Analog-Effekte für Digitalfotos So bringen Sie Leben in Ihre Bilder

Körnung und Vignettierung? Bei Fotos gelten diese Merkmale oft als qualitätsmindernd. Dabei lassen sich die gleichnamigen Lightroom-Effekte auch bewusst einsetzen, um Bilder stilvoll zu veredeln. Wir zeigen, wie das geht.

Landschaftsaufnahme: Wir zeigen, wie sich Fotos veredeln lassen
Christian Öser/ DOCMA

Landschaftsaufnahme: Wir zeigen, wie sich Fotos veredeln lassen

Von DOCMA-Autor Christian Öser


Die Digitalfotografie sorgt für ein regelrechtes Wettrennen um technisch immer makellosere Bilder. Viele Kameras beinhalten bereits Funktionen, um Fehler wie Verzerrungen, Bild rauschen oder Vignettierung sofort nach der Aufnahme zu eliminieren oder zumindest abzuschwächen. In der Nachbearbeitung ist es dann schlussendlich möglich, mehr oder weniger einfach auch die letzten Fehler zu beseitigen. Doch mit dem Korrigieren gewinnt ein Foto nicht nur, es verliert auch einen Teil seines Charakters. Denken Sie an die analoge Fotografie und was deren Reiz ausmacht - es ist unter anderem das Unvollkommene.

Nüchtern betrachtet, verschlechtert analoges Korn zwar ebenso wie digitales Rauschen die Bildqualität, dem Foto verleiht es aber durch seine Struktur Leben und Gefühl. Nicht umsonst sind Apps wie Instagram, mit denen sich analoges Aussehen simulieren lässt, derart beliebt. Neben dem Korn sorgt noch ein weiterer Bildfehler für mehr Stimmung im Foto - die Vignettierung. Dabei handelt es sich um eine Abdunkelung zu den Bildrändern hin, die bei bestimmten Objektiven und Brennweiten besonders stark auftritt und ebenfalls allgemein als unerwünscht gilt. Bewusst eingesetzt, ist die Vignette aber äußerst sinnvoll, um die Aufmerksamkeit des Betrachters durch helle und dunkle Bereiche auf eine bestimmte Stelle im Foto zu lenken.

Bei der Auswahl der Motive sind Ihnen prinzipiell keine Grenzen gesetzt, obwohl die bewusste Anwendung von Bildfehlern bei Hochglanzfotos naturgemäß eher unpassend wirkt. Schwarzweißfotos profitieren dagegen so gut wie immer von den Funktionen "Vignettierung" und "Körnung " im Bedienfeld "Effekte" und ergeben Resultate mit einem eigenen Stil.

Hier lernen Sie die Möglichkeiten im Detail kennen. Die Tipps beziehen sich auf das Programm Adobe Lightroom.

Die Vignette in Lightroom
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Die Vignette ist ein starkes Stilmittel, um den Betrachter gezielt auf den Mittelpunkt des Bildes zu lenken. Nachdem diese Funktion in Lightroom 1 nur auf ein unbeschnittenes Bild angewendet werden konnte, heißt sie seit Version 2 "Vignettierung nach Freistellen" und befindet sich oberhalb der Optionen für die "Körnung". Seitdem ist es egal, welchen Ausschnitt Sie mit dem Freistellungswerkzeug festlegen - die Vignette wird gleichmäßig rund um die Bildränder gelegt.

Dunkle und helle Vignettierung
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Eine Abdunklung ist die klassische Form einer Vignette, wie sie bei vielen Objektiven auch baubedingt auftritt. Verschieben Sie den Regler "Betrag" nach links, wird zu den Rändern hin die Helligkeit reduziert, wodurch die Bildmitte optisch automatisch stärker hervortritt. Umgekehrt hellen Sie die Ränder auf, wenn Sie den Regler nach rechts ziehen. Dieser Effekt ist aber mit Vorsicht zu genießen - er passt nur bei wenigen Motiven und wirkt häufig klischeehaft.

Optionen der Vignettierung
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Wie sich die Abdunklung beziehungsweise Aufhellung der Ränder verhält, beeinflussen Sie mit drei Reglern. "Mittelpunkt" definiert, wie stark die Vignette in die Bildmitte hineinreicht. Mit der "Rundheit" verändern Sie die Form von fast rechteckig (Regler nach links) über oval (Regler mittig) bis hin zu kreisförmig (Regler nach rechts). "Weiche Kante" ist selbsterklärend und erzeugt mit kleinen Werten einen harten Übergang und mit großen einen sanften.

