Light L16 16 Objektive in einer einzigen Kamera

Das US-Start-up Light verspricht, die Bildqualität einer Spiegelreflexkamera mit einem Gerät von der Größe eines Handys zu erreichen. Entweder sind die Gründer genial - oder sie bereiten gerade einen Riesenflop vor.

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Diese Kamera ist anders: Statt eines Objektivs, wie man es gewöhnt ist, stecken 16 komplette Kameramodule in dem Gerät. Passend dazu hat Hersteller Light die Hightech-Knipse schlicht L16 genannt. Das Versprechen des kalifornischen Start-ups: Mit der L16 bekommt man die Fotoqualität einer Spiegelreflexkamera im Gehäuse einer Kompaktkamera.

Das ist kein neues Versprechen, so etwas hat man schon oft gehört - in jüngster Zeit besonders oft von Handyherstellern. Ohnehin gibt es seit einigen Jahren vermehrt Versuche, das alte Credo von der nicht übertreffbaren Qualität großer, schwerer Spiegelreflexkameras aufzubrechen.

So versucht beispielsweise die Firma Lytro, mit ihren Lichtfeldkameras Lytro und Illum, eine Technik zu etablieren, die ein nachträgliches Fokussieren der Aufnahmen ermöglicht. Ebenso gibt es die DxO One, die man auf sein Smartphone aufsteckt, um die bessere Optik und den größeren Fotochip des Kameramoduls zu verwenden.

Ein optischer Zoom

Die Light L16 ist nun ein neuer solcher Versuch. Jetzt soll eine Technik, die als "computational photography", also in etwa "computergestützte Fotografie", bezeichnet wird, die Fotografie revolutionieren.

Nach dem Motto viel hilft viel haben die Entwickler 16 Kameras in einem Gehäuse zusammengesteckt. Qualitativ sollen sie in etwa denen entsprechen, die in Smartphones eingebaut sind. Jede dieser Kameras ist mit einem 13 Megapixel-Fotochip bestückt.

Genau wie in Smartphones haben auch diese Kameras keinen optischen Zoom. Trotzdem wirbt Light damit, dass die L16 einen "echten optischen Zoom" hat. Darüber, ob diese Aussage wörtlich stimmt, könnte man sicherlich diskutieren, einen hochwertigen Zoom aber gibt es wirklich.

Zehn von 16

Der Trick, mit dem die Zoomfunktion realisiert wird, basiert auf der einzigartigen Konstruktion der Kamera: Je fünf der 16 Kameras haben eine Brennweite von 35 Millimetern, bei weiteren fünf beträgt sie 70 Millimeter und die übrigen sechs haben eine Festbrennweite von 150 Millimetern.

Drückt man nun auf den Auslöser, berechnet ein Algorithmus je nach Einstellung der Kamera und gewähltem Motiv welche zehn der 16 Kameras ausgelöst werden sollen, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Aus diesen zehn Aufnahmen berechnet der Prozessor der Kamera schließlich das resultierende Foto. Abhängig vom Zoomfaktor hat die entstehende Bilddatei eine Auflösung zwischen 13 und 52 Megapixel.

Je nachdem, wie die Bilder in der Kamera kombiniert werden, soll man mit diesen Bilddaten außerdem nachträglich den Fokus und die Schärfentiefe verändern können. Zudem sollen Videoaufnahmen in 4K-Auflösung möglich sein.

Nicht für jedermann

Das hört sich alles vielversprechend an, hat aber mehrere Haken. Preislich wird die L16 es schwer haben, mit Spiegelreflexkameras mitzuhalten. Bis zum 6. November kann man sie noch für umgerechnet 1155 Euro bestellen, danach soll sie rund 1500 Euro kosten, zuzüglich Steuern und Lieferung.

Aber darüber muss man sich in Deutschland noch keine Gedanken machen. Im Spätsommer 2016 soll die L16 zunächst nur in den USA ausgeliefert werden. Die Entscheidung, ob und wann sie auch anderswo angeboten wird, will das Unternehmen davon abhängig machen, aus welchen Ländern sich die meisten Interessenten melden.



insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
alsterherr 09.10.2015
1.
Gibt es dazu nähere technische Details? Ich denke da an Bildrauschen, Paralaxeffekte, etc ...
horstmoik 09.10.2015
2. Die Abbildungsqualität
einer Kamera steht und fällt mit der Qualität der Optik und des Sensors und da hilft es nichts, wenn man noch so viele Pubs-Optiken an winzige Sensoren koppelt.
tangoman 09.10.2015
3. 1500€ ??
Dafür bekomme ich eine Sony Alpha 7 Vollformatkamera inclusive Kit-Objekiv und nicht so ein Spielzeug. EOM
Danares 09.10.2015
4. Abbildungsqualität
Zitat von horstmoikeiner Kamera steht und fällt mit der Qualität der Optik und des Sensors und da hilft es nichts, wenn man noch so viele Pubs-Optiken an winzige Sensoren koppelt.
Lass das bloss nicht die Astronomen hören, die Arrays betreiben, um damit die Leistung ihrer Teleskope zu verbessern. Am Ende merken die noch, daß sie wahnsinnig viel Geld für gar nix ausgegeben haben...
hup 09.10.2015
5. Der Witz bei einer DSLR ist weniger die Auflösung oder technische Bildqualität
Sondern es ist die Kontrolle die der Fotograf zur Bildgestaltung bekommt. Deshalb sind die Knöpfe haptisch und in recht großer Zahl vorhanden und die Größe der Kamera ergonomisch. DSLRs ermöglichen über ein Standard-Bajonett den Wechsel zu unzähligen Standard- und Spezialobjektiven, viele davon extrem lichtstark und daher schwer (Große Objektivdurchmesser erfordern viel Glas, hohe Brennweiten einen langen Tubus). Was bringt mir ein Body wie ein Smartphone, wenn ich daran eine 4 kg schwere 800mm f/2,8 Festbrennweite daran hänge (was ohnehin nicht geht)? Für Fotografie auf dem Niveau bringt der Ansatz von L16 nichts. Die sorgt vielleicht für bessere Urlaubs- und Gelegenheitsbilder (immer dabei), aber mehr nicht. Dafür hat man aber auch bisher keine DSLR benötigt. Die L16 ist nichts davon, ihre Philosophie ist komplett anders. Die Kamera muss raten was ich als Fotograf will um die Bildkomposition auf die Objektiv zu verteilen. Sie nimmt jede Gestaltungsmöglichkeit vom Fotografen weg - und das ist genau was eine Automatik-Knipse ausmacht: Immer gute, scharfe, langweilige Standard Bilder. Mag sein, dass Sie Kontrastumfang und Auflösung einer DSLR erreicht, aber sicher nicht die Qualität der Bilder, denn diese wird von mehr bestimmt als nur Megapixel und scharfer Abbildung.
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