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MacBook Pro 2012: Das superscharfe Apple-Notebook

Foto: Matthias Kremp

MacBook Pro 2012 Superscharf zum Luxuspreis

Das neue MacBook Pro war der Star auf Apples Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco. Sein Bildschirm zeigt mehr als doppelt so viele Pixel wie ein Full-HD-Fernseher, auf einem Bruchteil der Bildfläche. Wir haben es schon getestet und geprüft, ob die Konkurrenz sich Sorgen machen muss.

Wenn man an leichte 13-Zoll-Notebooks gewöhnt ist, wirkt das MacBook Pro mit Retina-Display gewaltig. Viel breiter und höher, aber fast genau so flach wie ein MacBook Air ist es. Mit zwei Kilogramm zerrt es im Rucksack allerdings merklich stärker an den Schultern. Es ist eben kein Ultrabook, sondern ein ultra-hochauflösendes Notebook.

Was das bedeutet, wird mir klar, als ich es einschalte. Als Apple-Chef Tim Cook das neue Modell erstmals zeigte, war es anschließend nur hinter Plexiglas zu sehen. Als ich jetzt das Original vor Augen habe, ist der Effekt ähnlich wie seinerzeit beim iPad 3 mit seinem pixelbepackten Display. Als würde man eine neue Brille aufsetzen, erscheint alles schärfer und detaillierter.

Zum Vergleich schaue ich auf den Bildschirm eines alten MacBook Pro: Wie konnte ich damit nur leben? Videos, zumal in Full HD, wirken auf dem Retina-Display deutlich intensiver. Der Grund dafür ist die enorm hohe Auflösung: 2880 x 1800 Bildpunkte zeigt der 15,4-Zoll-Bildschirm an, viermal mehr als das Display eines gleichgroßen MacBook Pro herkömmlicher Bauart.

Da muss noch was kommen

Wie beim iPad 3 profitieren Texte von der hohen Pixeldichte. Im Safari-Browser verkleinere ich Webseiten, soweit es geht, und kann die Texte trotzdem gestochen scharf lesen. SPIEGEL ONLINE passt locker dreimal nebeneinander auf den Bildschirm, ohne an Lesbarkeit zu verlieren. Positiv fällt auf, dass Apple beim Bildschirm das Deckglas weggelassen hat. Obwohl er nicht völlig entspiegelt ist, reflektiert er weniger als andere Notebook-Displays.

Enttäuschungen gibt es trotzdem. Programme, die schon an das Retina-Display angepasst worden sind, so wie Apples Aperture, sehen prima aus. Die Twitter-App von Mac OS X dagegen enttäuscht mit verwaschenen Schriften. Die zusätzlich gewonnene Fläche nutzt bisher kaum eine App aus.

Selbst erweitern? Vergessen Sie's!

Wenn entsprechende Updates dann etwas mehr Rechenleistung brauchen, um die vielen zusätzlichen Pixel zu bespielen, dürfte das kein Problem sein. Der Quadcore-Prozessor im Testgerät erreicht in Benchmark-Programmen ein Niveau, das etwa doppelt so hoch ist wie das des aktuellen 13-Zoll-MacBook Air (und gleichauf liegt mit einem älteren Mac Pro). Für die meisten Anwendungen sind das so üppige Reserven, dass sich drei der vier Rechenkerne im Alltagsbetrieb aus Langeweile abschalten.

Die Hoffnung, man könnte Apples neues Notebook beizeiten aufrüsten, haben die Hardware-Zerleger von iFixit  zunichte gemacht. Nach ihrer Einschätzung ist das neue MacBook Pro "das am schlechtesten reparierbare Notebook aller Zeiten". Das Gehäuse ist mit pentaloben Schrauben gesichert, für die kaum ein Haushalt das passende Werkzeug parat hat. Der Arbeitsspeicher ist fest verlötet, der Akku verklebt und der SSD-Speicher ist mit einem Apple-eigenen Anschluss versehen, für den es bisher keine Nachrüstmodelle gibt.

Lästig ist, dass Apple kein physikalisches Medium zur Systemwiederherstellung mitliefert. Lag dem von uns zuletzt getesteten MacBook Air noch ein USB-Stick mit Betriebssystem und Anwendungsoftware bei, ist diese Software jetzt auf einer unsichtbaren Partition der SSD untergebracht. So muss man damit leben, dass etwa bei unserem Testgerät 30 GB des teuren SSD-Speichers permanent belegt sind.

Dafür glänzt die SSD mit Geschwindigkeit. Der Systemstart ist in 14 Sekunden erledigt, die Textverarbeitung Pages steht nach einer Sekunde im Speicher, Photoshop CS3 nach drei. Mit Wartezeiten jedenfalls hatte ich während des Tests nicht zu kämpfen. Die Ausstattung mit 8 GB RAM und 512 GB SSD kann man üppig nennen.

Ebenso erfreulich wie die Performance der SSD ist die Leistung der USB-3.0-Anschlüsse. Apple hatte sich lange zugunsten von Firewire und Thunderbolt geweigert, USB 3.0 zu implementieren. Jetzt flutscht eine 300 MB große Videodatei im Test binnen drei Sekunden von der Flash-Disk des MacBook auf eine externe USB-3.0-Festplatte. So machen große Datentransfers Spaß.

Monster jagen im Retina-Modus

Aber das ist ohnehin bestimmendes Gefühl beim Test des neuen MacBook Pro: Spaß. "Diablo III" in voller Retina-Auflösung darauf zu spielen, zaubert Spiele-Fans ein Dauergrinsen ins Gesicht.

Das verschwindet allerdings, wenn man sich die Preise vor Augen hält: 2300 Euro kostet es in der Grundversion, 2900 Euro in der getesteten. Da kann man sich noch so lange schönrechnen, dass der Retina-Aufpreis gering ist, viel Geld ist das trotzdem. Darüber freut sich die Konkurrenz: "Wintel-Notebook-Hersteller erleichtert über neue MacBooks", titelte die taiwanische "Digitimes ". Sie hatten gefürchtet, Apple werde alle MacBooks so ausrüsten. Dass jetzt nur ein Highend-Modell damit kommt, lässt ihre Ultrabooks technisch gleichauf mit Apple erscheinen.

So wird das neue MacBook Pro aufgrund des Preises zunächst wohlbetuchte Computer-Genießer und Multimedia-Profis anziehen, die so etwas von der Steuer absetzen können. Allen anderen seien die aktuellen MacBooks, vor allem der Air-Serie, ans Herz gelegt. Sie bieten ähnliche Leistung für weniger Geld - nur ohne Retina-Effekt.

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