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28. Juli 2014, 15:51 Uhr

Knopf im Ohr adé

Acht anschmiegsame Kopfhörer im Vergleichstest

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Schluss mit dem Kleinkram! Statt mit winzigen In-Ear-Headsets hören immer mehr Menschen Musik und Hörbücher unterwegs mit komfortablen On-Ear- und Over-Ear-Kopfhörern. Wir haben acht Modelle zwischen 100 und 400 Euro getestet.

Bowers & Wilkins P7

Der P7 wirkt auch mit großen Lautstärken bei weitem nicht überfordert. Die Bässe kommen kräftig, aber nicht überbetont und immer knochentrocken ans Ohr. Der Rest des Frequenzspektrums ist ausgewogen, nur die oberen Höhen können etwas spitz werden, wenn das zugespielte Klangmaterial nicht von bester Qualität ist. Etwa bei als MP3 digitalisierten Schallplatten. Ansonsten macht ihm klanglich keiner etwas vor.

Auch mechanisch ist der P7 vom Feinsten. Die Konstruktion besteht überwiegend aus verchromten Stahlstreben und weichem Leder. Das sieht edel aus und ist stabil. Trotzdem ist er sehr leicht und extrem verwindungssteif. Eine Besonderheit sind die magnetisch verriegelten Ohrmuscheln. Die lassen sich leicht abnehmen, um darunter das Kopfhörerkabel auszuwechseln (siehe Fotostrecke). Zwei Kabel, eins mit und eins ohne iPhone-Fernbedienung, werden mitgeliefert. Bei den übrigen hier vorgestellten Kopfhörern ist stets nur ein Kabel mit Fernbedienung verbaut.

Fazit: Der beste Kopfhörer im Vergleich. Leider auch der teuerste.

Straßenpreis ab: 399 Euro

Samsung Level Over

Das Top-Modell von Samsung kommt dem B&W P7 sehr nah, liefert ebenfalls einen ausgewogenen Klang ohne Überbetonungen. Auch die Bässe sind klar definiert, klingen angenehm, ohne aufdringlich zu sein. Ganz so prägnant wie beim P7 dringen sie aber nicht ins Ohr. Insgesamt erreicht der Level Over ein hohes Klangniveau, ist aber nicht ganz so souverän wie der P7.

Dafür hat er technische Gimmicks, die dem B&W-Kopfhörer fehlen. Zum Beispiel kann man ihn nicht nur per Kabel, sondern auch kabellos via Bluetooth mit Smartphone, Tablet oder Computer koppeln. Originell ist die Möglichkeit, die Musik fernzusteuern, indem man mit den Fingern über die glatten Außenflächen der Ohrmuscheln wischt. Mit Auf-und-ab-Gesten regelt man die Lautstärke, indem man nach links und rechts wischt, spult man Titel vor oder zurück. Der mechanische Aufbau ist makellos, das weiche Leder sitzt gut am Kopf, wird aber schnell warm. Über das Design kann man streiten.

Fazit: Klingt besser als er aussieht.

Straßenpreis ab: ca. 225 Euro

Beats by Dr. Dre Solo 2

Der Solo 2 bestätigt einmal mehr die verbreitete Annahme, Beats-Kopfhörer seien basslastig. Das ist er aber auf bemerkenswert angenehme und keineswegs aufdringliche Weise. In den mittleren Bässen und Tiefmitten neigt er zu einem leichten Wummern.

Andere Vorurteile widerlegt der Solo 2 erfreulicherweise. So versteht er sich durchaus gut darauf, auch Mitten wiederzugeben. Die sehr dominante Basslinie in "Camaro" von den Kings of Leon präsentiert er jedenfalls inklusive der prägenden Charakteristik des Mikrofons, das bei der Aufnahme vor der Bassbox gestanden hat. Verglichen mit dem Beats mixr, den ich vor kurzem getestet habe, ist er weniger laut und druckvoll und damit deutlich besser für den Alltag jenseits von DJ-Pulten geeignet.

Fazit: Guter Allroundkopfhörer, der in den Tiefmitten mehr Definition vertragen könnte.

Straßenpreis ab: ca. 189 Euro

Bose SoundTrue

Der Bose-Kopfhörer produziert über das gesamte Frequenzspektrum einen sehr feinen, ausgewogenen Klang. Bässe und Höhen sind gut aufeinander abgestimmt, Mitten sind vorhanden, nur im oberen Mittenbereich fehlt ein wenig Präsenz. Die Klangcharakteristik ist eher warm. Drückende Bässe darf man hier nicht erwarten.

