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09. März 2014, 15:15 Uhr

Bildverarbeiter Lightzone

Das kann der Gratis-Fotoverwalter

Von Dmitri Popov

Kostenlos für Linux, Windows und Mac: Der Fotobearbeiter und -verwalter LightZone ist jetzt als Open-Source-Software verfügbar. Ist die Software ernstzunehmende Konkurrenz zu Platzhirschen wie Lightroom? Das Fachmagazin "c't Digitale Fotografie" hat das getestet.

Fotografen haben heute eine große Auswahl an Programmen, die Kamerarohdaten verarbeiten und die entwickelten Fotos verwalten. Das junge Open-Source-Projekt LightZone sticht durch zwei Punkte heraus: Die Software ist kostenfrei und für unterschiedliche Betriebssysteme (Linux, Mac OS X und Windows) erhältlich. Zudem hat LightZone zahlreiche spannende Funktionen, die es zu einer interessanten Alternative zur kommerziellen Konkurrenz machen.

1. Die Bedienung

Die Bedienoberfläche von LightZone ist recht konventionell gestaltet. Sich in den beiden Hauptmodulen Browse und Edit zurechtzufinden, sollte also keine größeren Probleme bereiten. Im Modul Browse können Sie ein Verzeichnis auswählen und einige Basis-Einstellungen vornehmen. Fotos von einem ausgewählten Verzeichnis werden als Thumbnails in der Miniaturbild-Leiste im unteren Bildbereich dargestellt. Um eine größere Vorschau eines Fotos anzusehen, müssen Sie nur das entsprechende Thumbnail auswählen. Sie können dann grundlegende Einstellungen wie Bildbewertung, Titel, Aufnahmeort und so weiter bearbeiten.

2. Entwicklung mit Voreinstellungen

Interessanter ist das Modul Edit. Auf der linken Seite ist die Bedienleiste Styles mit zahlreichen Optionen zu sehen. Ein Style in LightZone ist eine Voreinstellung. Per Auswahl kann man mehrere Bearbeitungsschritte gleichzeitig anwenden.

Styles sind übersichtlich eingeteilt: Die Gruppe Black & White enthält beispielsweise diverse Presets für die Schwarzweiß-Konvertierung. Detail Enhancement bietet Styles für mehr Bildschärfe und lokale Kontrastoptimierung. Zusätzlich zu den schon vorhandenen Styles lassen sich die Bearbeitungsschritte eines Fotos auch als Custom Style abspeichern. So lässt sich leicht eine Bibliothek mit eigenen Presets aufbauen. Vorhandene Styles lassen sich auch weiter optimieren. Im Preview-Bereich, direkt über der Liste der Styles, wird eine Vorschau angezeigt, wie das Bild mit der gerade per Maus berührten Voreinstellung aussehen würde.

3. Überschaubare Bildbearbeitung

Die Bildbearbeitungswerkzeuge finden sich in der Leiste Tools. Anstatt alle möglichen Funktionen und Regler in die Bedienoberfläche zu stopfen, haben die Programmierer von LightZone einen anderen Ansatz gewählt. Sie konzentrieren sich auf eine Handvoll der wichtigsten Werkzeuge und Parameter. Einige Fotografen werden das für zu beschränkt halten. Auf der anderen Seite werden vielen Anwendern die verfügbaren Werkzeuge für ihre Bildbearbeitung ausreichen. Und was vielleicht noch wichtiger ist: Mit dem überschaubaren Angebot an LightZone-Werkzeugen lässt sich eine einfache Nachbearbeitung eines Fotos zügig meistern.

Zusätzlich zu den Standard-Werkzeugen für das Schärfen, für das Einstellen des Weißabgleichs und von Farbton/Farbsättigung bietet LightZone einzigartige und nützliche Werkzeuge.

Zum Beispiel Relight. Die ist ein effektives Instrument, um die Belichtung in einem Bild zu verbessern. Der allgemeine Kontrast wird reduziert und der lokale Kontrast erhöht. Natürlich hängt der Erfolg vom jeweiligen Foto ab. Aber in vielen Fällen kann schon das einfache Anwenden des Werkzeuges mit seinen voreingestellten Werten für beeindruckende Bildergebnisse sorgen. Die wenigen Parameter von Relight laden zum Experimentieren ein.

ZoneMapper ist das wichtigste Werkzeug in LightZone. Damit können Sie Helligkeit und Kontrast im gesamten Bild oder ausgewählten Bereichen für jegliche Kombinationen von Lichtern, Mitteltönen und Tiefen einstellen. Wie der Name schon andeutet, basiert das Werkzeug auf dem Zonensystem, das in den vierziger Jahren von den Fotografen Ansel Adams (1902-1984) und Fred Archer (1889-1963) entwickelt wurde. Das Original-Zonensystem verfügte über Zone 0 bis Zone 10; 0 steht für Schwarz, 5 für Mittelgrau und 10 für Weiß. Jede Zone unterscheidet sich um 1 LW (Lichtwert).

