Fotokünstler Felix Hernández Miniatur-Kriegskunst mit Photoshop

Der mexikanische Künstler Felix Hernández ist fasziniert vom Ersten Weltkrieg. Mit Photoshop hat er seine Vorstellung vom Kriegsgeschehen en miniature umgesetzt.

Soldatenbild von Hernández: Was geht im Kopf des französischen Soldaten vor?
Michael J. Hußmann/ DOCMA

Soldatenbild von Hernández: Was geht im Kopf des französischen Soldaten vor?

Von "DOCMA"-Autor Michael J. Hußmann


Er hätte keinerlei kriegerische Neigungen, betont der 41-jährige Felix Hernández, die sein Interesse an den beiden Weltkriegen erklären würden. Vielmehr sei es die Macht der vom Kriegsgeschehen evozierten Bilder, die ihn fasziniere und zu der Serie "Troopers", darunter das hier gezeigte Motiv "The Last Man", inspiriert hätte. Hernández, geboren in Mexico City, lebt und arbeitet in der mexikanischen Küstenstadt Cancún, weitab von den einstigen Kriegsschauplätzen. Aus dem Ersten Weltkrieg hatte sich Mexiko trotz deutschen Werbens herausgehalten; im Zweiten Weltkrieg erklärte es den Achsenmächten den Krieg, was aber wenig konkrete Auswirkungen hatte.

Geeignete Requisiten wie Uniformteile und Waffen waren allerdings schwer zu beschaffen, und so entschloss sich Hernández, die ihm vorschwebenden Szenen en miniature aufzubauen. Er fand Figuren von Soldaten der verschiedenen Armeen, die einen für seine Zwecke adäquaten Detailreichtum boten, zumal er sie nur von hinten zeigen wollte und ihr Gesicht daher nicht zu sehen sein würde.

Die Mini-Soldaten, die Felix Hernández für seine Serie von Bildern zum Thema des Ersten Weltkriegs fand, waren in Versionen verschiedener Armeen erhältlich. Hier ist ein deutscher Soldat abgebildet
Felix Hernández/ DOCMA

Die Mini-Soldaten, die Felix Hernández für seine Serie von Bildern zum Thema des Ersten Weltkriegs fand, waren in Versionen verschiedener Armeen erhältlich. Hier ist ein deutscher Soldat abgebildet

Die Miniatursoldaten musste Hernández nun fast bildfüllend aufnehmen. Der dazu nötige große Abbildungsmaßstab geht mit einer geringen Schärfentiefe einher, gleichgültig ob man mit einer kurzen Brennweite nahe herangeht oder mit einer langen Brennweite aus größerer Distanz fotografiert. Die knapp bemessene Schärfenzone ist für Makroaufnahmen charakteristisch - darauf beruht der populäre Miniatureffekt, der eine künstlich verringerte Schärfentiefe benutzt, um eine reale Szene normaler Größe wie ein verkleinertes Modell erscheinen zu lassen. Hier dagegen war der gegenteilige Effekt gefragt, also eine Miniatur so zu fotografieren, dass sie wie das ausgewachsene Original aussieht.

Der Aufbau im Studio: Die Figur des Soldaten wird vor einem weißen Hintergrund mehrfach aufgenommen und die Fokussierung des Makro-Objektivs dabei in kleinen Schritten verändert
Michael J. Hußmann/ DOCMA

Der Aufbau im Studio: Die Figur des Soldaten wird vor einem weißen Hintergrund mehrfach aufgenommen und die Fokussierung des Makro-Objektivs dabei in kleinen Schritten verändert

Abblenden war in diesem Fall nicht die Methode der Wahl, denn abgesehen davon, dass selbst die kleinste verfügbare Blende noch nicht die benötigte Schärfentiefe produziert hätte, würde das Bild unter der Beugungsunschärfe leiden. Felix Hernández setzte deshalb auf ein Focus Stacking, also die Kombination einer Reihe von Aufnahmen mit leicht verschobenem Fokus. Indem man die jeweils schärfsten Bereiche der Einzelbilder zu einem Gesamtbild kombiniert, erhält man eine Abbildung mit vergrößerter Schärfentiefe.

Photoshop bietet alle nötigen Funktionen für ein automatisches Focus Stacking der in Ebenen geladenen Einzelbilder, und zwar "Bearbeiten > Ebenen automatisch ausrichten" und "Bearbeiten > Ebenen automatisch überblenden". Da Felix Hernández die Umgebung, in der die Soldaten stehen, ohnehin in Photoshop hinzufügen wollte, hat er die Soldaten-Figuren vor einem weißen, von zwei Lichtquellen gleichmäßig ausgeleuchteten Hintergrund fotografiert; eine dritte Lichtquelle modelliert die Figur selbst.