Vignettenstil "Lichterpriorität"
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Die Bildränder werden von einer Vignette mit den darunter liegenden Pixelinformationen verrechnet. Dazu bietet Lightroom unter "Stil" drei Optionen. "Lichterpriorität" sollten Sie nutzen, wenn in Ihrem Foto wichtige helle Bereiche an den Rändern liegen, wie etwa Wolken. Lightroom berücksichtigt diese Details und blendet sie abgeschwächt wieder ein. Der Nachteil an dieser Einstellung ist, dass es in den hellen Bereichen zu Farbverschiebungen kommen kann.

Vignettenstil "Farbpriorität"
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Die genannten Farbverschiebungen lassen sich verhindern, indem Sie die Option "Farbpriorität" auswählen. Im Beispiel erkennen Sie deutlich, dass die Wolken ihren ursprünglichen Farbton behalten haben, während im Beispielbild zu Schritt 4 eine leichte Verschiebung Richtung Magenta sichtbar wird. Zudem erhalten Sie mittels " Farbpriorität" eine dezentere Vignette, die bei vielen Motiven passt. Nehmen Sie "Lichterpriorität" eher bei Bildern mit harten Kontrasten.

Vignettenstil "Farbüberlagerung"
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Die dritte Option "Farbüberlagerung" entspricht der alten Vignette von Lightroom 1 und 2. Ohne Rücksicht auf Verluste werden die Bildränder entweder mit Schwarz oder Weiß einfach überlagert. Verschieben Sie den Regler "Betrag" in eine beliebige Richtung und achten Sie auf den entstehenden Kontrastverlust. Wählen Sie diese Option am besten bei Motiven, die einen Vintage-Look erhalten sollen, da "Farbüberlagerung" sehr gut ausgebleichte Farben simuliert.

Helle Bereiche schützen
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Mit dem Regler "Lichter" können Sie helle Bereiche zusätzlich schützen und unter der Vignette wieder sichtbar machen. Er ist beim Stil "Farbüberlagerung" inaktiv und bei den anderen beiden nur dann verstellbar, wenn Sie negative Werte bei "Betrag" wählen. Beachten Sie, dass bei "Lichterpriorität" nur Spitzlichter angesprochen werden, während bei "Farbpriorität" auch helle Mitteltöne mit Erhöhen des Reglers wieder zum Vorschein kommen (gut in den Wolken zu sehen).

Schnelle Ecken-Effekte
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Durch das Einstellen von Extremwerten lassen sich rasch interessante Ecken-Effekte erstellen, die Sie einfach als Presets speichern können. Das obere Beispiel eines nostalgischen Rahmens erreichen Sie mit den folgenden Werten: "Betrag" -100, "Mittelpunkt" +20, "Rundheit" -100, "Weiche Kante" +40. Den unteren "Guckloch"-Effekt bekommen Sie mit den Einstellungen "Betrag" +100, "Mittelpunkt" +5, "Rundheit" +100, und "Weiche Kante" 0 hin.

Die zweite Vignette in Lightroom
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In den "Objektivkorrekturen" finden Sie sowohl unter "Profil" als auch "Manuell" ebenfalls Regler für eine Vignette. Diese sind allerdings zur Entfernung einer unerwünschten Abdunklung gedacht und beziehen sich nur auf das Gesamtbild - die Ränder bei Freistellungen bleiben unberücksichtigt. Mittels Objektivprofil kann die Korrektur automatisch angewendet werden. Wirkt sie zu stark und unnatürlich, reduzieren Sie den Regler "Vignettierung" unter "Profil".

Alternative Radialfilter
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So nützlich eine Vignette auch ist - nicht jedes Motiv liegt exakt in der Bildmitte und lässt sich pauschal mit einer gleichmäßigen Abdunklung oder Aufhellung hervorheben. Seit Lightroom 5 können Sie aber den Radial-Filter ("Shift-M") verwenden. Mit diesem ziehen Sie einfach einen ovalen oder kreisförmigen Bereich um das Motiv auf und definieren dann die Werte. Mit "Maske umkehren" beeinflussen Sie alternativ direkt das Hauptmotiv und nicht die Außenbereiche.

