Zum Tod des Kassettenerfinders Lou Ottens Er ist jetzt auf der anderen Seite

In den Sechzigerjahren entwickelte der Niederländer Lou Ottens die Kompaktkassette und revolutionierte damit den Audiomarkt, es war die Erfindung seines Lebens. Nun ist der Ingenieur gestorben.
Lou Ottens: Was er Anfang der Sechzigerjahre erfand, veränderte die Musikwelt

Lou Ottens: Was er Anfang der Sechzigerjahre erfand, veränderte die Musikwelt

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Jerry Lampen / dpa

Lou Ottens ist tot. Der niederländische Ingenieur gilt als Erfinder der Kompaktkassette, einem Medium, das über Jahrzehnte weltweit zum Aufnehmen und Hören von Musik und Hörspielen verwendet wurde. Der BBC zufolge wurden seit den Sechzigerjahren weltweit um die 100 Milliarden Audiokassetten verkauft.

Zusammen mit anderen Technikern hatte Lou Ottens die Kompaktkassette Anfang der Sechzigerjahre für die Firma Philips entwickelt. 1963 wurde die Innovation aus den Niederlanden auf der Funkausstellung in Berlin der Weltöffentlichkeit präsentiert. Das neue Format sei eine »große Überraschung für den Markt« gewesen, erzählte Ottens 2013 dem Magazin »Time«. Dass die Kassette im Vergleich zur damals verbreiteten Audiotechnik so klein daherkam, habe sie zu einer »Sensation« gemacht.

Tatsächlich sollte die Kassette die Musikwelt über Jahrzehnte prägen – erst recht dank der Erfindung des Walkmans, den 1979 allerdings nicht Philips, sondern der Konkurrent Sony auf den Markt brachte. »Der Walkman war die Anwendung überhaupt für die Audiokassette«, sagte Ottens später einmal .

Heute, in Zeiten digitaler Musik, spielt das Medium im Alltag der meisten Menschen keine große Rolle mehr: Obwohl einige aktuelle Alben nach wie vor auf Kassette erscheinen , dürfte das Umdrehen einer Kassette oder der Einsatz eines Bleistifts als Reaktion auf einen Bandsalat  eine vom Aussterben bedrohte Kulturtechnik sein.

Viele denken positiv zurück

Dafür werden viele Ältere voller Nostalgie an die Ära der Kassette zurückdenken – mit positiven Assoziationen wie selbst aufgenommenen Mixtapes, nächtlichen Radiomitschnitten oder mitreißenden Geschichten zum Anhören. Auf Flohmärkten und Portalen wie Ebay Kleinanzeigen wird auch nach wie vor gern mit Kassetten gehandelt, vor allem im Bereich Kinderhörspiele.

Lou Ottens selbst indes gab »Time« bereits 2013 zu Protokoll, dass er Musik meistens per CD höre – einem Medium übrigens, an dessen Entwicklung er bei Philips ebenfalls beteiligt war. »Die Kassette ist Geschichte«, sagte der Ingenieur dem Magazin. »Ich mag es, wenn etwas Neues kommt.«

Die »Zeit« schrieb 2013  über Ottens, er sei schon als Kind ein Tüftler gewesen. »Während des Krieges baute ich ein illegales Radio, womit wir Radio Oranje, die freien Sendungen aus London, hören konnten«, zitierte sie den Erfinder. »Das Ding hatte einen sogenannten Germanen-Filter gegen die Senderstörungen der Deutschen.«

Nach Kriegsende habe Ottens an der Technischen Universität (TU) in Delft studiert, heißt es, 1960 habe er dann in der Abteilung Produktentwicklung in einem neuen Philips-Werk im belgischen Hasselt angefangen.

Lou Ottens wurde 94 Jahre alt. Er starb am 6. März 2021 im niederländischen Duizel.

Hinweis, 14.20 Uhr: Wir haben die Passage zum Einsatz des Bleistifts überarbeitet.

mbö
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