Gaming-Tastaturen mit integriertem Mauspad Was taugen eigentlich Lapboards?

Spiele, die per Maus und Tastatur gesteuert werden, machen es Gamern auf der Couch nicht leicht. Sogenannte Lapboards versprechen, sowohl Komfort als auch Präzision zu bieten. Aber ist das wirklich so?
Von Julius Beineke
Foto: Julius Beineke

Es könnte so schön sein: Rechner an, Füße hoch, losspielen. Logistische Schwierigkeiten vermiesen aber oft das Spielen von Computerspielen am TV oder Beamer: Die Tastatur wackelt, Maus und Pad rutschen, Kabel klemmen.

Tastaturen mit integriertem Mauspad und spezieller Schoßauflage, sogenannte Lapboards, wollen das Couchgaming komfortabler machen. Solche Boards gibt es mittlerweile von verschiedenen Firmen: Wir haben drei Modelle namens Razer Turret, Roccat Sova MK und Corsair K63 ausprobiert.

  • Die Razer Turret legt Wert auf schickes, kompaktes Design und Kabellosigkeit - und eine drahtlose Maus ist inbegriffen. Je nach Anspruch kann die geringe Größe genau das Richtige sein oder total nerven.
  • Roccats Sova MK hat ihren Anwendungsbereich fast schon im Namen. Das große, kabelgebundene Brett bringt neben ordentlich Platz für Handballen und eine Maus auch einen USB-Hub mit.
  • Corsair überlässt das Upgrade der kabellosen Gaming-Tastatur K63 dem Nutzer: Das passende Lapboard mit Memory-Foam-Polster gibt es separat - die K63 clippt man dort einfach ein.

Lässt sich mit den Lapboards vernünftig spielen und arbeiten?

Beim Spielen müssen Tastaturen stabil auf dem Schoß liegen und sollten nicht wackeln oder rutschen. Das Gleiche gilt für die Maus auf dem Pad. Außerdem sind beim Spielen hochwertige Tasten unabdingbar. Aber auch zum Tippen sollte sich eine Sofa-Tastatur eignen.

Das Mauspad der Turret von Razer lässt sich unter die Tastatur klappen, um sie in der mitgelieferten Ladestation zu verstauen. Der Klappmechanismus ist praktisch, führt aber dazu, dass sich die ausgeklappte Tastatur schon bei kleineren Bewegungen vom Schoß verabschieden will - die Gummierung an der Unterseite hilft da wenig. Ihre schmale Linie verdankt sie auch den flachen Tasten. Trotzdem spielt es sich mit ihr überraschend angenehm - allerdings fehlt eine Tastenbeleuchtung. Das stört, zusammen mit Gewackel und dem US-Tastenlayout, auch bei längeren Texteingaben.

Roccats Sova MK hält dank Größe, Gewichtsverteilung und Schaumstoffpolstern gut auf den Oberschenkeln. Kabellose Mäuse hauen allerdings schnell vom glatten Mauspad ab. Kabelgebundene rettet ein mitgelieferter, anclippbarer Mauskabel-Halter - auch Bungee genannt. Die mechanischen Schalter fühlen sich beim Spielen und Schreiben einfach gut an. Alternativ gibt es die Sova auch mit Membran-Tasten 50 Euro günstiger.

Clippt man Corsairs kabellose Gaming-Tastatur K63 in das separat erhältliche Lapboard ein, wird sie zum soliden Couchgaming-Brett. Zusammen mit dem Lapboard ist sie mit fast drei Kilo aber ein echter Brocken. Die mechanischen Tasten fallen durch ihre Höhe auf. Das sieht ulkig aus, stört aber nicht. Auch zum Schreiben eignet sich die K63-Kombi.

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Diese Alternativen gibt es

Wer kein ambitionierter Gamer ist, aber vom Sofa aus tippen und zum Beispiel Medienfunktionen des Rechners steuern möchte, dem mögen unsere drei Kandidaten zu groß, schwer, teuer sein. Ihre kleinen Brüder heißen Multimedia-Tastaturen und sind spartanischer ausgestattet als die fetten Spielbretter.

Beispielsweise steuert man mit denen von Logitech auch für schmales Geld PCs komfortabel vom Sofa. Die K830 ist rund 90 Euro billiger als die drei Testkandidaten. Unterschiede sind neben dem Preis die weniger hochwertigen Tasten und das Fehlen eines Mauspads - dafür gibt es ein Touchpad. Das reicht für den Alltag aus, ist für die meisten Spiele jedoch ungeeignet. Für noch mal 50 Euro weniger bekommt man Logitechs K400 Plus: Hier fehlen außerdem Tastenbeleuchtung und hochwertige Verarbeitung.

Für wen lohnen sich Lapboards?

Das Fazit zu den drei Testmodellen ähnelt dem zu vielen anderen Gaming-Gadgets: schön zu haben und ein I-Tüpfelchen in Sachen Komfort. Alternativ kann man im Zweifel auch einfach zu einer Standardtastatur auf dem Schoß und einer Maus auf einem separaten Hartplastik-Pad auf einem Kissen greifen. Das macht nicht ganz so viel her, ist jedoch meist günstiger. Außerdem kann man die Maus so auch einfach mal auf dem Pad lassen, um in Ruhe zu tippen.

Wer auf dem Sofa jedoch Schreibtisch-Feeling - mit dem Mauspad direkt neben der Tastatur - bevorzugt und ein Faible für teure, hochwertige Hardware hat, der mag an Lapboards Gefallen finden.

  • Die Turret von Razer sitzt letztlich zu sehr zwischen den Stühlen. Stylisch und kompakt erinnert sie eher an die Multimedia-Keyboards von Logitech. Von den Medienfunktionen abgesehen, eignet sie sich ironischerweise aber fast ausschließlich als Gaming-Tastatur - wenn da nicht die unbeleuchteten Tasten wären. Und für regelmäßige, längere Texteingaben ist sie zu wackelig.
  • Kabellosigkeit und die Option, die Tastatur auch ohne Lapboard zu nutzen, machen Corsairs K63 verlockend, vor allem für Anwender, die auf dem Sofa spielen, zum Schreiben aber lieber an den Schreibtisch gehen und nur eine Tastatur verwenden wollen, ist die modulare K63 einen Blick wert. Einziges Manko ist das rutschige Polster.
  • Den Spagat zwischen Stabilität und Gaming-Präzision schafft die Sova MK von Roccat am besten. Nur Bluetooth statt des langen Kabels fehlt. Mit dem USB-Hub, ordentlich Platz für Hände und Maus und dem gut ausbalancierten Gewicht hat man ein Gesamtpaket auf dem Schoß, das Spielen wie Schreiben auf dem Sofa komfortabel macht.

Aufgrund der rechts angebrachten Mauspads eignet sich übrigens keins der drei Geräte für Linkshänder. Tastenbelegung, Eingabemakros und - sofern verfügbar - die Tastenbeleuchtung konfiguriert man bei jeder Tastatur über eine Software auf dem PC.