Lenovo ThinkPad X1 Fold im Test Dieses Notebook kannste knicken

Mit seinem faltbaren Display ist das neue ThinkPad ein technisches Wunderwerk. Leider patzt der Hersteller bei einer wichtigen Kleinigkeit
Das Lenovo ThinkPad X1 Fold

Das Lenovo ThinkPad X1 Fold

Foto: Volker Weber

Neue Notebooks sind manchmal regelrecht langweilig, weil sie sich vom Vorjahresmodell nur durch kleine Verbesserungen unterscheiden. Aber alle paar Jahre ist doch wieder etwas Besonderes dabei. So wie jetzt das ThinkPad X1 Fold von Lenovo, das wohl erste Notebook mit einem faltbaren Bildschirm. Ich warte schon seit einem Jahr ungeduldig darauf, es endlich ausprobieren zu können.

Nimmt man es aus dem Karton, ist man erst mal überrascht, wie groß es ist. Der Bildschirm misst 13,3 Zoll – typisches Laptop-Format – doch drumherum zieht sich ein dicker Rahmen, der es größer macht als andere Laptops mit einem solchen Display. Knapp ein Kilo ist das Gerät schwer.

Einmal eingeschaltet, begrüßt das OLED-Display mit einem farbenfrohen Desktop. Ab Werk ist ein dunkles Farbschema eingestellt, vermutlich, um Energie zu sparen. Der erste Eindruck von der Bilddarstellung ist sehr gut, obwohl die Leuchtdichte laut Datenblatt nur magere 300 Nits beträgt. Zum Vergleich: Apples neue MacBooks liefern 500 Nits.

Aber die Helligkeit ist es ja auch nicht, was das X1 Fold besonders macht, sondern das, was der Name verspricht: Der Bildschirm lässt sich zusammenfalten, ganz ähnlich wie bei Smartphones wie Samsungs Galaxy Fold 5G.

Auf den ersten Blick nicht als Notebook zu erkennen: Das zusammengeklappte ThinkPad X1 Fold

Auf den ersten Blick nicht als Notebook zu erkennen: Das zusammengeklappte ThinkPad X1 Fold

Foto: Volker Weber

Wie bei allen Geräten, an denen Hardware-Hersteller sich derzeit mit Falt-Displays versuchen, ist auch hier das Scharnier, das die Gehäusehälften verbindet, ein mechanisches Meisterstück. Faltet man das Notebook zusammen, legt es das Display in eine sanfte Kurve. Öffnet man es, bleibt es in jedem Winkel stabil stehen. Trotzdem braucht man nur wenig Kraft, um es zu schließen. Aufgeklappt streckt der Mechanismus das Display ein wenig, sodass man keinerlei Falten sieht. Die Oberfläche ist aus Kunststoff, einen Stift, mit dem man darauf zeichnen und schreiben kann, liefert Lenovo mit.

Wie ein in Leder gebundenes Buch

Die Hülle aus Leder schmiegt sich beim Zusammenklappen eng um das Gerät, mit dem sie fest verbunden ist. Zusammengelegt fühlt sich der Fold deshalb an wie ein in Leder gebundenes Buch. In den Zwischenraum, der dabei entsteht, passt die mitgelieferte Bluetooth-Tastatur, an der man den Stift in einer Schlaufe verstauen kann. So wird aus dem großen Notebook-Tablet ein handliches Paket, das unterwegs nicht mal eine Tasche benötigt.

Die nicht hintergrundbeleuchtete Tastatur haftet magnetisch an der, je nach Sichtweise, rechten beziehungsweise unteren Hälfte des Gehäuses und wird dabei induktiv geladen. Die Software erkennt das und schaltet den verdeckten Teil des Displays dunkel, sobald die Tastatur darauf liegt. Die Windows-Taskbar rückt gleichzeitig in die Mitte des Bildschirms, sodass sich das Fold wie ein normales, aber kleines Notebook bedienen lässt. Man kann das Fold zum Lesen aber auch wie ein Buch halten oder mittels eines eingebauten »Eselsohrs« auf dem Tisch als Bildschirm aufstellen.

