Fotostrecke

Die Geschichte von Loewe: Riesige Videorecorder und batteriebetriebene Radios

Foto: Loewe

Loewe-Insolvenz Edelstahl-Fernseher, riesige Videorecorder und das Optaphon

Loewe war im 20. Jahrhundert ein Vorzeigeunternehmen der deutschen Elektronikbranche. Zuerst wegen innovativer Produkte, dann wegen ihres herausragenden Designs. Jetzt steht die Firma vor dem Aus. Ein Blick zurück.

Loewe hat Insolvenz angemeldet. Am Ende ist das Unternehmen damit noch nicht, Investoren, die den Betrieb retten könnten, sollen schon gefunden sein. Doch wie es mit dem Traditionsunternehmen weitergehen wird, ist noch völlig unklar. Wer den Auftritt der Firma auf der diesjährigen Ifa erlebt hat, mag sich wundern. Auf der Berliner Messe für Unterhaltungselektronik hatten Firmenvertreter noch selbstbewusst die neuesten Oberklasse-Gadgets des Unternehmens aus dem oberfränkischen Kronach präsentiert.

Loewes Probleme begannen Ende der neunziger Jahre mit dem Siegeszug der LCD-Fernseher. Mit deren Einführung war es vielen Verbrauchern vor allem wichtig, dass ihr neues TV-Gerät möglichst flach sein sollte. Flach ist kein Design, flache Geräte konnte jeder Hersteller mit etwas technischem Aufwand bauen. Flach wurde das neue Schön und das war schlecht für Loewe-Geräte, die sich durch ihr besonderes Design von der Konkurrenz abhoben.

Seit aktuelle Fernsehgeräte fast immer flach genug sind, dass man sie mühelos an die Wand hängen kann, hat die Technik den höchsten Stellenwert bekommen. Hauptsache das Bild ist gut, das Gerät soll möglichst viele Anschlüsse haben und Online-Inhalte zeigen. In was für einem Gehäuse ein neuer Fernseher steckt, scheint Käufern angesichts des Wettrennens um immer höhere Auflösungen und schärfere Bilder nachrangig zu sein.

Loewe hatte das Design lange Zeit als Markenkern gepflegt. Gegen die technische Innovationsgeschwindigkeit der asiatischen Konzerne hatte die oberfränkische Firma keine Chance. Zwar ist das Loewe-Design immer noch edel. Den Preisunterschied gegenüber technisch gleichwertigen oder gar überlegenen Konkurrenzprodukten können aber nur wenige Besserverdiener in Kauf nehmen.

Ein Videorecorder, so groß wie eine Fotokopierer

Dabei gehörte Loewe jahrzehntelang zu den Innovationstreibern der Branche - im 20. Jahrhundert. Mitte der zwanziger Jahre brachte das damals noch junge Unternehmen mit dem Ortsempfänger OE 333 ein Radiogerät heraus, von dem mehr als eine Million Exemplare verkauft wurden. Einige Jahre später folgte mit dem FED der erste Loewe-Fernseher.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges konzentrierte sich das Unternehmen zunächst wieder auf Radios und veröffentlichte 1950 das Optaphon - das erste Audio-Aufnahmegerät für daheim, in dem anstelle eines herkömmlichen Tonbands eine Tonbandkassette genutzt wurde. Während langsam auch die Produktion von TV-Geräten anlief, entwickelte das Unternehmen Anfang der sechziger Jahre den Vorläufer der späteren Videorecorder, den Optacord 500. Mit dem Apparat von der Größe eines Fotokopierers führte Loewe die sogenannte Schrägspuraufzeichnung ein, die später zum Standard wurde.

Mit chinesischem Partner nach Österreich

Anfang der achtziger Jahre, lange bevor man an Dolby Surround im Wohnzimmer dachte, brachte die Firma dann den ersten Fernseher mit Stereoton heraus, flankiert von zwei veritablen Lautsprecherboxen. Etwa zu dieser Zeit wurde das Design immer wichtiger. Den Wendepunkt markierte der Art-Fernseher, der mit dem Klotz-in-Schrankwand-Design Schluss machte und einen völlig neuen, integrierten Stil einführte. 1995 verblüffte das Unternehmen mit dem CS 1, einem Fernseher, der als umweltfreundlich beworben wurde, weil er leicht zerlegbar und zu großen Teilen recyclingfähig war. Das Gehäuse bestand aus Edelstahl.

Die große Zeit der technischen Innovationen scheint für die Kronacher seither vorbei, die Firma konzentrierte sich aufs Design. Mit drahtlosen Surround-Anlagen und moderner Multimediasoftware erreichte Loewe zwar immer noch Achtungserfolge, Schlagzeilen machten aber Firmen wie Sony und Samsung, die Milliarden Euro in teuren Fabriken investieren, um ihre eigene TV-Technik herstellen können. Loewe muss die Display-Panels seiner TV-Geräte selbst teuer einkaufen. Auch größere Firmen haben im Fernsehgeschäft Probleme, Toshiba will die Hälfte der Mitarbeiter in der Sparte entlassen und extern fertigen.

Die Kooperation mit dem chinesischen TV-Hersteller Hisense soll bei der Technik helfen. Vor allem soll es mit Hisense gelingen, Loewe aus der Oberklassefalle zu holen, dem Unternehmen mit günstigeren Geräten einen Platz im Massenmarkt zu schaffen und Herstellungskosten zu senken.

Bleibt abzuwarten, ob und mit welchen weiteren Partnern dieser Kurswechsel gelingt. Erst vor wenigen Tagen wurde auf der Fachmesse Futura in Salzburg der gemeinsame Vertrieb der beiden sehr unterschiedlichen Unternehmen begonnen. Auch vom Erfolg dieses Experiments im Testmarkt Österreich hängt ab, wie es mit Loewe weitergehen wird.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.