LomoKino Es bewegt sich was

Knack, knack, knack: Mit der Kurbel wie bei einem Leierkasten löst die LomoKino aus. Die Plastikkamera liefert nicht einfach nur Fotos, sondern macht analoge Videos auf 35-mm-Film möglich. Stop-Motion-Animation trifft Retro-Flair.

SPIEGEL ONLINE

Von Carolin Neumann


Sie wird mit 35-mm-Film geladen, ist aber anders als ihre zahlreichen Schwestern nicht auf Fotos im Retro-Look aus - sondern auf Videos: Die LomoKino. Mit einer knackenden Umdrehung einer Kurbel entstehen auf der Fläche, die ein herkömmliches 35-mm-Bildes (in der Regel 24x36 mm) auf dem Filmstreifen einnehmen würde, vier Einzelaufnahmen. Bis zu 144 davon passen so auf einen Film für 36 Fotos.

Doch so lustig eine LomoKino-Tour durch den Stadtpark auch sein kann, wenn Fußgänger erstaunt schauen, was man da zur besseren Handhabung auf seinen Kopf gestellt hat - so anstrengend ist der Rest des Weges bis zum fertigen Film. Der entsteht nämlich erst im Computer. Wer es sich einfach macht, lässt die entwickelten Negative direkt vom Labor digitalisieren. Das widerstrebt Selbermachern, geht vor allem aber auf Dauer ins Geld. Die Lösung bringt ein Negativscanner oder ein Flachbettscanner mit Durchlichteinheit und Negativschablone. So kann man nur den Film entwickeln und das kostspielige Digitalisieren selbst übernehmen.

Bis zu 144 kleinformatige Bilder wollen also eingescannt, beschnitten, gegebenenfalls noch ein wenig mit einem Fotobearbeitungsprogramm retuschiert, in die Reihenfolge der gefilmten Bewegung gebracht und erst dann zu einem Film verarbeitet werden (zum Beispiel mit iMovie oder Windows Movie Maker). Damit die Clips einer kunstvollen Stop-Motion-Animation näher kommen als einem penetrant blinkenden Gif, empfiehlt sich ein bisschen musikalische Untermalung.

Das ist eine Menge Aufwand - selbst für eingefleischte Lomo-Fans, für die das Scannen ihrer Negative Routine ist (und wie eine Art Yoga anstrengend und entspannend zugleich).

Und so sollte sich schon genau überlegen, wer eine Anschaffung in Betracht zieht: Die Bedienung der LomoKino ist sehr aufwendig, das beginnt schon mit dem zu Beginn etwas umständlichen Einlegen des Films. Zudem hat die LomoKino in der Handhabung ein paar Mängel: Wer den optischen Sucher oben auf der Kamera nutzt, wird feststellen, dass das Gesicht bei der Bedienung des Auslösers an der rechten Seite des Gehäuses mit der Hand kollidieren kann. Beheben lässt sich das allerdings durch die ohnehin im Bereich der Lomografie beliebten Schnappschüsse aus der Hüfte.

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3  Bilder
Analoge Filmkamera: LomoKino
Die kleine Plastikkurbel ist nichts für große oder dicke Finger und rutscht gelegentlich während des Filmens aus der Position, in der sie sein muss, um auslösen zu können. Bei aller Liebe zu Spielzeugkameras aus Plastik - der Auslöser sollte sich schon mühelos bedienen lassen.

Immerhin das Problem des hohen Scan-Aufwands kann behoben werden: Mit dem LomoKinoScope, die von der Funktionalität an Mini-Bild-Betrachter (Guckis) erinnern, kann man sich die Negative direkt bewegt anschauen. Einfach einlegen, kurbeln - Film läuft. Im Januar will der Hersteller, die Lomographische Gesellschaft, außerdem eine Erweiterung für die LomoKino herausbringen, die dieses Gerät mit dem Smartphone verbindet. Wer darauf nicht warten oder das Geld nicht ausgeben möchte, kann mit einem Trick auch jetzt schon die Digitalisierung mit dem Handy erledigen.

Bewegte Nostalgie für Filmchemie-Fans

Doch der Käufer darf in Sachen Bildqualität von der LomoKino nicht zu viel erwarten. In unserem Video etwa wurden die Fotos und der daraus entstandene Clip-Mix trotz recht hoher Filmempfindlichkeit (Iso 400 und 800) sehr düster. Mit Blitz - ein Adapter ist vorhanden - wären die Ergebnisse vermutlich gleich anders ausgefallen.

Was man der LomoKino schon nach den ersten Experimenten nicht absprechen kann, ist ein wunderbarer Retro-Charme. Nicht nur die Kamera selbst mutet trotz ihrer glänzenden Oberfläche reichlich altbacken an. Vor allem natürlich haben die Filme etwas Nostalgisches. So wie alte Super-8-Filme aus Kindheitstagen, stumme Videos, am besten hinterlegt mit Oldies wie "Let's go surfing".

Wer solche Raritäten genießt oder in Retro-Fotografie mit Staub auf den Bildern aufgeht, wird mit der LomoKino zumindest für eine Weile auf seine Kosten kommen. Wer diese Affinität nicht hat oder auf die bestmöglichen Bilder aus ist, täte gut daran, sich anderweitig umzuschauen.

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