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Ende des Smartphone-Geschäfts LG – ein Letzter Gruß

Patrick Beuth
Matthias Kremp
Ein Netzwelt-Newsletter von Patrick Beuth und Matthias Kremp
LG hat krumme, modulare, lederne und doppelte Smartphones gebaut. Aber nun ist Schluss, der Hersteller gibt auf. Wir verabschieden uns mit einem Rückblick auf die spektakulärsten Modelle.

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit dem Slogan »Life's Good« bewarb der koreanische Konzern LG Electronics jahrelang geradezu trotzig seine Smartphones, auch wenn »Leben ist Grausam« die treffendere Beschreibung für das Nischendasein von LG auf dem umkämpften Markt gewesen wäre. Zu seinen besten Zeiten war LG der drittgrößte Smartphone-Hersteller der Welt, das ist allerdings rund acht Jahre her. Zuletzt gab es für die Koreaner angesichts der Übermacht von Huawei, Samsung, Xiaomi, Apple und anderen nicht mehr viel zu holen, außer milliardenschweren Verlusten.

Deshalb soll voraussichtlich Ende Juli Schluss sein mit Smartphones. LG steigt aus. Wir winken zum Abschied noch mal und erinnern uns an einige der tollen oder auch seltsamen LG-Modelle. LG – Letzte Grüße aus der Netzwelt:

Nexus 4 (2012):

LeGendär: Google Nexus 4

LeGendär: Google Nexus 4

Foto: Matthias Kremp

Eines der besten LG-Smartphones aller Zeiten wurde als Google-Smartphone verkauft, Nexus 4 hieß es. Von Google kam das pure Android, von LG die Hardware. Ganze 299 Euro (349 Euro mit etwas mehr Speicher) kostete das gut ausgestattete, handliche und sogar drahtlos aufladbare Gerät bei der Markteinführung 2012, weshalb es praktisch umgehend ausverkauft war. Das Nexus 4 war zudem ein Geschenk für Bastler, denn es kam vergleichsweise gut mit verschiedenen Betriebssystemen wie Ubuntu und LineageOS klar. Als meines nach vielen Jahren kaputtging, habe ich ihm jedenfalls lange hinterhergetrauert. (Patrick Beuth)

LG G Flex (2013):

Ja, das soll so: LG G Flex

Ja, das soll so: LG G Flex

Foto: SPIEGEL ONLINE

»Bananenhandy mit Gurkendisplay«, so lautete die prägnanteste Beschreibung des gekrümmten LG G Flex, als es 2013 auf den Markt kam. Für 800 Euro bekamen Käuferinnen und Käufer ein überteuertes Smartphone, dessen Krümmung weitgehend sinnlos war und sich deshalb nie durchgesetzt hat. Aber einer musste es ja mal versuchen. Danke dafür, LG. (Patrick Beuth)

LG G4 (2015):

Das L in LG stand 2015 für »Leder«

Das L in LG stand 2015 für »Leder«

Foto: T3 Magazine / Future via Getty Images

Mit dem G4 führte LG kurzzeitig eine Preispolitik ein, wie sie bei Autoherstellern üblich ist: Leder gibt's nur gegen Aufpreis. Denn den langweiligen Plastikdeckel auf der Rückseite konnte man zu einem Mehrpreis von 50 Euro auch in einer dünn mit Rindsleder bezogenen Variante bekommen. Damit war es zumindest das erste Smartphone, dass nach Neuwagen gerochen hat. Danke für diese dufte Idee, LG. (Matthias Kremp)

LG G5 (2016):

VR-Brille, Rundumkamera und mehr: Module für das LG G5

VR-Brille, Rundumkamera und mehr: Module für das LG G5

Foto: Matthias Kremp

Einige Jahr lang geisterte die Idee durch die Smartphone-Branche, man sollte modulare Handys bauen, bei denen der Nutzer einzelne Komponenten einfach per Ein- und Ausstecken durch neue oder andere ersetzen kann. LG hatte 2016 tatsächlich den Mut, ein solches Gerät nicht nur vorzustellen, sondern auch auf den Markt zu bringen. Aber wie so oft bei LG stimmte das Timing nicht. Ende Februar vorgestellt, waren erste Geräte Mitte April verfügbar, aber bis auf einen Austausch-Akku keine Module. Die konnte der Konzern erst einen Monat später zum Test nachliefern – und der verlief enttäuschend: viel zu teuer, viel zu schlechte Qualität. Trotzdem: Danke für den Mut, LG. (Matthias Kremp)

LG G8X (2019):

Zwei Bildschirme statt einer zum Falten: Das LG G8X

Zwei Bildschirme statt einer zum Falten: Das LG G8X

Foto: FELIPE TRUEBA / EPA

Seinen Status als Einzelgänger, der gern mal etwas anders macht als die anderen, manifestierte LG auf der Ifa 2019 mit dem G8X. Während Konkurrenten wie Samsung Smartphones mit biegsamen Bildschirmen lieferten, sagte man sich bei LG offenbar: Warum so kompliziert? LGs Gegenentwurf zum Galaxy Fold war deshalb ein ganz normales Smartphone, an das man mit einer dicken Schutzhülle einen zweiten Bildschirm anstecken konnte. Das Ergebnis war interessant und teuer: 1000 Euro sollte die Klappkombi kosten, die nicht durch besonders hohe Leistung, sondern durch ein dickes Gelenk zwischen den beiden Bildschirmen auffiel. Das hat leider nicht geklappt, LG. (Matthias Kremp)

LG Wing (2020):

Das dreht sich: LG Wing

Das dreht sich: LG Wing

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Der ausbleibende Erfolg des G8X hielt LG nicht davon ab, 2020 einen weiteren Gegenentwurf zu den hippen und teuren Falthandys vorzulegen: das LG Wing. So wie sich die Flügeltüren teurer Sportwagen (und eines Tesla-SUVs) nach oben öffnen, klappt das Display des Wing nach oben weg, um den Blick auf einen zweiten, kleineren Bildschirm freizugeben. Das sieht cool aus und macht wegen der leichtgängigen Mechanik auch Spaß. Einen Mehrwert bringt die komplizierte Konstruktion allerdings nur bei Apps, die daran angepasst wurden – und das waren leider verdammt wenige. Das Wing hatte das Potenzial, ein Legendäres Gadget zu werden, fand dafür aber viel zu wenig Freunde. Schade, LG. (Matthias Kremp)

Fremdlinks: drei Tipps aus anderen Medien

  • »LNP387 Magisches Denken«  (Podcast, 2 Stunden, 13 Minuten)
    Was können Apps wirklich zur Pandemiebekämpfung beitragen? Im »Logbuch Netzpolitik« sprechen Linus Neumann und Tim Pritlove mit der Wissenschafts- und Technikjournalistin Eva Wolfangel ausführlich über die Luca-App und die Corona-Warn-App.

  • »The Home Office is preparing another attack on encryption«  (Englisch, vier Leseminuten)
    Die Cryptowars nehmen kein Ende. »Wired« berichtet, woher die nächste Attacke auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kommen wird: aus dem britischen Innenministerium.

  • »The robots are coming for your office«  (Podcast, Englisch, eine Stunde)
    Die Abkürzung RPA steht für Robotic Process Automation, was frei übersetzt heißt: laaaangweilig! Aber im Podcast von »The Verge«-Chefredakteur Nilay Patel lernt man eine Menge über Software, die Bürojobs überflüssig machen wird.

Kommen Sie gut durch die kurze Woche!

Patrick Beuth & Matthias Kremp

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