Von null auf hundert in 19 Minuten Dieses Handy hat nen Turbolader

Der chinesische Handyhersteller Meizu zeigt auf dem Mobile World Congress eine Technik, die Akkuladezeiten drastisch reduzieren soll. Aber ein Problem bleibt.

SPIEGEL ONLINE

Aus Barcelona berichtet


Man werde Apple und Samsung mit einer neuen Technologie herausfordern: Mit dieser noch recht kryptisch klingenden Ankündigung lockte der kleine chinesische Handyhersteller Meizu Neugierige zu seiner Pressekonferenz auf dem Mobile World Congress.

Am Messestand wurde dann schnell klar, was Meizu vorhat. Die Firma versucht, ein zentrales Smartphone-Problem zu lösen: die lange Ladedauer der Geräte. Viele Smartphone-Nutzer dürften das kennen - und ihr Gerät jede Nacht ans Kabel hängen.

Meizu präsentierte nun eine neue Ladetechnik, mit der Smartphone-Akkus schneller als bisher aufgeladen werden können - viel schneller. Meizu verspricht, dass ein Smartphone-Akku mit der neuen Technik binnen 20 Minuten voll aufgeladen werden kann.

Die Pressekonferenz wurde dann allerdings langsam, sehr langsam - fast schon eine Geduldsprobe. Meizus Pressesprecherin demonstrierte live in Echtzeit, wie schnell sich ein vollkommen entladenes Smartphone mit einem klobigen Meizu-Ladegerät wieder aufladen lässt.

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Meizu Super mCharge: Handy mit Turbolader

Rund 20 Minuten lang blieb den Besuchern im Folgenden, geduldig auszuharren. Im Fünfminutenabstand meldete die Sprecherin einen Zwischenstand: "Jetzt sind es schon 17 Prozent!"

Strom, viel Strom

Immerhin gab es in der Zwischenzeit ein paar Informationen zu der von Meizu Super mCharge genannten Technik. Demnach basiert das System auf leicht modifizierten Lithium-Ionen-Akkus, die so verändert werden, dass sie den gegenüber anderen Handys höheren Belastungen beim Aufladen gewachsen sind. Denn das Ladegerät pumpt den Strom mit elf Volt und fünf Ampere, was einer Leistung von 55 Watt entspricht, in den Akku. Zum Vergleich: Ein normaler Standard-USB-Anschluss liefert 2,5 Watt.

Damit es den Akku dabei nicht zerreißt, wird der Ladevorgang von einer Elektronik überwacht, die ständig Spannung und Stromstärke kontrolliert. Zwingend notwendig ist auch die Verwendung eines besonderen USB-3-Ladekabels, das Belastungen von bis zu 160 Watt aushalten kann.

Das Ergebnis des Aufwands: Bei der Live-Demo auf dem MWC war der Akku schon nach 18:55 Minuten wieder voll - und die Zuschauer wurden endlich erlöst.

Vom Mobile World Congress

Aufladen ohne Akkufieber

Angst, das schnelle Aufladen könne gefährlich sein, müsse man nicht haben, versicherte im Anschluss ein Meizu-Sprecher. Während des Ladevorgangs steige die Temperatur des Akkus nur auf 39 Grad, knapp über Körpertemperatur also. Tatsächlich fühlte sich das zum Test aufgeladene Smartphone nicht sonderlich warm an.

Hoffnungen, dass man diese Technik bald auch in Geräten anderer Hersteller wird nutzen können, sollte man sich jedoch nicht machen. Vorerst, so scheint es, will Meizu das System nur für eigene Geräte verwenden. Welche das sein werden und wann sie auf den Markt kommen, wollte man dann aber auch nicht verraten.



insgesamt 48 Beiträge
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ernieb 28.02.2017
1. Unmenschliche 20 Minuten warten...
Die Technik klingt vielversprechend . Dass im Artikel so viel Wert darauf gelegt wird, dass die Pressekonferenz fast (lange) 20 Minuten dauerte, finde ich mehr als irritierend. Ist die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne heutzutage so kurz, dass sich jegliche Aufmerksamkeit länger als 5 Minuten schon schmerzhaft anfühlt? Immerhin gab es sofort eine Bestätigung, dass die 20 min nicht im Labor geschönt wurden. Darüber sollte sich eigentlich jeder Technikjournalist, der wirklich an der Technik interessiert ist, für seinen Artikel freuen.
blueberryhh 28.02.2017
2. na ja
es gibt sicherlich spannenderes als einem Akku 20 Minuten beim laden zuzugucken. Das hat mit der berühmten und überstrapazierten Aufmerksamkeitsspanne nun echt nix zu tun.
Mehrleser 28.02.2017
3.
@ernieb: Danke, das habe ich auch gedacht. Live und in Echtzeit ist natürlich für die flotten IT-Blogger und SPON-Berichter kaum zumutbar. Dann dort lieber ein Produkt-Video mit Zeitraffer.
Newspeak 28.02.2017
4. ...
Kann man vielleicht mal wuerdigen, dass man ueberhaupt Smartphones hat, die einen Tag lang durchhalten und ueber Nacht geladen werden muessen?! Mir scheint, die Leute sind extrem verwoehnt, vor allem auch deshalb, weil 99% keinen blassen Schimmer haben, was fuer technische Fortschritte noetig waren, um diese Technologie zu entwickeln oder was fuer Know-how alleine im Akku steckt. Ein bisschen mehr Demut waere schoen.
permissiveactionlink 28.02.2017
5. #4, Newspeak
"Schämen sollten sich die Menschen, die sich gedankenlos der Wunder der Wissenschaft und Technik bedienen und nicht mehr davon geistig erfasst haben, als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen frisst." (A. Einstein) ;-)
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