Tipps für Adobe Lightroom Viel Bildbearbeitung mit wenigen Klicks - so geht's

In Adobes Software Lightroom können Sie unkompliziert Motive mit Farblooks veredeln und Bildkorrekturen vornehmen. Möglich machen das Vorgaben, die Sie selbst erstellen oder importieren können.
Von "c't Fotografie"-Autor Markus Schelhorn
Lightroom wird mit zahlreichen Vorgaben ausgeliefert, mit denen Sie Ihren Bildern einen neuen Look geben können

Lightroom wird mit zahlreichen Vorgaben ausgeliefert, mit denen Sie Ihren Bildern einen neuen Look geben können

Foto: Markus Schelhorn/ c't

Adobe Lightroom bietet zahlreiche Möglichkeiten, Bildern einen bestimmten Look zu geben. Ein mächtiges Tool dafür sind die sogenannten Vorgaben (Presets). Mit ihnen können Sie im Entwickeln-Modul alle oder nur ausgesuchte Einstellungen als Vorlage speichern und auf andere Bilder anwenden. Sie können mehrere Vorgaben miteinander kombinieren und so den Aufwand von Bildkorrekturen reduzieren. Außerdem eignen sich die Vorgaben wunderbar dazu, eigene Bildlooks zu entwickeln. Ein weiterer Vorteil der Vorgaben ist, dass Sie die Einstellungen in Lightroom nachträglich jederzeit anpassen können.

Anders als bei Presets läuft es übrigens bei sogenannten Plug-ins wie der Nik Collection: Ein Plug-in bearbeitet das Bild in einer eigenen Anwendung und exportiert das Ergebnis zurück nach Lightroom. So können Sie die Bearbeitung mit dem Plug-in nicht mehr nachträglich ändern. Zudem wächst mit einem Plug-in die Größe der Fotobibliothek an, da das bearbeitete Bild mit der Änderung, je nach Voreinstellung von Lightroom, zusätzlich als Tiff- oder PSD-Datei gespeichert wird.

So verwenden Sie Vorgaben

Im Entwickeln-Modul finden Sie die Liste der vorhandenen Vorgaben auf der linken Seite. Sie können die Vorgaben auf ein Bild anwenden, neue Vorgaben erstellen und Gruppen anlegen. Zudem lassen sich Vorgaben exportieren und importieren.

Vorgabe erstellen Nehmen Sie im Entwickeln-Modul die gewünschten Einstellungen vor. Diese lassen sich schnell als Vorgabe speichern, indem Sie auf der linken Seite auf das Plus-Symbol klicken, das sich rechts von Vorgaben befindet. Sie können der Vorgabe einen Namen geben und eine Gruppe auswählen beziehungsweise eine neue Gruppe für die Vorlage anlegen. Vorgewählt ist die Gruppe Benutzervorgaben, die sich ganz am Ende der Vorgaben-Liste befindet. Zudem haben Sie die Wahl, nur die Einstellungen zu aktivieren, die Sie für die Vorgabe benötigen.

Speicherort Sie können den Speicherort der Vorgaben aufrufen und diese direkt im Dateisystem ansehen. Dazu klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine Vorgabe und wählen unter Windows Im Explorer anzeigen beziehungsweise unter macOS Im Finder anzeigen.

Vorgaben exportieren Einzelne Vorgaben beziehungsweise Gruppen, die mehreren Vorgaben enthalten, lassen sich exportieren. Dazu klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine Vorgabe oder eine Gruppe und wählen Exportieren beziehungsweise Gruppe exportieren. So können Sie die Vorgaben an andere Lightroom-Anwender weitergeben. Auf diese Weise erstellen auch bekannte Fotografen ihre Vorgaben, die sie dann entweder kostenlos oder zum Kauf anbieten.

Flotter zum Ziel

Mit Vorgaben können Sie Bilder bereits während des Importvorgangs mit Grundkorrekturen versehen. Sinnvoll ist das vor allem für die Objektivkorrekturen. Zudem können Sie die automatische Bildkorrektur von Lightroom nutzen, die meist solide Ergebnisse liefert. Die Arbeitserleichterung ist enorm: Mit wenigen Klicks erhalten Sie so eine schnelle Grundkorrektur der Bilder, die Sie später immer noch anpassen können.

Probieren Sie es aus: Erstellen Sie eine Vorlage mit der Einstellung Objektivkorrektur. Wählen Sie Chromatische Aberration entfernen und Profilkorrekturen aktivieren mit Einrichten > Auto. Erstellen Sie eine Vorlage nur mit den Objektivkorrekturen und eine weitere, für die Sie zusätzlich Automatische Einstellungen aktivieren. Sie können nun per Rechtsklick auf die gewünschte Vorgabe den Eintrag Auf Importe anwenden anklicken.

