Smartphone-Module Vier Freunde für das LG G5

Das G5 von LG hat ein interessantes Konzept: Das Handy lässt sich mit Modulen erweitern, zur 360-Grad-Kamera oder Virtual-Reality-Brille etwa. Wir haben die ersten vier Module ausprobiert.

Matthias Kremp

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Im Februar auf dem Mobile World Congress in Barcelona vorgestellt, begeisterte das LG-Smartphone G5 mit einer bisher einzigartigen Fähigkeit: Über Module solle es um neue Funktionen erweiterbar sein, versprach der Hersteller. Das Konzept klang toll. Im Test konnte das Highend-Gerät trotzdem nicht überzeugen: Module waren damals noch nicht lieferbar, und als normales Smartphone ist es eher durchschnittlich gut.

Jetzt sind die ersten Zubehörgerät für das G5 bei uns in der Redaktion eingetroffen. "LG G5 Friends" nennt das koreanische Unternehmen die Produkte, die sich keineswegs alle einfach in den Erweiterungsschacht des Geräts einstecken lassen.

Wir haben die ersten vier der "Freunde" ausprobiert, das Kameramodul Cam Plus, das Audiomodul Hi-Fi Plus mit B&O Play, die 360-Grad-Kamera 360 Cam sowie die Virtual-Reality-Brille 360 VR. Lesen Sie im Folgenden, welche Erfahrungen wir mit den sehr unterschiedlichen Erweiterungen gemacht haben:

Cam Plus

Matthias Kremp

Das einfachste Zusatzmodul ist das Cam Plus. Im Grunde handelt es sich dabei um eine Erweiterung des Gehäuses, die für einige Kamerafunktionen echte Knöpfe bereitstellt. Außerdem ist ein Zusatzakku eingebaut. Der Nutzen: Man kann die Kamera-App per Knopfdruck starten, per Knopfdruck ein Foto knipsen oder eine Videoaufnahme starten. Über ein kleines Rädchen lässt sich der Zoomfaktor einstellen.

Leider sind die Knöpfe nicht sonderlich ergonomisch positioniert: Der Einschaltknopf lässt sich nur mit spitzem Finger bedienen, das Zoomrad arbeitet teils ruckelig. Der Nutzen des kleinen Zusatzakkus ist spürbar, er verleiht dem G5 einige Stunden Extra-Ausdauer. Er macht das Kameramodul aber auch sehr klobig und schwer, verlagert den Schwerpunkt. Ohne den Standardakku lässt sich das G5 damit nicht benutzen. Einen Stativanschluss gibt es nicht.

Fazit

Für einen kleinen Zusatzakku und ein paar Plastikknöpfe, die App-Funktionen auslösen, sind die 99 Euro, die das Cam Plus kostet, zu viel.


Hi-Fi Plus mit B&O Play

Matthias Kremp

Beim Hi-Fi Plus wird es etwas komplizierter. Dieses Modul soll den Klang verbessern, wenn man Musik über Kopfhörer hört. Dazu hat es einen hochwertigen Digital-Analog-Wandler (DAC) an Bord, der digital gespeicherte Musik in ein analoges Signal umwandelt. Dieses wird dann von einem speziellen Kopfhörerverstärker verstärkt.

Beim Anhören von MP3-Musik war der Klangunterschied hörbar aber keineswegs bedeutsam, erinnerte am ehesten an den sogenannten Loudness-Effekt, der durch eine leichte Absenkung von Mitten bei gleichzeitiger Betonung von Bässen und Höhen zustandekommt. Ähnlich, aber deutlicher war die Wirkung beim Abspielen unkomprimierter Audiodateien. Hier kam zum Loudness-Effekt noch ein Zugewinn an Klarheit. So ließen sich bei dem Titel "Moves" von den "New Pornographers" beispielsweise Gitarre und Bass in der Strophe besser differenzieren.

Um diesen Unterschied hören zu können braucht man freilich Ruhe und gute Kopfhörer. Für die U-Bahn ist das Modul unnötiger Luxus. Zu Hause allerdings lässt es sich dank seiner Konstruktion nicht nur im G5, sondern auch am Notebook, dem PC und sogar am iPhone und iPad zur Klangaufwertung nutzen.

Fazit

Die 150 Euro, die für das Hi-Fi Plus verlangt werden, lohnen sich nur, wenn man den speziellen Sound des Moduls mag.


360 Cam

Matthias Kremp

360-Grad-Videos und Virtual Reality sind gerade groß im Kommen. Schwierig ist es bisher nur, solche Videos und Fotos aufzunehmen. Entsprechende Aufnahmesysteme bestehen meist aus sehr vielen Kameras, die zu komplizierten Konstruktionen zusammengebaut werden und sehr viel Geld kosten.

LGs 360 Cam soll das einfacher und billiger machen. Dazu muss man allerdings Verzicht üben, nur zwei Kameras sollen hier ausreichen, um einen digitalen Rundumblick zu erzeugen. Fotos werden mit 13 Megapixel pro Kamera aufgenommen, die Videoauflösung beträgt maximal 2560 x 1280 Pixel.

Die Bedienung ist erfreulich einfach: Es gibt einen Einschaltknopf und einen Auslöser. Mit einem kurzen Druck darauf knipst man ein Foto, hält man den Knopf etwas länger gedrückt startet die Videoaufzeichnung. Mehr Funktionen bietet die App zur Kamera, die es für Android und iOS gibt. Sie funktioniert genau wie andere Foto-Apps auch, bietet verschiedene Foto-Modi, manuelle Einstellmöglichkeiten und Ähnliches.

