Lichtrezepte So machen Leuchtröhren Ihre Fotos interessanter

Stabförmige Lichtquellen sind günstig und beim Fotografieren vielfältig nutzbar. "Docma"-Autor Christian Thieme zeigt, wie man mehrere Arten von Dekoleuchten einsetzt und abwechslungsreiche Motive gestaltet.
Foto: Christian Thieme

Noch bis vor einigen Jahren waren Leuchtstoffröhren überall als Lichtquelle zu finden. Sie sind günstig in der Anschaffung, langlebig im Betrieb und in jedem Baumarkt erhältlich. Viele Fotografen experimentierten daher mit den Röhren, denn die Bauform ermöglicht interessante Lichtreflexe sowie ein sehr weiches Licht, das sich vielfältig einsetzen lässt. Problematisch ist hingegen die Lichtqualität. Klassische Leuchtstoffröhren neigen zum Flimmern sowie einer ungleichmäßigen Lichtverteilung, die besonders bei Fotos störend sichtbar wird.

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Doc Baumanns Magazin für digitale Bildbearbeitung

Januar 2020

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Heutzutage kommen daher moderne LED-Röhren zum Einsatz; im Dekobereich sind aber immer noch viele Leuchtstoffröhren - in Form von einfarbigen Neon- sowie UV-Röhren - erhältlich. Die neuen LED-Varianten produzieren ein deutlich breiteres Lichtspektrum und eignen sich daher auch besser für fotografische Anwendungen. Aktuelle Lampen lassen sich in der Helligkeit regulieren und RGB-LEDs zaubern bei Bedarf Farbakzente ins Bild.

Für diesen Artikel habe ich klassische Leuchtstoffröhren ebenso wie LED-Lampen verwendet, um die Eigenschaften der unterschiedlichen Leuchtmittel darzustellen. Allerdings gestaltete sich das Arbeiten mit den Lampen nicht immer einfach.

Aller Anfang ist schwer

Normale Leuchtstoffröhrenfassungen bieten keine Stativaufnahme. Sollten Sie noch alte Exemplare besitzen, nutzen Sie am besten einen Metallwinkel, um die Lampen am Stativ festzuschrauben. Beim Shooting ist es bei mir allerdings vorgekommen, dass eine Leuchte durch einen leichten Schubs sofort umkippte. Aufgrund es fehlenden Schutzes um die Röhre herum war das Resultat zersplittertes Glas und ein Kurzschluss.

Auch zwei ältere Leuchtstoffröhren versagten beim Shooting den Dienst, weil der Kondensator verschmorte. Achten Sie bei Bastelprojekten daher immer auf Ihre eigene Sicherheit.

Aber auch beim Kauf von LED-Dekoleuchten sollten Sie ein paar Punkte berücksichtigen. Oft liefern die Hersteller einheitliche IR- oder Funkfernbedienungen, die ungewollt alle Lampen gleichzeitig steuern. Dies nimmt Ihnen viel Flexibilität bei der Gestaltung. Auch die Leuchtkraft variiert von Hersteller zu Hersteller stark. Testen Sie die Lampen nach Möglichkeit vor dem Kauf, um später bessere Ergebnisse zu erzielen.

Trotz aller Hürden lohnt es sich, mit den verschiedenen Röhren zu experimentieren. Durch deren einzigartige Charakteristiken ergeben sich immer neue fotografische Herausforderungen, bei denen Sie viel über Licht lernen.

Katzenaugen mit Leuchtstoffröhren

Foto: Christian Thieme

Um den Effekt von Katzenaugen zu erzielen, werden die Röhren vertikal vor dem Modell platziert. Der Abstand in diesem Beispiel beträgt ungefähr einen Meter. Richtig positioniert, entstehen durch die Leuchtstoffröhren zwei längliche Lichtreflexe, die an Katzenaugen erinnern. Durch den Abstand des Modells zu den Lichtquellen oder dem Abstand der Röhren zueinander, sind Sie in der Lage, den Effekt zu steuern. Je dichter die Lichtreflexe in den Augen zusammenstehen, desto stärker ist der Katzenaugeneffekt.

Durch die Röhren erreichen Sie zudem eine weiche Porträtausleuchtung, die eine gute Grundlage für weitere Effektlichter bildet. Umgesetzt habe ich das Motiv mit zwei klassischen 58W-Leuchtstoffröhren. Problematisch war der automatische Weißabgleich in der Kamera. Besser ist es daher, den Abgleich in der Kamera fest auf "Leuchtstoff" einzustellen. Durch diesen Schritt können Sie das Ergebnis besser in der Kamera beurteilen. Nutzen Sie Raw-Dateien, damit Sie in Lightroom den Weißabgleich verlustfrei korrigieren können.

Kreativ mit UV-Röhren

Foto: Christian Thieme

Bei diesem Bild habe ich ein ähnliches Lichtsetup wie im ersten Beispiel genutzt. Die beiden Röhren sind unmittelbar vor dem Modell platziert. Zum Einsatz kommen dabei zwei klassische UV-Röhren aus dem Baumarkt, die eigentlich für den Partykeller gedacht sind.

UV-Licht entfaltet besonders gut seine Eigenschaft, wenn zusätzliche Farbakzente gesetzt werden. Das Modell hat dazu mit einem Pinsel spezielle Schwarzlicht-Bodypaint-Farbe auf die Wangen aufgetragen, die durch das Schwarzlicht leuchten. In die Haare ist ein neon-oranges Band gewickelt, das einen zusätzlichen Akzent bildet. Für die Fingernägel können Sie speziellen UV-Nagellack nutzen.

Bei der UV-Fotografie müssen Sie allerdings viel Geduld mitbringen. Die Lichtausbeute der Röhren ist nur sehr gering und der Autofokus der Kamera kommt damit schwer zurecht. Die Ausschussrate bei diesem Shooting war deshalb besonders hoch. Zudem empfiehlt sich der Einsatz einer lichtstarken Optik, um kürzere Belichtungszeiten zu erhalten.

Lichtröhren als Bildelement

Foto: Christian Thieme

Moderne RGB-LED-Röhren lassen sich besonders kreativ in der Fotografie einsetzen, da variable Farbzusammenstellungen ohne viel Aufwand möglich sind. In diesem Beispiel kommen vier LED-Röhren zum Einsatz, die ich X-förmig vor und hinter dem Modell aufgestellt habe. Durch das vordere Licht ergibt sich ein überkreuzender Lichtreflex in den Augen, der erneut von den Lampen im Hintergrund aufgenommen wird. Nutzen Sie für jedes Leuchtmittel am besten ein eigenes Stativ und fixieren Sie die Röhren daran mit Klebeband, um sie jederzeit neu arrangieren zu können.

Im Beispiel zeigt sich, dass Lichtröhren sich auch gut als Bildelement eignen. Experimentieren Sie und umrahmen Sie das Modell mit den Leuchten oder nutzen Sie die Röhren wie Gitterstäbe, hinter denen sich das Modell befindet. LED-Röhren lassen sich zudem gut mit anderen LED-Dauerleuchten wie LED-Strahlern oder Ringleuchten kombinieren. Der eigenen Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt.