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Entwicklerversion ausprobiert: Das ist macOS Sierra

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Entwicklerversion getestet Was Apples neues macOS kann - und was noch nicht

Im Herbst veröffentlicht Apple sein neues Desktop-Betriebssystem macOS Sierra. Wir haben die erste Vorschauversion ausprobiert - gut, dass es die nur für Entwickler gibt.

Seit einer Woche kann ich macOS Sierra ausprobieren. Apple hat mir die Software, die vor einer Woche auf der Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco vorgestellt wurde, auf einem Test-Notebook installiert. Eigentlich haben derzeit nur registrierte Entwickler Zugriff. Das ist auch besser so, denn nach einer Woche mit der neuen Software weiß ich, dass Apples Programmierer noch viel Arbeit haben, bevor Sierra veröffentlicht werden kann.

Dabei läuft das System an sich problemlos. Auf den ersten Blick ist es nicht von seinem Vorgänger zu unterscheiden. Der Look ist unverändert, die meisten Funktionen findet man dort, wo sie zuvor schon waren. Abstürze gab es ebenso wenig wie Inkompatibilitäten, alles läuft wie gewohnt.

Wäre da nicht dieses neue Icon, dass sowohl unten im Dock, als auch ober in der Menüleiste zu finden ist: Siri. Die digitale Assistentin, die mich seit Jahren auf iPhone und iPad begleitet, zieht jetzt auch auf Macbook und iMac ein. Das finde ich erst mal gut, ich mag Siri, lasse mir gerne von ihr helfen und sei es nur, um ihr eine kurze Nachricht zu diktieren.

Siri beantwortet nur einfache Fragen

Aber auf dem Mac scheint sie sich erst noch einrichten zu müssen. Unverfängliche Fragen nach dem Wetter oder der Uhrzeit in Tokio beantwortet sie gern. Ebenso problemlos stellt sie auf Kommando den Bildschirm heller oder den Ton aus oder sagt mir, wie viel Speicher in meinem Macbook installiert ist.

Auch meine Bitte, herauszusuchen, welche Filme heute in Hamburger Kinos laufen, beantwortet sie gerne. Viel anfangen kann ich mit ihrer Auskunft aber nicht. Zwar werden Filmplakat, Filmtitel und Spielzeiten ausgegeben, einen Hinweis, in welchem Kino man die Blockbuster anschauen könnte, gibt es aber nicht.

Wenn ein Mac nicht genug ist

Ähnlich durchwachsen sind meine Erfahrungen mit dem Universal Clipboard. Mit ihm soll man Dinge von einem Apple-Gerät einfach auf ein anderes kopieren können. "Copy and Paste" von iPhone zu iMac und umgekehrt sozusagen. Eigentlich toll. Konsistent klappt das aber noch nicht. Mal funktioniert es nur in eine Richtung, mal erst nach mehreren Anläufen oder nach einer Wartezeit.

Copy and Paste zwischen iPhone und Macbook

Copy and Paste zwischen iPhone und Macbook

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Ohne solche Schwierigkeiten arbeiten dagegen die neuen Funktionen, die beispielsweise den Desktop samt aller Dateien, die man bearbeitet hat, per iCloud auf anderen Geräten nutzbar machen. Sehr praktisch, wenn man einen Mac im Büro und einen anderen zu Hause hat.

Wo war ich im Urlaub?

Auch in der neuen Version der Fotos-App funktioniert alles wie erwartet: Etwas Zeit muss man der Software zwar geben, aber dann erkennt sie Gesichter, Orte, zusammenhängende Ereignisse. Zumindest ungefähr. Erstaunlich zielsicher wurde beispielsweise eine Fotosammlung namens "Das Beste des Jahres 2015" zusammengestellt. Auch verschiedene Feste und Urlaube hat das Programm zu virtuellen Alben zusammengefasst. Wobei Letztere meist in mehrere Teile aufgetrennt wurden, wohl weil ich dazu neige, mich auch im Urlaub nicht immer nur an einem Ort aufzuhalten.

Die Karte zeigt, wo das Foto entstanden ist

Die Karte zeigt, wo das Foto entstanden ist

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Die Erkennung von Gesichtern klappt leider nur teilweise. Menschen werden zwar identifiziert. Zumindest in meinem Fall passierte es aber auch, dass dieselbe Person nicht immer zuverlässig erkannt wurde. Stattdessen ging das Programm davon aus, es mit mehreren unterschiedlichen Personen zu tun zu haben.

Entwickler kommen damit klar

Was in der aktuelle Vorschauversion für Entwickler noch vollkommen fehlt, ist die Möglichkeit, den Mac mit einer Apple Watch zu entsperren. Bisher verspricht Apple nur, das werde nachgereicht, wenn macOS Sierra im Herbst veröffentlicht wird. Die angekündigte Möglichkeit, das Bezahlsystem Apple Pay im Web zu nutzen, ist genauso wenig zu finden. Auch sie soll erst im Herbst eingeführt werden. Ob man Apple Pay dann auch in Deutschland wird nutzen können, ist unklar.

Sicher ist dagegen, dass es eine gute Entscheidung war, die aktuell vorliegende Version als Vorschauversion zu bezeichnen und nur Entwicklern freizugeben. Die sollten mit den Macken umgehen können, die noch in Sierra stecken. Aktuell ist die Software noch eine Baustelle im Rohbauzustand. Wenn im Juli die öffentliche Betaversion verteilt wird, sollten zumindest die groben Lücken geschlossen sein. Richtfest sozusagen.

Die feierliche Einweihung findet dann statt, wenn im Herbst die finale Version veröffentlicht wird. Bis dahin sind ja noch einige Monate Zeit. Die werden Apples Programmierer brauchen.

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