Angebliche Internetzensur Litauen rät von chinesischen Smartphones ab

Die Behörden werfen drei Handyherstellern vor, Sicherheitslücken in Kauf zu nehmen und Zensurfunktionen einzubauen. Litauische Bürger sollen deshalb auf Handys chinesischer Firmen verzichten.
Ein Werbeplakat für Xiaomi-Smartphones: In Litauen sind die Geräte unerwünscht

Ein Werbeplakat für Xiaomi-Smartphones: In Litauen sind die Geräte unerwünscht

Foto: AFP

Nachdem auf mehreren Geräten Sicherheitslücken und Zensurfunktionen entdeckt worden seien, rät die litauische Regierung ihren Bürgern davon ab, Smartphones chinesischer Marken zu verwenden. Nach Angaben des staatlichen Zentrums für Cybersicherheit in Vilnius sind bei einer Untersuchung von drei 5G-Smartphones chinesischer Hersteller vier zentrale Sicherheitsrisiken festgestellt worden.

Bei der Analyse eines Xiaomi-Geräts sei etwa herausgekommen, dass es regelmäßig eine Liste mit zu zensierenden Begriffen herunterlade. Die Liste würde Ausdrücke wie »Freies Tibet« und »Demokratiebewegung« enthalten, hieß es in der Mitteilung. Zwar habe der Hersteller diese Funktion bei in Europa verkauften Handys deaktiviert, sie könne aber jederzeit aus der Ferne eingeschaltet werden.

Schadprogramme aus App Stores von Drittanbietern

Bei Huawei-Telefonen hatten die Tester Bedenken wegen des App-Katalogs des Herstellers, der die Nutzer zu unsicheren App Stores von Drittanbietern weiterleite. Mehrere der dort erhältlichen Apps seien als Schadprogramme erkannt worden. Google hatte dem Hersteller im Jahr 2019 auf Druck der US-Regierung die Android-Lizenz entzogen, weshalb nach diesem Zeitpunkt entwickelte Huawei-Smartphones nicht auf Googles Play Store zugreifen können.

Zudem kritisieren die Litauer vorinstallierte Apps, die weitreichende Nutzungsdaten an chinesische Server weiterleiteten, teilte die dem Verteidigungsministerium des baltischen EU- und Nato-Landes unterstellte Behörde mit. Bei OnePlus dagegen seien keine Sicherheitslücken entdeckt worden.

»Unsere Empfehlung ist, keine neuen chinesischen Telefone zu kaufen und die bereits gekauften so schnell wie möglich loszuwerden«, sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Margiris Abukevicius gegenüber Reportern bei der Vorstellung des Berichts. Huawei wies nach einem Bericht der Agentur BNS die Bedenken zurück. »Benutzerdaten werden niemals außerhalb des Huawei-Geräts verarbeitet«, teilte der litauische Vertreter des chinesischen Techkonzerns mit.

Nach Angaben der Behörde wurden die drei Hersteller für die Studie ausgewählt, weil in öffentlichen Datenbanken Cybersicherheitsrisiken in deren Produkten identifiziert worden waren. Zwischen Litauen und China war es in vergangenen Monaten zu diplomatischen Spannungen gekommen. Hintergrund war die Entscheidung der Regierung in Vilnius, engere Beziehungen zu Taiwan aufzunehmen.

tmk/dpa/Reuters
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