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09. April 2013, 15:25 Uhr

Leica M Monochrom

Diese 7000-Euro-Kamera fotografiert schwarzweiß

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Keine Farben, kein Autofokus, keine Automatik: Die Leica M Monochrom ist eine minimalistische und sehr teure Kamera. Lohnt sich das? Der Test zeigt, was die außergewöhnliche Sensortechnik bringt.

Eine Digitalkamera, die nur in Schwarzweiß fotografiert? So einen Fotoapparat verkauft der deutsche Hersteller Leica. Die M Monochrom hat keinen Autofokus und einen reinen Schwarzweiß-Sensor. Allein das Gehäuse kostet 7000 Euro.

Selbst wenn sich nur einige Profi-Fotografen und Superreiche diese Kamera anschaffen werden: Was diese Technik leistet, ist für alle spannend. Das Konzept Schwarzweiß-Sensor klingt nur beim ersten Lesen absurd. Tatsächlich dürfte die Bildqualität steigen, wenn man auf Farbe verzichtet. In den Digitalaufnahmen eines Schwarzweiß-Sensors sollten mehr Details zu erkennen sein. Der Grund: Die regulären Bildsensoren können einfallendes Licht nur in farbige Digitalfotos umwandeln, weil Farbfilter vorm Sensor liegen. Beim Berechnen der Farben entstehen Fehler, durch die Filter gehen Bildinformationen verloren - das sollte bei einem Schwarzweiß-Sensor nicht passieren.

Außergewöhnliche Sensortechnik für 7000 Euro - was kann die Leica M Monochrom ?

Das gefällt: Format, Bildqualität, Handhabung

Gehäuse: Die Leica M Monochrom und die passenden Objektive sind recht klein für eine Digitalkamera mit auswechselbaren Objektiven und einem Sensor im Vollformat-Format. Die Gehäuse vergleichbarer Digitalkameras von Nikon, Canon und Sony wiegen um die 700 Gramm und passende Objektive mit Festbrennweite (35 Millimeter) noch mal ein halbes Kilo. Die Leica M Monochrom ist leichter (600 Gramm das Gehäuse, 220 ein 35-Millimeter-Objektiv) und kompakter als Vollformat-Spiegelreflexkameras - ein dezenter Fotoapparat für unterwegs.

Handhabung: Die Bedienung der Schwarzweiß-Leica ist gewohnt minimalistisch. Es gibt wenige Optionen, aber es sind die wichtigsten und sie sind klar gestaltet. Die Blendenöffnung stellt man am Objektiv ein, die Verschlusszeit mit einem Drehrad auf dem Gehäuse. Motiv- und Automatikprogramme gibt es nicht, nur eine Halbautomatik hat die Kamera eingebaut: Man kann die Belichtungszeit automatisch von der Software bestimmen lassen, in Abhängigkeit von der gewählten Blendenöffnung.

Scharf stellt man von Hand mit einer Drehung am Fokusrad des Objektivs. Einziges Hilfsmittel dabei ist der Mischbildentfernungsmesser, er zeigt ein Schnittbild im hellen, optischen Sucher. Das Prinzip ist bewährt, so hat das schon bei analogen Kameras funktioniert: Man fokussiert so lange, bis die beiden Bilder im Einstellkreis nicht mehr versetzt stehen, dann wird dieser Bereich auf der Aufnahme scharf erscheinen.

Bildqualität: Bei den Aufnahmen der Schwarzweiß-Leica sind zwei Besonderheiten mit bloßem Auge zu erkennen: Die Auflösung ist enorm, man sieht selbst feine Details. Die Aufnahmen wirken sehr scharf, auch bei höherer ISO-Empfindlichkeit. Sprich: Mit der Leica M Monochrom kann man auch nachts Aufnahmen von hervorragender Qualität aus der Hand fotografieren.

Beim Labortest von digitalkamera.de hat die Schwarzweiß-Leica die bislang höchste dort gemessene Auflösungsleistung erzielt. Der Spitzenwert wird nur unter bestimmten Voraussetzungen erreicht - in der Bildmitte, mit einer 50-Millimeter-Festbrennweite, bei einer Blendenöffnung von f/11. Aber auch bei weiter geöffneter Blende ist die gemessene Auflösung überdurchschnittlich hoch - hier zahlt sich der Verzicht auf Farbfilter aus. Vollformat-Spiegelreflexkameras wie die Nikon D800E kommen mit Festbrennweiten diesen Spitzenwerten sehr nahe, mit bloßem Auge dürften die Unterschiede nur auf vollformatigen Ausdrucken zu erkennen sein.

Auch bei einer sehr hohen Empfindlichkeit von ISO 2500 (je höher der Wert, desto stärker wird das auf dem Sensor eingehende Signal verstärkt) bleiben die Bildstörungen auf den Aufnahmen der M Monochrom marginal. Bildrauschen tritt nur in Form sehr feiner Pünktchen auf. Diese Störungen sind dezenter als das Rauschen in Aufnahmen von Farbsensoren. Diesen Eindruck bestätigt der Labortest von digitalkamera.de - die gemessene Korngröße ist konstant niedrig.

Nicht so gut: Bildschirm, Geschwindigkeit, Preis

Bildschirm: Der Monitor der Leica M Monochrom hat eine sehr niedrige Auflösung. Für die Kontrolle der Schärfe von Aufnahmen ist der nur bedingt geeignet. Bei 7000 Euro Gehäusepreis muss eine höhere Auflösung möglich sein.

Geschwindigkeit: Die Schwarzweiß-Leica ist nicht die schnellste. Bis ein Bild gespeichert ist, vergehen ein paar Sekunden. Man kann die Kamera weiterhin bedienen, die Verarbeitungsgeschwindigkeit fällt bei Serienbildern richtig unangenehm auf. Sieben Fotos im Rohdaten-Format kann man in Serie fotografieren, mit einem Abstand von knapp zwei Sekunden zwischen den Aufnahmen. Dabei steigt mit jedem zusätzlichen Foto die Chance, in einer hektischen Situation auf der Straße einen guten Gesichtsausdruck einzufangen.

Vorteile, Nachteile, Fazit

Fazit: Die Schwarzweiß-Leica ist eine Nischen-Kamera für eine kleine vermögende Zielgruppe. Das minimalistische Konzept (keine Farbe, kein Autofokus, keine Automatik) ermöglicht eine herausragende Bildqualität. Die M Monochrom demonstriert, dass exotische Sensortechnik beeindruckende Aufnahmen ermöglicht. Ähnlich mutige Innovationen bieten auf dem Fotomarkt derzeit nur Sigmas Foveon-Sensoren. Bleibt zu hoffen, dass ein Hersteller es wagt, Schwarzweiß-Sensoren in Kameras ohne Leica-Aufschlag einzubauen.

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