Dafür übt der SoundTrue aber auch physisch wenig Druck auf die Ohren aus. Die extrem leichte Konstruktion aus dünnen Metallschienen und Plastik sorgt dafür, dass der Bose-Kopfhörer auch bei längerer Nutzung nicht störend drückt.

Fazit: Ausgesprochen anschmiegsamer, warm klingender Kopfhörer.

Straßenpreis ab: ca. 166 Euro

Jabra Revo Wireless

Der Jabra produziert trotz seiner vergleichsweise zierlichen Form eine ganze Menge Bässe und neigt dabei ebenso zu einem leichten Dröhnen in den Tiefmitten wie der Solo 2. In den Höhen und Mitten ist er aber präsenter als der Beats-Kopfhörer, klingt dadurch etwas offener. Ihm liegen gitarrenlastige Musik und Filme eher als Hip-Hop.

Design und Aufbau gefallen mir gut, der Jabra liegt angenehm auf den Ohren, der Kopfbügel ist dünn, leicht und nahm Versuche, ihn zu verbiegen, stoisch und schadlos hin. Sehr positiv ist das mit Textil umwickelte Anschlusskabel, das man aber gar nicht unbedingt braucht, weil der Jabra auch Bluetooth beherrscht.

Fazit: Sehr guter Mittelklasseklang, stabil und technisch ausgereift.

Straßenpreis ab: ca. 139 Euro

Samsung Level On

Der Level On ist vom Design dem Level Over insofern ähnlich, als er dieselben berührungsempfindlichen Oberflächen zur Gestensteuerung aufweist. Statt in Weiß und Braun sind sie allerdings schlicht schwarz gehalten.

Die große Überraschung kommt beim Hören: Der Level On produziert einen deutlich kräftigeren Bass als sein großes Gegenstück, der Level Over. Zwar neigt er im Bereich zwischen 200 und 400 Hertz zu kleinen Ungenauigkeiten, entwickelt insgesamt aber ein ausgeglicheneres Klangbild als die Konkurrenz aus dem eigenen Haus. Auf die Bluetooth-Funktion des Level Over muss man hier verzichten.

Fazit: Die günstigeren und trotzdem besseren Kopfhörer von Samsung.

Straßenpreis ab: ca. 126 Euro

Marshall Monitor

Beim Monitor hat die britische Firma Marshall das Design ihrer legendären Gitarrenverstärker auf einen Kopfhörer übertragen und das auch in Details durchgehalten. So sieht das Anschlusskabel aus wie die Mini-Version eines altmodisches Gitarrenkabels. Abgesehen davon lässt er sich wirklich sehr klein zusammenfalten.

Ähnlich wie die alten Röhrenverstärker klingt der Marshall-Kopfhörer etwas muffig, könnte etwas mehr Spritzigkeit in den Höhen gebrauchen. Umgekehrt sorgt diese Charakteristik dafür, dass er vergleichsweise weich klingt, die Ohren auch nach Stunden nicht nervt. Die Bässe kommen dabei klar aber nicht drückend an die Ohren. Dieser Kopfhörer ist Rock'n Roll und nicht Hip-Hop.

Ein charmantes Extra: Der Kopfhörer hat zwei Anschlüsse. Über die zweite Buchse kann man die Musik, die man hört, an einen Mithörer weitergeben.

Fazit: Die Antithese zum Beats-by-Dr.-Dre-Sound.

Straßenpreis ab: ca. 120 Euro

House of Marley Rise up

Bob-Marley-Sohn Rohan Anthony Marley produziert mit seiner Firma ein stattliches Sortiment an umweltfreundlich gestalteten Schallwandlern im Reggae-Look. So auch diesen Kopfhörer. Das Design passt besser zu Baggy Jeans als zu Schlips und Kragen und hebt sich wohltuend vom Plastikschick vieler Konkurrenten ab. Schade, dass das Anschlusskabel fest verbunden ist. Ein Kabelbruch bedeutet damit fast sicher auch das Ende des Kopfhörers.

Der Klang ist dem des Marshall-Kopfhörers ähnlich, im Bereich der Mitten und oberen Mitten hat er eine deutliche Tendenz zur Muffigkeit, die ihn manchmal etwas nach Kofferradio klingen lässt. Dafür macht er mehr Dampf im Tieftonbereich.

Ein Manko ist die geringe Länge der Kopfbügel. Selbst voll ausgefahren reichen sie bei Menschen mit großem Kopf oder üppigen Haaren gerade mal, um die Hörmuscheln knapp über die Ohren zu legen.

Fazit: Sehr stylisch mit ordentlichen Bässen aber Schwächen im Mittenbereich.

Straßenpreis ab: ca. 105 Euro

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