefallen, dass die Sensoren des Oasis sofort erkennen, wenn man umgreift, den Kindle von der rechten in die linke Hand wechselt und ihn dabei umdreht. Quasi verzögerungsfrei wird dabei der Bildschirminhalt gedreht. Gleichzeitig ändert sich auch die Funktion der beiden Umblätter-Tasten, sodass die obere immer zum Vorwärtsblättern, die untere zum Zurückblättern dient. Statt die Tasten zu drücken kann man freilich auch auf den Touchscreen tippen.

Ohnehin reagiert der Touchscreen sehr schnell und ermöglicht, etwa wenn man eine Anmerkung zu einer Textstelle festhalten oder ein WLAN-Passwort eingeben will, eine vergleichsweise schnelle Texteingabe. E-Mails möchte man damit nicht unbedingt schreiben, aber für kurze Notizen reicht das schon.

Ein Display wie bedrucktes Papier

Das Display ist prima. Mit einer Auflösung von 300 ppi (Pixel pro Zoll) zeigt es Schrift ebenso fein gezeichnet an, wie sie von vielen Laserdruckern auf Papier gedruckt wird. Pixeltreppen sieht man hier nicht, alles wirkt gestochen scharf. Auf einer Bahnfahrt zeigte sich, wie gut der Bildschirm bei Sonnen licht funktioniert: Knallte die Frühlingssonne ungehindert durch die Fenster, waren Text auch ohne Beleuchtung bestens lesbar. Mit einem Tablet-Computer würde das wegen dessen anderer Display-Technik nicht funktionieren. Schade: Anders als beim Kindle Voyage wird die Bildschirmbeleuchtung in solchen Fällen nicht automatisch abgeschaltet, um Strom zu sparen. Man sieht sie bei hellem Umgebungslicht nur nicht mehr.

All das funktioniert gut, aber eben auch fast genauso wie beim Kindle Paperwhite. Das Display nämlich ist bei beiden E-Readern dasselbe. Mit einem feinen Unterschied: Die Beleuchtung besteht beim Oasis aus mehr LEDs als beim Paperwhite. Zehn statt sechs Lämpchen sorgen hier für Helligkeit. So soll eine gleichmäßigere Ausleuchtung des Bildschirms erreicht werden. Besonders groß schien mir der Unterschied allerdings nicht.

Akkuwarnung nach sechs Tagen

Die mitgelieferte Ladehülle sollte man auf Reisen lieber mitnehmen. Denn so sparsam die Technik des Oasis auch sein mag, mit dem winzigen Akku, den Amazon einbaut, um das Gerät so dünn und leicht bauen zu können, kommt man nicht weit. Bei meinem Test jedenfalls meldete der kleine Kindle schon nach sechs Tagen, dass ihm die Energie ausgeht. Und das, obwohl ich ihn eher maßvoll genutzt habe, insgesamt auf vielleicht gerade mal fünf Stunden Lesezeit gekommen bin.

Immerhin: Über den viel größeren Akku der Ladehülle ließ sich der Oasis schnell wieder voll aufladen. Mit der Kombination aus Ladehülle und eingebautem Akku sollte man also durchaus auf mehrere Wochen Laufzeit kommen. Dass man mit dem schlanken Reader "monatelang" lesen kann, wie Amazon wirbt, bezweifle ich jedoch.

Fazit

Der Kindle Oasis ist ein toller E-Book-Reader. Er ist angenehm leicht und faszinierend schlank. Sein beleuchteter E-Ink-Bildschirm ist so scharf und ruhig, dass man darauf stundenlang lesen kann, ohne dass die Augen dabei ermüden.

In Verbindung mit der Ladehülle ist auch die Akkulaufzeit recht gut. Überhaupt nicht gut ist dagegen der Preis: 290 Euro kostet das Modell mit WLAN, 350 die Version mit WLAN und Mobilfunkanbindung. Dafür bekommt man fast schon drei Kindle Paperwhite, deren Display nicht viel schlechter ist. Sogar das bisherige Topmodell, der Kindle Voyage, kostet einen Hunderter weniger. Das sind zwei Euro, die man pro Gramm Mehrgewicht gegenüber dem Oasis spart.

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Fassung dieses Textes war von einer automatischen Regelung der Bildschirmbeleuchtung die Rede. Tatsächlich gibt es eine solche Automatik beim Oasis nicht. Wir haben uns davon täuschen lassen, dass bei der Nutzung bei Tageslicht der Eindruck entsteht, die Beleuchtung würde ausgeschaltet, wenn die Sonne auf das Display scheint. Wir haben den Text entsprechend korrigiert.

Vorteile und Nachteile

Sehr dünn und leicht

Sehr guter Bildschirm

Speicher für Tausende Bücher

Ladehülle wir mitgeliefert

Sehr teuer

Akkulaufzeit



insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
twister13 07.05.2016
1. Dasselbe, das gleiche
Zitat: "Das Display nämlich ist bei beiden E-Readern dasselbe." Darf ich daraus schliessen, dass sich die beiden Reader ein Display teilen? Oder habe sie das gleiche Display. Ich glaube in der Journalistenschule lernt man sowas.
alex300 07.05.2016
2. Alles gut und schön, aber wozu?
Ein gemeines Android-Tablet für €100 tut das alles genauso gut und kann nicht nur um Bücher zu lesen benutzt werden. Die Laufzeiten von 10 Stunden und mehr sind inzwischen Standard.
bruno15 07.05.2016
3. Warum und wozu?
Diese Frage ist in unserer Zeit doch völlig überflüssig. Es gibt ja auch Leute die kaufen sich einen Eierkocher oder eine Popcornmaschine. Jeder wie er es braucht.
josifi 07.05.2016
4.
Zitat von alex300Ein gemeines Android-Tablet für €100 tut das alles genauso gut und kann nicht nur um Bücher zu lesen benutzt werden. Die Laufzeiten von 10 Stunden und mehr sind inzwischen Standard.
Sie hatten noch keinen E-Book-Reader, oder? Sonst wäre Ihnen der Unterschied klar.
flups 07.05.2016
5. Automatische Helligkeitsregelung?
Weder der Kindle Oasis noch der Kindle Paperwhite verfügen über eine automatische Helligkeitsregelung. Welches Gerät wurde den da getestet?
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