Körnung: Der Regler "Stärke"
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Die Optionen der Körnung finden Sie gleich unterhalb der Vignettierung. Die "Stärke" verschieben Sie zwischen 0 (keine Körnung) und 100 (starke Körnung). Je nach Zoomstufe wirkt die Stärke anders - es empfehlt sich daher, auf jeden Fall auch mit einem Klick in das Bild in die 1:1-Ansicht zu wechseln, um dort den Wert der Körnung noch im Detail anzupassen. Welche Stärke Sie wählen, hängt natürlich nicht nur vom eigenen Geschmack, sondern auch vom Motiv ab.

Größe des Korns
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Mit dem Regler "Größe" definieren Sie - wie der Name schon sagt - den Radius der einzelnen Körner. Allerdings hat der Regler noch einen anderen Einfluss, nämlich den auf die Bildschärfe. Stellen Sie den Wert auf 0, erhalten Sie ein extrem feinkörniges Korn, das schon in Richtung einer Scharfzeichnung geht. Je weiter Sie den Regler Richtung 100 ziehen, desto unschärfer wird Ihr Foto. Damit lässt sich ausgezeichnet die Anmutung eines analogen Fotos simulieren.

Der Regler "Unregelmäßigkeit"
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Der Standardwert von 50 ist ein guter Ausgangspunkt für das Definieren der "Unregelmäßigkeit", allerdings empfiehlt sich ein genaues Anpassen je nach Bildmotiv, da Sie mit diesem Regler den Ausdruck des Bildes stark verändern. Schieben Sie den Regler langsam von links nach rechts und beobachten Sie, wie sich die Körnung von einer künstlich aussehenden Gleichmäßigkeit langsam in Richtung Zufälligkeit verändert und das Motiv beeinflusst.

Die Regler in Kombination
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Im Beispielbild sehen Sie anhand von Extremwerten, wie stark sich das Aussehen verändert. Links oben sind "Stärke" (S), "Größe" (G) und "Unregelmäßigkeit" (U) deaktiviert. Rechts oben: S 100, G 0, U 100 - eine starke, feine Körnung, die an das Rauschen eines TV-Geräts erinnert. Links unten: S 100, G 100, U 100 - extreme Körnung mit Verlust von Schärfe. Rechts unten: S 100, G 100, U 0 - künstliches Aussehen, ähnlich wie ein stark überschärftes Bild in Photoshop.

Exportieren und drucken
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Eine Körnung wenden Sie im Normalfall auf eine hochauflösende Datei an und optimieren darauf basierend die Werte. Umdenken müssen Sie, wenn das Bild verkleinert oder gedruckt werden soll. Reduzieren Sie beim Exportieren die Pixelmaße, wird auch die Körnung verkleinert. Beim Drucken ist es noch extremer - die Körnung verschwindet möglicherweise komplett. Testen Sie deshalb mit höheren Werten, wie sich diese im Druck oder nach dem Verkleinern verhalten.

"Banding" abschwächen
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Der Effekt "Körnung" kann nicht nur zur Veredelung herangezogen werden, sondern manchmal sogar ein Bild vor dem Löschen retten. Beim Aufhellen von unterbelichteten Stellen (im Beispiel der Himmel) entsteht mitunter das sehr auffällige und hartnäckige "Banding". Dabei handelt es sich um Tonwertabrisse, die sich aber mit dem Hinzufügen einer Körnung etwas kaschieren lassen. Im Endeffekt gilt: lieber ein Rauschen im Bild als ein Bild für die Tonne.

