Fotostrecke

Erster Eindruck: Das ist Apples MacBook Pro 16 Zoll

Foto: Matthias Kremp/ Der Spiegel

Apples-16-Zoll-Laptop Eine Nacht mit dem neuen MacBook Pro

Jetzt hat es sogar eine Escapetaste: Mit seinem neuen MacBook Pro will Apple alles besser machen, den Bildschirm, die Leistung - und vor allem die Tastatur. Wir haben es schon vor dem Verkaufsstart ausprobiert.

Um das gleich klarzustellen: Dies ist kein Testbericht. Dafür war schlicht und einfach nicht genug Zeit. Wenn dieser Bericht veröffentlicht wird, sind gerade einmal rund 16 Stunden vergangen, seit mir ein Apple-Mitarbeiter in New York ein Exemplar des neuen MacBook Pro mit 16-Zoll-Bildschirm zum Testen übergeben hat. Das ist zwar schon viel besser, als nur Daten aus einer Pressemitteilung abzulesen. Für mehr als einen ersten Eindruck reicht es aber nicht.

Ohnehin ist das Prozedere, mit dem Apple das wichtigste Upgrade seiner Edel-Notebooks seit Jahren angekündigt hat, ungewöhnlich. Statt dafür eine Keynote in Cupertino zu veranstalten, lud der Konzern ein paar Journalisten und Influencer nach New York, wo ihnen, so wie mir, das neue Modell präsentiert und für eine Nacht zum Testen übergeben wurde.

So wichtig wie ein iPhone ist Apple sein neues Notebook also offenbar nicht. Aber eben auch nicht unwichtig genug, um es einfach nur per Pressemitteilung anzukündigen. Medienprofis, Fotografen, Musiker und Filmemacher, für die das neue Notebook angepriesen wird, werden von dem Konzern traditionell hofiert.

Fotostrecke

Erster Eindruck: Das ist Apples MacBook Pro 16 Zoll

Foto: Matthias Kremp/ Der Spiegel

Dass auch der im Juni angekündigte Superrechner Mac Pro bald in den Handel kommen wird, wurde trotzdem nur am Rande erwähnt. Er kommt nun erst im Dezember auf den Markt statt wie geplant im Herbst. Das neue MacBook Pro kann man dagegen schon von heute an bestellen.

Diesen Text habe ich auf meinem Testgerät getippt, um die aus meiner Sicht wichtigste Neuerung auszuprobieren, die neue Tastatur. Gefühlt haben die Tasten hier deutlich mehr Hub als bei meinem alten Dienst-MacBook. Das fühlt sich weicher an, ohne wabbelig zu wirken. Vor allem aber ist sie viel leiser als die laut klappernden Tasten meines Rechners, in dem noch die erste Generation der sogenannten Butterfly-Tastatur steckt.

So absurd das klingen mag: Um das zu erreichen, haben Apple-Ingenieure sich intensiv mit dem Klang der Tastatur beschäftigt, ähnlich wie manche Autohersteller ihre Wagen von Sounddesignern bearbeiten lassen. Abzuwarten bleibt, wie robust diese Konstruktion im Alltag ist. Bei den Vorgängermodellen gab es immer wieder Probleme, weil Staub und Sandkörner die Tasten unbrauchbar machen konnten.

Das ist sie: Das MacBook hat wieder eine physische Escapetaste

Das ist sie: Das MacBook hat wieder eine physische Escapetaste

Foto: Matthias Kremp/ Der Spiegel

Als Antrieb dienen grundsätzlich Intel-Prozessoren mit sechs oder acht Rechenkernen. Bei der Vorgängergeneration gab es teilweise Probleme mit der Hitzeentwicklung solcher Chips, die ihre Leistung wegen zu viel Wärme ausgerechnet dann drosselten, wenn Programme nach besonders viel Leistung verlangten. Apple hat dieses Problem per Softwareupdate eingedämmt.

Beim neuen Modell wollte man aber offensichtlich sichergehen, dass so etwas nicht wieder passiert, und hat das Kühlsystem dafür überarbeitet. Größere Kühlkörper und verbesserte Lüfter sollen heiße Luft schneller aus dem Gerät pusten. Sogar die Anordnung der Bauteile auf der Hauptplatine wurde demnach so verändert, dass sie möglichst optimal vom Luftstrom umflossen werden.

Bei meinen Tests liefen die Lüfter tatsächlich so gut wie nie an. Bei einigen aufwendigen Demos, die mir gezeigt wurden, mussten sie allerdings deutlich hörbar heiße Luft aus den Geräten pusten. Wenn man es fordert, wir das neue MacBook Pro eben ziemlich warm.