Das Fotografieren und Filmen mit der 360 Cam ist daher so einfach wie mit einer Kompaktkamera. Die Qualität von Standbildern ist allerdings deutlich besser als die der Videos, die immer etwas verwaschen aussehen. Dafür wirken Filme und Fotos immer wie aus einem Guss, eine Nahtstelle, an der die beiden Teilbilder zusammenkommen, ist nicht zu erkennen. Dafür sind immer die Hände des Fotografen im Bild, wenn man frei Hand knipst. Ein Stativ ist empfehlenswert.

Fazit

Einfacher als mit der 360 Cam lassen sich Rundumvideos und -fotos kaum aufnehmen. Der dafür geforderte Preis - 279 Euro - scheint angesichts der gebotenen Bildqualität aber zu hoch.


360 VR

Matthias Kremp

Die 360 VR ist LGs Virtual-Reality-Brille. Eine Brille also, die bei ihrem Träger den Eindruck erwecken soll, er befinde sich in einer anderen als der realen Welt. Anders als Konkurrenzmodelle ist sie sehr leicht und klein.

Was aber gleich zu Beginn nervt: Der Lichtschutz der Brille taugt nichts. An der Unterseite bliebt immer ein breiter Streifen frei, durch den Licht eindringt, das sich sogar in den Linsen spiegelt. Beim Anstöpseln per USB ans Handy soll die Brille automatisch starten. Blöd nur, dass man davon nichts merkt. Von der scheinbaren Untätigkeit und dem dunklen Bildschirm sollte man sich nicht täuschen lassen. Es dauert einfach ganz schön lange, bevor endlich ein Bild erscheint.

Um das an die persönliche Sehfähigkeit anzupassen, müssen die Linsen einzeln manuell justiert werden. Das geht aber nur, wenn man die Brille abnimmt. Weil sie sich aber auch abschaltet, wenn man sie abnimmt, ist die Justage der Linsen eine Quälerei, da man nach jedem Einstellversuch und neuerlichem Aufsetzen der Brille warten muss, bis das VR-System wieder aufgewacht ist. Meine leichte Weitsichtigkeit vermochte das System nicht auszugleichen, eine Brille kann man unter der 360 VR aber auch nicht tragen.

Im Ergebnis war das, was ich zu sehen bekam eher aus der Kategorie "geht so". Die Auflösung, laut LG 720 x 960 Pixel pro Display, ist relativ niedrig. Texte sind teils kaum zu lesen, Fotos und Videos wirken unscharf, zum Rand des dargestellten Bereiches werden teils deutliche Verzerrungen sichtbar. Vor allem aber löste die LG-Brille bei mir die gefürchtete VR-Reisekrankheit aus. Offenbar arbeitet die Technik, die das gezeigte Bild mit den Bewegungen des Kopfes synchronisieren soll zu langsam. Der Zeitversatz reichte aus, um bei mir schon nach sehr kurzer Zeit Übelkeit auszulösen.

Mit Inhalten sieht es derzeit noch dürftig aus. Ein paar Demofilme, ein Zugang zum mobilen YouTube, viel mehr ist da im Moment nicht drin.

Fazit

Davon habe ich mir mehr erhofft. Bei der Vorstellung der 360 VR in Barcelona wirkte die LG-Brille noch sehr vielversprechend. In der Praxis ist sie eine Enttäuschung und mit 279 Euro viel zu teuer. Samsungs Gear VR bietet mehr Leistung und mehr Inhalte und kostet nur wenig mehr als ein Drittel davon - funktioniert dafür auch nur mit wenigen Samsung-Smartphones.



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Phallus_Dei 14.05.2016
1.
Herr Schremp schreibt in seinem Artikel: "Mehr Funktionen bietet die App zur Kamera, die es für Android und iOS gibt." Kann man das G5 also auch mit iOS ordern oder passt die 360 Cam an alle Smartphones?
torben40, 15.05.2016
2.
Zitat von Phallus_DeiHerr Schremp schreibt in seinem Artikel: "Mehr Funktionen bietet die App zur Kamera, die es für Android und iOS gibt." Kann man das G5 also auch mit iOS ordern oder passt die 360 Cam an alle Smartphones?
Auf meinem G5 läuft sogar Windows 3.1 und Dos mit der App flüssig! Ich nutze in der Regel aber immer iOS.
orosee 16.05.2016
3.
Ich bin erschreckt, wie billig die Module alle aussehen! Für ein Flaggschiffmodell und in der angebotenen Preisklasse, sollten die Module nicht schlechter aussehen, als ein kostenloses Brillenetui. Anscheinend hat LG auch den exzellenten DAC des V10 entfernt, um ihn dann für ein Vielfaches als Extra zu verkaufen? Buh! Zum Schreibstil ein paar Worte: Ein Komma ersetzt kein "und". Der Spiegel hat eine Menge Autoren, die statt "Ich kam nach Hause und las Spiegel Online" lieber in Nebensätzen schreiben: "Ich kam nach Hause, las Spiegel Online." Gänsehaut! Immerhin, kein "dramatischer Gedankenstrich" hier: "Ich kam nach Hause und las - Spiegel Online." Dafür gäbe es eine verdiente eWatschn.
cptlars 17.05.2016
4. logisch
Das Sound Modul macht natürlich erst mit iPhone / ipad Sinn...
paul_wingert 27.06.2016
5.
Preissturz auf 369 Eur ! Eigentlich müsste es nochmal neu bewertet werden, mit diesem Kampfpreis ist es in jedem Vergleich immer der Sieger. Ich habe es nun bei einer grossen (roten) Elektromarktkette im vertrag für 11,99 eur bekommen mit nur 49 eur zuzahlung. Das ist der Hammer und sollte mal erwähnt werden !
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