Corona-Hygiene Künstliche Intelligenz erkennt, wer seine Hände gründlich wäscht - und wer nicht

Na, zwischen den Fingern und unter den Nägeln gewaschen? Das kann jetzt ein vom Fujitsu-Konzern entwickeltes System automatisch am Waschbecken anzeigen.
Fujistu-Forscher Genta Suzuki führt das System in einem Labor des Unternehmens vor

Fujistu-Forscher Genta Suzuki führt das System in einem Labor des Unternehmens vor

Foto: KIM KYUNG-HOON/ REUTERS

Der japanische Konzern Fujitsu hat eine Technologie entwickelt, die die Einhaltung der Hygienevorgabe beim Händewaschen prüfen kann. Mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) soll das System erkennen können, ob jemand seine Hände lange genug, zwischen den Fingern, um das Handgelenk und auch unter den Fingernägeln wäscht. In ihren Tests orientierten sich die Entwickler an Empfehlungen der WHO und des japanischen Gesundheitsministeriums.

Das System besteht aus einer Kamera, die aufzeichnet, wie jemand seine Hände über einem Waschbecken wäscht, sowie Software, die die Videoaufnahmen analysiert. Der leitende Fujitsu-Forscher Genta Suzuki führte das System diese Woche in den Laboren des Unternehmens in Kawasaki vor.

"Die von der Coronakrise betroffenen Verantwortlichen aus der Lebensmittelindustrie und aus anderen Branchen, denen wir das System vorgeführt haben, würden es liebend gern einsetzen", sagte Suzuki. Man habe bereits Anfragen zum Preis bekommen. Allerdings habe Fujitsu noch nicht darüber entschieden, ob man die KI-Technik auch am Markt anbieten wolle, sagte Suzuki.

Wenn das System zufrieden ist, zeigt es "good" an. Zuvor wird die Einhaltung sechs verschiedener von der WHO empfohlener Schritte beim Händewaschen geprüft

Wenn das System zufrieden ist, zeigt es "good" an. Zuvor wird die Einhaltung sechs verschiedener von der WHO empfohlener Schritte beim Händewaschen geprüft

Foto: KIM KYUNG-HOON/ REUTERS

Das System soll laut Unternehmensangaben auch feststellen können, ob jemand Seife benutzt oder nicht. Technisch sei diese Erkennung eine Herausforderung gewesen, weil dadurch die Erkennungspunkte bei der digitalen Bildanalyse weniger deutlich auszumachen seien, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens mit weiteren technischen Hintergründen . Doch mithilfe von zwei neu entwickelten Deeplearning-Algorithmen habe man die Probleme in den Griff bekommen und könne Handbewegungen auch beim Waschen zuverlässig erkennen.

Trainiert wurde das KI-System laut Fujitsu mit rund 2000 verschiedenen aufgezeichneten Situationen. So sollen verschiedene Waschbecken, Seifenarten, Personen und Kamerapositionen kein Problem sein. Die Tests wurden von Fujitsu-Mitarbeitern in Japan, aber auch von anderen Testpersonen außerhalb Japans, die dafür bezahlt wurden, durchgeführt.

Das System basiert auf einer Technologie mit dem Namen "Actlyzer". Diese hatte Fujitsu bereits vor der Coronakrise entwickelt. Sie sollte ursprünglich unter anderem helfen, Verbrechen zu erkennen und verdächtige Körperbewegung festzustellen.

Das System könne allerdings keine Personen anhand ihrer Hände identifizieren. Man könne es aber mit anderen Systemen zur Identitätserkennung koppeln, sodass Unternehmen kontrollieren könnten, ob ihre Mitarbeiter ihre Hände gründlich genug waschen, erklärte Fujitsu-Forscher Suzuki.

Zudem könne das System auf Wunsch so programmiert werden, dass es automatisch das Lied "Happy Birthday" oder andere Musik abspiele, als Begleitung zum Händewaschen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt zweimal den Song "Happy Birthday" während des Händewaschens zu singen. So würden man die Hände 30 Sekunden lang waschen, was für die Handhygiene ideal sei.

hpp/Reuters
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