Bis zu acht Terabyte Speicherplatz

Auch die Grafikkarten wurden aufgewertet. Sie sollen mit neuen Grafikchips und schnellerem Speicher deutlich leistungsfähiger sein als in früheren Modellen. Als Standard werden vier Gigabyte (GB) Grafikspeicher eingebaut, gegen Aufpreis gibt es auch acht Gigabyte.

Von der verbesserten Grafikleistung profitieren natürlich Spiele

Von der verbesserten Grafikleistung profitieren natürlich Spiele

Foto: Matthias Kremp/ Der Spiegel

Der Arbeitsspeicher wird mit mindestens 16 GB bestückt. Man kann aber auch bis zu 64 GB bestellen. Nur selbst nachrüsten kann man Speicher nicht. Das gilt auch für die SSDs. Zwar sind die jetzt in der Grundkonfiguration mit 512 GB und einem Terabyte (TB) doppelt so groß wie bisher. Doch wer davon ausgeht, irgendwann mehr zu benötigen, sollte gleich eine größere SSD ordern. Selbst nachrüsten ist laut Apple nicht möglich. Dafür stehen jetzt SSDs mit bis zu acht TB Speicherplatz auf Apples Aufpreisliste.

Mehr Sound und mehr Akku

Der Sound des neuen MacBook Pro kann sich hören lassen. Verglichen mit anderen Notebooks, auch von Apple, ist das Klangbild sehr ausgewogen. Externe Aktivboxen braucht man damit jedenfalls nicht mehr, zumindest nicht unterwegs. Die Klangverbesserung habe man erreicht, indem man die Basslautsprecher jeweils paarweise Rücken an Rücken montiert habe, wurde mir erklärt. So heben sich die mechanischen Schwingungen gegenseitig auf, sodass das Gehäuse weniger störende Eigenschwingungen entwickelt. Das Ergebnis klingt für mich tatsächlich besser als jedes andere Notebook, das ich kenne.

Das wegen des Bildschirms in alle Richtungen um ein paar Millimeter größer gewordene Gehäuse hat Apple für größere Akkus genutzt. Mit einer Kapazität von 100 Wattstunden liegen die nun genau auf einer von der US-Luftfahrtbehörde FAA definierten Grenze. Wären sie größer, dürfte man so ein MacBook nicht mit ins Flugzeug nehmen.

Apple verspricht, damit werde das MacBook Pro 16 Zoll eine Stunde länger ohne Steckdose durchhalten als sein Vorgänger, also elf Stunden. Zumindest bei einfachen Aufgaben, wie dem Schreiben dieses Textes, sehe ich das als realistisch an. Umfangreiche Arrangements in Logic Pro X oder grafisch intensive Spiele wie "Dirt Rally" verlangen aber deutlich früher nach dem neuen 96-Watt-Netzteil.

Ein Setup wie dieses, mit Logic Pro X, iPad Pro als Zusatzbildschirm und Keyboard, saugt den Akku rasend schnell leer

Ein Setup wie dieses, mit Logic Pro X, iPad Pro als Zusatzbildschirm und Keyboard, saugt den Akku rasend schnell leer

Foto: Matthias Kremp/ Der Spiegel

Ausgerechnet beim neuen 16-Zoll-Bildschirm hat sich, verglichen mit dem Vorgängermodell, nur wenig getan. Mit der Vergrößerung von 15,4 auf 16 Zoll stieg die Auflösung maßvoll von 2880 mal 1800 Pixel auf 3072 mal 1920 Pixel. Die maximale Helligkeit liegt weiterhin bei 500 Nits, und auch die Farbdarstellung ist dieselbe. Keine Frage, das ist ein hervorragendes Display, aber für ein solches Upgrade hätte es auch ein bisschen mehr sein dürfen.

Dafür hat sich am Preis nichts geändert: Das Einstiegsmodell kostet 2699 Euro, so viel hat bisher das 15,4 Zoll große MacBook Pro gekostet. Zudem sollen Speicher-Upgrades günstiger sein als bisher, was bitter nötig ist. Für Speicherplatz hat Apple traditionell zu hohe Aufpreise verlangt. Genaue Zahlen wollte aber kein Apple-Sprecher nennen, sie dürften von heute an aber im Apple-Store einsehbar sein.

Die Neudefinition des Notebooks, die Apple-Fans von einem MacBook Pro mit 16-Zoll-Display erhofft haben, ist damit ausgeblieben. Auf den ersten Blick ist das neue Apple-Notebook kaum von seinem Vorgänger zu unterscheiden, die wichtigen technischen Neuerungen finden unter dem Aluminium statt. Vor allem der potenziell deutlich größere Speicherplatz dürfte Medienschaffende begeistern können. Mich hat dagegen vor allem die neue Tastatur beeindruckt. Es wäre wünschenswert, wenn sie auch in kleinere und billigere MacBooks eingebaut würde.