Die Vorgabe ist dann im Bibliothek-Modus im Bereich Ad-hoc-Entwicklung auf der rechten Seite voreingestellt und wird automatisch auf jeden neuen Import angewendet. Erstellen Sie weitere Vorgaben mit wenigen Aufgaben, beispielsweise nur zum Reduzieren des Farbrauschens. Einmal eingerichtet, lassen sich die Vorgaben ganz nach Anforderung anwenden. Grundlegende Korrekturen sind so mit wenigen Klicks erledigt.

Formatwechsel: XMP statt .lrtemplate

Adobe hat seit Version 7.3 von Lightroom Classic CC das Format der Vorgaben umgestellt. Statt des Formats .lrtemplate, das noch die letzte Standalone-Version Lightroom 6 nutzt, verwendet Lightroom fortan ein XMP-Format.

Der Grund: Die Vorgaben können Sie so nahtlos auch in Camera Raw und Lightroom CC verwenden. Zudem zeigt Lightroom die Auswirkung einer Vorgabe als Vorschau an, wenn man den Mauszeiger auf die Vorgabe bewegt. Haben Sie ältere Vorgaben aus dem Internet geladen, dann wandelt Lightroom Classic CC das Format automatisch in das XMP-Format. Umgekehrt funktioniert das allerdings nicht.

Vorgaben kaufen?

Ein versierter Lightroom-Anwender kann sich Vorgaben selber erstellen, da er mit den Wirkungsweisen beispielsweise von Gradationskurve, HSL-Regler oder Teiltonung vertraut ist. Sofern Sie allerdings kein Lightroom-Experte sind, lohnt es sich aber, Vorgaben von Profis zu nutzen. Anhand der Vorgaben fällt es leicht nachzuvollziehen, wie der jeweilige Fotograf seine Farblooks erzielt hat.

Zudem dienen Vorgaben als ausgezeichnete Ideengeber. Sie brauchen nur den Mauszeiger auf eine Vorgabe bewegen und der Effekt wird als Vorschau angezeigt.

Allerdings harmonieren Vorgaben nicht mit allen Motiven. Für den Feinschliff müssen Sie daher hin und wieder nachkorrigieren und beispielsweise die Belichtung anpassen. Einige Fotografen bieten ihre Bildlooks in Form von Lightroom-Vorgaben an, das Angebot ist recht groß. Vier Angebote stellen wir im Folgenden vor.

Presets von Pavel Kaplun

Für dieses Beispiel haben wir drei Vorgaben miteinander kombiniert: V - Neutral – Cyan Heat (F) sorgt für den Cyan-Farbton, mit R – Hell – Berlin Sky (L) hellen wir das Bild auf und betonen die Strukturen. Die dritte Vorgabe P – Dunkel – Drama Licht (L) verleiht den Wolken einen dramatischen Look

Für dieses Beispiel haben wir drei Vorgaben miteinander kombiniert: V - Neutral – Cyan Heat (F) sorgt für den Cyan-Farbton, mit R – Hell – Berlin Sky (L) hellen wir das Bild auf und betonen die Strukturen. Die dritte Vorgabe P – Dunkel – Drama Licht (L) verleiht den Wolken einen dramatischen Look

Foto: Markus Schelhorn/ c't

Pavel Kaplun  etwa bietet für knapp 20 Euro Vorgaben an, beispielsweise die sogenannten Marmeladisierungs-Aktionen (Natur & Architektur). Der bekannte Fotograf verspricht "Bildbearbeitung auf Knopfdruck". Das Prinzip dahinter: Die Vorgaben sind entweder als Verlauf (V), Radialfilter (R) oder Korrekturpinsel (P) angelegt und jeweils in einer eigenen Gruppe sortiert. So lassen sich bis zu drei Vorgaben miteinander kombinieren.

Als SM und L sind die Effekte gekennzeichnet, die sich auf die Schatten, Mitten und Lichter im Bild auswirken. F steht für einen Farbeffekt, der auf das gesamte Bild wirkt. Das mag etwas kompliziert klingen, ein mitgeliefertes Erklärvideo hilft weiter. Hat man die Funktionsweise erst einmal verinnerlicht, lassen sich die Vorgaben vielseitig verwenden.