"The Last Man" soll einen französischen Soldaten zeigen, den letzten Überlebenden seiner Einheit, wie er kurz zögert, einen düsteren Wald zu betreten und sich den darin möglicherweise lauernden Gefahren zu stellen. In der "DOCMA" 66 beschreibt Felix Hernández, welche Schritte von der Aufnahme bis zum abschließenden Color Grading zu diesem Ergebnis führten.

1 Aufnahme

Für eine maximal scharfe Aufnahme der gesamten Figur waren 25 Einzelbilder mit leicht verschobenem Fokus nötig, von denen ich hier neun zeige.

2 Stacking

Alle 25 Bilder lud ich als Ebenen in Photoshop, ließ sie automatisch ausrichten und überblenden. Die Schärfezone umfasste nun von vorne bis hinten alle Details.

3 Elemente des Compositings

Dank des einheitlich weißen Hintergrunds erforderte die Freistellung meines Hauptmotivs wenig mehr als das Anwenden des "Schnellauswahlwerkzeugs". Ich nutzte dafür eine Maske, die ich bei Bedarf später noch verfeinern konnte. Für den Hintergrund habe ich geeignete Stockfotos herausgesucht. Wenn die in der Montage verarbeiteten Elemente lediglich eine Stimmung erzeugen sollen und im fertigen Bild nicht als Motiv wiedererkennbar sind, greife ich gerne auch auf fremde Bilder zurück.

4 Hintergrund

Ich fügte nun einen passenden Hintergrund hinzu, wobei die Beleuchtung hinsichtlich des Winkels und Charakters des Lichts passen musste. Vorder- und Hintergrund glich ich dann noch durch Masken und Verläufe besser aneinander an.

5 Integration

Um Vorder- und Hintergrund miteinander zu verbinden, ergänzte ich das Bild um mehrere Ebenen mit Aufnahmen von Wolken und Rauch. Ebenenmasken dienten dazu, den Rauch an all jenen Stellen auszublenden, an denen ich eine freie Sicht auf mein Hauptmotiv brauchte.

6 Bäume

Die hinter der Figur des Soldaten eingefügten Bäume sowie weitere Bilder von Staubwolken verliehen dem Bild mehr Tiefe, womit die Montage der Elemente abgeschlossen war.

7 Color Grading

Das Color Grading ist immer der letzte Schritt bei meinen Bildern. Hierzu gibt es verschiedene Methoden; in diesem Fall probierte ich zunächst im Plug-in Nik Color Efex Pro verschieden Farblooks aus, arbeitete dann in Photoshop mit Einstellungsebenen für eine "Tonwertkorrektur" und "Gradationskurven" und nahm kleinere Farbkorrekturen vor, bis das Ergebnis meinen Vorstellungen entsprach.

Zur Person
    Felix Hernández ist von seiner Ausbildung her Grafikdesigner. Zur kommerziellen Fotografie kam er erst vor acht Jahren, und er sieht sie weniger als eigenständiges Medium denn als eines der Mittel an, die er als Digital Artist einsetzt, um seine Ideen und Träume lebendig zu machen. Er versucht, immer neue Ideen auszuprobieren, die dann auch die Umsetzung seiner kommerziellen Aufträge befruchten können. Hernández' Kreativagentur Matatema arbeitet für Kunden in aller Welt. Vor allem aber in den USA und Mexiko, aus Bereichen wie Krankenhäuser, Schulen, Restaurants und Sportartikelhersteller.
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Seite 1
whocaresbutyou 20.09.2015
1. hmmm...
... ?
Abel Frühstück 20.09.2015
2.
Puppe von hinten. Aha. Man soll und will ja nun wirklich nicht nur nörgeln, klar. Aber als Leser hätte ich mir schon eine Fotostrecke mit mehr Ergebnisbildern erwartet. Mach ich es dann mal selbst. Bei 500px gibt es wohl ein paar Beispiele von diesen fotografierten Püppis: https://500px.com/photo/98888377/making-the-lost-village-by-felix-hernandez-rodriguez?from=user
MatthiasPetersbach 20.09.2015
3.
Ich verstehs jetzt grade auch nicht. (Spindeldürre) Puppe im Nebel. Aha. Sorry, Dioramen gibts denn doch schon lange, schon öfter und -hüstl- ohne Fotoshop. http://www.vonabt.co.uk
Abel Frühstück 20.09.2015
4.
Zum Vergleich mal ein Beispiel ohne "Stacken": http://www.flixelpix.com/documentary/a-mini-adventure/
mcmercy 21.09.2015
5.
Zitat von Abel FrühstückZum Vergleich mal ein Beispiel ohne "Stacken": http://www.flixelpix.com/documentary/a-mini-adventure/
Gut gemacht, leider ein schlechtes Modellauto verwendet, man sieht direkt dass es nicht echt ist, kann natürlich gewollt sein.
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