Der ZoneMapper überträgt das Zonensystem der Analogfotografie in die digitale Welt. In LightZone gibt es 16 Zonen. Das Werkzeug arbeitet zusammen mit dem ZoneFinder. Den finden Sie in der Sektion Zones im Vorschau-Bereich. Wenn Sie den ZoneMapper aktiviert haben, fahren Sie über den Bereich in Ihrem Bild, um diesen dann im Vorschau-Thumbnail angezeigt zu bekommen. Mit dieser simplen Technik identifizieren Sie schnell die unterschiedlichen Zonen in einem Foto.

Mit der Maus lassen sich die gewünschten Zonen erweitern oder komprimieren. Auch wenn man mit dem ZoneMapper durch Experimentieren mit unterschiedlichen Einstellungen recht schnell zurechtkommt, wird Wissen über das traditionelle Zonensystem hilfreich sein, um gute Ergebnisse mit dieser Funktion erzielen zu können.

Es gibt eine Reihe weiterer nützlicher Werkzeuge, die Sie nutzen können, um beispielsweise Belichtung, Farbtemperatur und Bildrauschen zu optimieren. Mit dem praktischen Clone Tool lassen sich unerwünschte Gegenstände aus Fotos entfernen. Das Spot Tool eignet sich hervorragend dafür, um Staub, Kratzer und andere "Schönheitsfehler" zu beseitigen.

4. Bearbeitungsschritte widerrufen, Alternativen speichern

Wie die meisten ernsthaften Raw-Konverter und Bildbearbeitungsprogramme bietet auch LightZone nicht destruktive Bearbeitung. Änderungen an einem Bild überschreiben nicht die ursprünglichen Bilddaten. Die Software speichert die einzelnen Bearbeitungsschritte, die Sie sich in der Sektion History in der linken Seitenleiste ansehen und rückgängig machen können.

Wenn Sie eine Bearbeitungs-Session schließen, speichert das Programm alle Änderungen in einer lzn-Datei (wird als lzn.jpg angezeigt), die eine JPEG-Version des Originalfotos und den angewendeten toolstack, also alle Manipulationen, enthält. Im Browser-Modul wird das Originalfoto mit der dazugehörigen lzn-Datei als stack angezeigt. Mit dem Button Expand image stacks lassen sich das Original und die dazugehörenden lzn-Versionen ansehen.

Das Clevere an dieser Funktion ist, dass Ihnen dadurch ermöglicht wird, entweder das Original im "Urzustand" zu wählen - um beispielsweise eine neue Version mit einer separaten lzn-Datei zu erstellen - oder die Bearbeitung am letzten Stand der lzn-Datei fortzusetzen. Dieser Ansatz erlaubt es, verschiedene Versionen eines einzelnen Bildes anzulegen. Wollen Sie einen bestimmten Toolstack einer lzn-Datei auf ein anderes Bild anwenden? In LightZone müssen Sie dafür nur die gewünschte lzn-Datei auswählen, auf den Button Copy toolstack klicken, das Zielfoto bestimmen und dann mit Paste toolstack die Aktion abschließen.

5. Schwächen: Exif-Daten, Uploads, Suche

Mit den vorgestellten Werkzeugen präsentiert sich LightZone als leistungsstarker Raw-Konverter. Aber die Software hat auch Schwächen: Das Browser-Modul verfügt über keine Bookmarking-Funktion, was es schwierig macht, zwischen Verzeichnissen zu wechseln, die häufig genutzt werden.

Es ist möglich, die Basis-Metadaten eines Bildes zu bearbeiten, die kompletten Exif-Daten werden aber nicht angezeigt. Die Software erlaubt es, Thumbnails nach bestimmten Kriterien zu sortieren (zum Beispiel: Aufnahmezeit, Bewertung, Blende oder ISO-Wert). Aber sie stellt keine Filtermöglichkeiten oder Suchfunktion zur Verfügung.

In LightZone fehlen Werkzeuge für die Objektiv- und Perspektivkorrektur, es gibt auch kein Kurvenwerkzeug. Leider ist der Datei-Export auf die Formate JPEG und TIFF limitiert. Das Hochladen von Bildern zu Sharing-Diensten wie Flickr wird nicht unterstützt.

6. Fazit

Auch wenn LightZone nicht dazu gedacht ist, leistungsstarke und funktionsreiche Programme wie Lightroom oder digiKam zu ersetzen, kann die Open-Source-Software als sinnvolle Bereicherung für Fotografen punkten. Gerade dann, wenn es darum geht, einige schnelle Bearbeitungsschritte an einer überschaubaren Anzahl von Raw-Dateien auszuführen, spielt LightZone seine Stärken aus. Mit den Werkzeuge Relight und ZoneMapper können Sie beeindruckende Ergebnisse mit minimalem Aufwand erzielen.

Der Artikel ist im Sonderheft "c't Digitale Fotografie" erschienen, hier haben wir eine gekürzte Version veröffentlicht. Ein Inhaltsverzeichnis des Hefts finden Sie hier. Der Heise-Verlag bietet auch eine Bestellmöglichkeit.

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