Bildstile von Patrick Ludolph

Die Vorgaben von Patrick Ludolph eignen sich vor allem für Porträts und Streetfotografie. Dieses Beispiel zeigt die Vorgabe Mexico, die den wärmsten Farblook in der Sammlung hat

Die Vorgaben von Patrick Ludolph eignen sich vor allem für Porträts und Streetfotografie. Dieses Beispiel zeigt die Vorgabe Mexico, die den wärmsten Farblook in der Sammlung hat

Foto: Markus Schelhorn/ c't

Möchten Sie lernen, wie ein Profi seinen Bildern einen speziellen Farblook gibt? Die Vorgaben von Patrick Ludolph  geben interessante Einblicke. Der Hamburger ist als Fototrainer, Porträtfotograf und für seinen Blog Neunzehn72  bekannt. Ludolph bietet gleich mehrere Sammlungen von Lightroom-Vorgaben an. Meist sind die Bilder im Analogfilm-Stil gehalten: etwas entsättigt, kontrastarm, ein urbanes, cineastisches Flair verströmend. Die neueste Sammlung "Neunzehn72 II" (35 Euro) beinhaltet zwölf Vorgaben. Viele sind für Raw-Aufnahmen optimiert, funktionieren aber auch mit JPEG-Bildern. Ludolph ändert meist die Grundeinstellungen, die Gradationskurve, den HSL-Regler und die Teiltonung.

RNI: Analoge Filmlooks

Eine Zeitreise zurück in den Farblook der Vierzigerjahre ermöglicht die Vorgabe für den historischen Agfacolor-Film

Eine Zeitreise zurück in den Farblook der Vierzigerjahre ermöglicht die Vorgabe für den historischen Agfacolor-Film

Foto: Markus Schelhorn/ c't

RNI (Really Nice Images ) nutzt Vorgaben, um den Look analoger Filme von Agfa, Kodak, Fujifilm & Co. nachzubilden. Das Besondere: RNI erstellt in der aktuellen Films-5-Version (ab 96 Dollar) für Analogfilme eigene Profile. Wenn Sie auf ein Bild ein Preset anwenden, wird ihre vorherige Bildbearbeitung durch die Preset-Einstellungen überschrieben. Bei Profilen bleiben die alten Korrekturen erhalten, was abhängig vom Anwendungsfall sinnvoll sein kann. Möchte Sie nur nachvollziehen, wie der jeweilige Analogfilm-Effekt eingestellt wurde, dann reicht die Vorgängerversion Films 4 (ab 82 Dollar), diese Version nutzt keine Profile.

RNI in der Lite-Version beinhaltet über 40 Analogfilm-Simulationen. Die mit 192 Dollar deutlich teurere Version All Films 5 Pro bietet rund 180 Vorgaben. Von Really Nice Images gibt es auch die Smartphone-App RNI Films (iOS) mit einigen kostenfreien Analogfiltern.

Presets für Landschaften und Porträts

Vorgaben aus dem Paket World Traveler geben Reisefotos einen stimmungsvollen Analog-Look mit entsättigten Farben

Vorgaben aus dem Paket World Traveler geben Reisefotos einen stimmungsvollen Analog-Look mit entsättigten Farben

Foto: Markus Schelhorn/ c't

Auf der Website shoot.camp/CT  bietet die von dem österreichischen Fotografen Christian Anderl gegründete Online-Fotoschule Shootcamp drei kostenlose Lightroom-Vorgaben im Instagram-Stil an. Melden Sie sich dafür an, können Sie, falls Interesse besteht, zusätzlich die drei Vorgaben-Pakete "World Traveler" (47 Euro), "Urban Night" (47 Euro) und "Candi Presets" (47 Euro) erwerben. Für alle drei Vorgaben sind im Gesamtpaket 94 Euro fällig.

Während sich "World Traveler" für Landschaftsaufnahmen und "Candi Presets" für Porträts verwenden lässt, eignet sich das Paket "Urban Night" überwiegend für Stadtbilder. Die Vorgaben können Sie mit Lightroom 4, 5, 6 und CC verwenden.

Ein kleiner Nachteil: Man muss die Vorgaben in eine eigene Gruppe sortieren, sollen sie nicht in den Benutzervorgaben bleiben. Meist nutzen die Vorgaben Werkzeuge wie die Grundeinstellungen, die Gradationskurve und den HSL-Regler. Einige Vorgaben verwenden die Tools Teiltonung, Effekte und Verlaufsfilter. Mitunter sind Objektivkorrekturen aktiviert, allerdings manchmal mit einer nicht passenden manuellen Auswahl des Objektivprofils.