Dieser Artikel stammt aus "DOCMA Doc Baumanns Magazin für Bildbearbeitung" , Ausgabe 5/2014

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Seite 1
Gregor Gerland 31.08.2014
1. Selbstbetrug
"Doch mit dem Korrigieren gewinnt ein Foto nicht nur, es verliert auch einen Teil seines Charakters." So ein Unsinn! Einen solchen Charakter hat es doch im digitalen Einheitsbrei nie gegeben. Er kommt bei der Verwendung von Film durch die Eigenschaften des bearbeiteten Materials zustande. Insbesondere die je spezifische Film-Entwicklerkombination ist maßgeblich und somit auch die Stellgröße für die Erzeugung einer bestimmten Bildanmutung. Ein Zahlencode aus Nullen und Einsen dagegen hat keinen Charakter. Aber es gibt ja auch fabrikneue Jeans mit Löchern zu kaufen. Ist bestimmt auch toll.
haeff-m 31.08.2014
2. Erstaunlich...
..wie viel Aufwand jetzt betrieben wird, um die Leblosigkeit der Digitalfotos auszugleichen.... Hey, wacht auf! Geht in den Keller oder zur Vitrine, holt die alte Praktika oder Minolta vom Papa/Opa/Uropa, kauft Euch nen guten Film und lernt endlich fotografieren. Sogar Smartphone-Fotografie mit Instagram-Gimmicks ist sinnvoller.Die Zeit, die Ihr vorm Rechner verblödelt, könnt Ihr echt sinnvoller nutzen.
euleken 31.08.2014
3. Putzig
Man könnte auch schlicht und einfach analog fotografieren. Und damit Bilder mit wesentlich mehr Tiefe und Charakter erzeugen. Wenn man die gleiche Menge an Hirnschmalz, die zur Bedienung eines Programms wie LR nötig ist, kurz investiert, um sich über Blende, Belichtung und Bildwirkung Gedanken zu machen. Also: ab zum nächsten Drogeriemarkt, Farbfilm geholt und die gute alte EOS (analog) wieder zum Leben erweckt!
Emil Peisker 31.08.2014
4. ernünftige Kombination von Filmempfindlichkeit und Belichtungsdauer
Zitat von eulekenMan könnte auch schlicht und einfach analog fotografieren. Und damit Bilder mit wesentlich mehr Tiefe und Charakter erzeugen. Wenn man die gleiche Menge an Hirnschmalz, die zur Bedienung eines Programms wie LR nötig ist, kurz investiert, um sich über Blende, Belichtung und Bildwirkung Gedanken zu machen. Also: ab zum nächsten Drogeriemarkt, Farbfilm geholt und die gute alte EOS (analog) wieder zum Leben erweckt!
Auch zu analogen Zeiten war es normal durch gute Obketive und vernünftige Kombination von Filmempfindlichkeit und Belichtungsdauer die Qualität der Aufnahmen zu optimieren. Was der Spiegelautor da an Beispielen aufzeigt ist die dürftige Qualität von Postkarten der 60er Jahre. Was daran erstrebenswert sein soll, erschließt sich mir jedenfalls nicht. Ich habe lange weiter analog fotografiert, weil die Qualität der digitalen Chips zu schlecht war gegenüber dem Film. Natürlich trifft das nur für anspruchsvolle analoge Kameras und Fotografen zu. Wenn mich also die Nostalgie überkommt, packe ich die Minolta Maxxum von 1987 wieder aus und mache mit den entsprechenden Objektiven mindestens so gute Aufnahmen wie mit heutiger Digitaltechnik. Es war dann, als die Chips und die Optiken der digitalen Welt wirklich besser wurden, so ab 2004, die Bequemlichkeit, die mich umsteigen ließ. Alles Aufnahmen, die keine hohen Anforderungen an die Qualität stellten, machte ich digital. Die professionelle Schiene lief noch lange über die analoge Seite. Heute schlummern die "Schätzchen" gut verpackt im Regal. Mit meiner Vollformat nutze ich einige der alten Objektive heute noch. Besonders im Telebereich, wo die Preise für lichtsstarke Teile heute in den fünfstelligen Bereich gehen, schonen die mehr als 20 Jahre alten Teile meine Kasse.
a_priori 31.08.2014
5. Jaja, das ach so tolle analog fotografieren...
...mit Negativ,- und Diafilmen, mit langwierigen chemischen Entwicklungen, massenhaft nichtssagenden, teuren und/oder und misslungenen Abzügen aus Massenlaboren und Analogkameras mit den ganzen technischen Unzulänglichkeiten. Diese vorsintflutliche Technik von vorgestern tu ich mir nicht mehr an, bin heilfroh, dass diese Zeiten endgültig vorbei sind. Viel Spass noch und Grüsse an die Ewiggestrigen mit ihrem Steinzeit-Equipment...
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