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Lenovo ThinkPad X1 Fold – vier Positionen

Foto: Volker Weber

Der eigentliche Computer hinter diesem Display ist eher dünn besaitet. Auf dem Aufkleber prangt stolz »Intel Core i5«, aber die genaue Bezeichnung des Chips, L16G7, weist darauf hin, was wirklich drinsteckt: vier stromsparende Rechenkerne und einer, der auf Leistung optimiert ist. Immerhin: So verbraucht er nur maximal sieben Watt. Die acht Gigabyte Arbeitsspeicher sind fest mit ihm verbunden, nicht erweiterbar.

Bis zu elf Stunden Akkulaufzeit bescheinigt Lenovo dem Gerät, doch das ist so realistisch wie der Normverbrauch eines Hybrid-SUV. Während der jedoch vor allem von der Fahrweise abhängt, wird die Laufzeit des Falt-PCs davon beeinflusst, wie hell das Display eingestellt ist. Helle Pixel brauchen mehr Energie als dunkle. Eben deshalb ist das Fold ab Werk auf ein dunkles Windows-Farbschema eingestellt.

Da fehlt doch was

Es lässt sich vermuten, dass Lenovo bei der Entwicklung des X1 Fold auf Microsofts Windows 10X gehofft hatte, das speziell für schmalbrüstige PCs und mobile Geräte mit zwei Bildschirmen konzipiert ist. Doch das Erscheinungsdatum dieses Updates ist noch vollkommen unklar. Lenovo hilft sich deshalb mit einer eigenen Software, die den Bildschirm bei Bedarf zweiteilt.

Vor allem aber scheitert das X1 Fold an einer hierzulande wichtigen Kleinigkeit: Die Tastatur hat keine Umlaute! Wobei, genaugenommen hat sie schon welche, aber an die kommt man nur ran, wenn man zum Beispiel statt des Üs die Kombination Fn-O tippt. Fn-L steht für Ö und Fn-# für Ä. Zumindest mich behindert das in meinem Schreibfluss so stark, dass ich diesen Text doch lieber mit einer anderen Tastatur geschrieben habe.

Irgendwas mit Umlauten: Die Lenovo-Tastatur (links) im Vergleich mit einer Apple-iPad-Tastatur und einer Logitech-Tastatur

Irgendwas mit Umlauten: Die Lenovo-Tastatur (links) im Vergleich mit einer Apple-iPad-Tastatur und einer Logitech-Tastatur

Foto: Volker Weber

Auch das winzige Trackpad hat eher Alibifunktion. Den bei Thinkpad-Kunden so beliebten roten Trackpoint konnte Lenovo in dieser schlanken Nottastatur nicht unterbringen. Zumindest am Schreibtisch im Büro wird man lieber mit externer Tastatur und Maus arbeiten. Dort kann man die beiden USB-C-Anschlüsse auch verwenden, um einen oder zwei große 4K-Monitore anzuschließen. Ins Netz geht das X1 Fold mit Wifi 6. Als Option ist theoretisch ein 5G-Mobilfunkmodem bestellbar, das im deutschen Lenovo-Store aber nicht angeboten wird.

Fazit

Der aktuelle Preis von rund 2900 Euro erscheint angesichts der gebotenen Leistung sehr hoch. Ob viele Kunden bereit sein werden, für den Showeffekt des Flat-Displays einen solchen Aufpreis zu zahlen, bleibt abzuwarten. Aber für Lenovo soll das X1 Fold ohnehin kein Umsatzbringer werden, dafür sind dem Unternehmen zufolge die Kosten einfach zu hoch. Die Firma baut das ungewöhnliche Gerät einfach, weil sie es kann – und das auch zeigen will.

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