Microsoft-Nokia-Pakt Allianz der gefährdeten Giganten

Der Kampf ums mobile Internet beginnt. Microsoft und Nokia schmieden eine Allianz, die sich offenkundig gegen Apple und die Blackberrys richtet. Die Konzerne wollen gemeinsam Software für Business-Handys vermarkten - und den Markt neu aufrollen.

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Microsoft und Nokia schmieden einen Pakt: Der weltgrößte Software-Konzern und der weltgrößte Handy-Hersteller wollen künftig bei Mobilprogrammen kooperieren. Unter anderem geht es bei dem Deal um eine engere Zusammenarbeit bei Microsofts Büro-Software Office.

Nokia-Handy: Künftig mit Office-Software von Microsoft
REUTERS

Nokia-Handy: Künftig mit Office-Software von Microsoft

Für Nokia kommt Microsoft womöglich als Retter in der Not. Der Konzern verliert derzeit im Bereich Smartphones massiv Marktanteile (siehe Grafik unten). Die Zusammenarbeit werde sich auf "Gestaltung, Entwicklung und Vermarktung" von Büroanwendungen für Business-Anwender konzentrieren, sagten die Spitzenmanager Stephen Elop von Microsoft und Kai Öistämö von Nokia in einer Telefonkonferenz zur neuen Allianz. Konkret heißt das: Microsofts Office Mobile und andere Microsoft-Anwendungen etwa für E-Mail oder das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten sollen künftig auf Nokia-Handys laufen. Begonnen werde mit den Modellen der Business-Line E-Series, sagte Öistämö. Man habe jedoch eine "langfristige Partnerschaft" vereinbart. Auch andere Nokia-Handys würden später mit Microsoft-Software ausgestattet.

Markanteile (Juni 2009): Nokia verliert an Macht
manager magazin

Markanteile (Juni 2009): Nokia verliert an Macht

Was ist nun im Detail geplant? Stephen Elop erläuterte, man werde zunächst den sogenannten Office Communicator auf Nokia-Smartphones installieren. Die ersten Nokia-Geräte damit kämen im kommenden Jahr auf den Markt. Mit der Software könnte ein Handy-Nutzer beispielsweise jederzeit sehen, ob seine Geschäftskontakte derzeit telefonisch oder auf anderem Wege erreichbar seien. Außerdem erlaube die Software, auf dem gerade günstigsten Weg Kontakt herzustellen. Solche Anwendungen laufen derzeit unter dem Stichwort "Presence".

Außerdem soll man zum Beispiel Word-, Powerpoint- und Excel-Dokumente künftig in Arbeitsgruppen gemeinsam bearbeiten können - am Handy. Die Spitzenmanager der beiden Konzerne demonstrierten, wie das funktionieren könnte: Parallel zu der im Internet übertragenen Audio-Pressekonferenz waren Präsentationsfolien abrufbar. Derartige Dienste sollen künftig auch auf Handys möglich sein. Mail-Zugang soll übrigens über Microsofts Exchange-Server gewährleistet werden - eine Technik, die Nokia allerdings schon seit längerem nutzt.

Es gehe "um viel mehr, als nur Microsoft-Software auf Nokia-Handys zu bringen", sagte Elop. Gemeinsam sollen Entwickler der beiden Unternehmen an Zukunftslösungen für Business-Anwender arbeiten.

Mit mehr als 200 Millionen Smartphone-Kunden sei Nokia Weltmarktführer "und ein natürlicher Partner für uns", fügte der Microsoft-Manager hinzu - und sein Nokia-Kollege Öistämö gab das Kompliment zurück: Microsofts Office-Produkte für den PC böten in diesem Bereich "die beste Nutzererfahrung, Punkt". Microsoft sei ein "idealer Partner".

Pikant ist an der Kooperation nicht zuletzt eines: Microsoft und Nokia sind im Handy-Markt eigentlich Konkurrenten. Beide haben nämlich ein eigenes Handy-Betriebssystem, Windows Mobile und Symbian. Daran werde sich auch nichts ändern, sagten Elop und Öistämö.

Im Endeffekt zielt die Allianz damit zweifellos auf den Konkurrenten Apple, dessen iPhone im mobilen Internet rasante Zuwachsraten schafft. Apple ist ein alter Gegner für Microsoft - und seit Einführung des iPhones auch ein neuer, mächtiger für Nokia.

Die Konzerne dürften es darüber hinaus auch auf den kanadischen Hersteller Research In Motion (RIM) abgesehen haben, dessen Blackberry-Handys derzeit für viele Business-Anwender Werkzeug der Wahl sind. Die RIM-Technologie zum Weiterreichen von E-Mails an Smartphones steht in direkter Konkurrenz zu Microsofts Exchange-Server.

Microsoft und Nokia sind von mehreren Seiten unter Druck. Auch der andere große Rivale Google hat begonnen, sich in den Smartphone-Markt einzumischen - mit dem Handy-Betriebssystem Android, das als Open-Source-Software von externen Entwicklern weiterbearbeitet werden kann. Es ist dafür optimiert, mit Googles mobilen Anwendungen wie Googlemail und Texte & Tabellen zusammenzuarbeiten.

Für Microsoft ist es nach der Kooperation mit Yahoo die zweite gewichtige Allianz innerhalb kurzer Zeit. Der Konzern hat offensichtlich Apple und Google als Hauptrivalen identifiziert - das mobile Internet dürfte jetzt zum nächsten Konfliktschauplatz der Branchengiganten werden.



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deb2006, 12.08.2009
1.
Was haben iPhone und Blackberry gemeinsam? iPhone ist ein Spielzeug für neureiche große Kinder - Blackberry ist ein Business-Phone. Die Zielgruppe - falls es eine sein soll - erschließt sich mir nicht ...
yato, 12.08.2009
2. Das iPhone ist der Hammer
...ich bin vom Nokia N95 auf neue iPhone 3GS umgestiegen und genau dieses Neue Teil ist das Problem von Nokia & co, denn die grossen alten Schwächen wurden behoben, jetzt ist eine (supergute) Videofunktion drin, MMS, Copy/Paste usw. Der Hammer beim iPhone aber ist die Software und die Applikationen. Hier stimmt fast alles und ich komme mir vor als würde ich ein Gerät aus der Zukunft in der Hand haben. Eine Art Communikator wie Spock ihn bei Raumschiff Enterprice hatte. Es ist zwar nicht Perfekt und mich stört die Verkaufspolitik und das geschlossene System von Apple (ich hab ein in Deutschlnd zu teueres 32GB simlockfreies EU Gerät). Aber es ist ein fast vollwertiger PC (Spielkonsole, Camcorder, Navi, MP3, Textverarbeitung, Tastatur, Web, Datenarchiv etc) für die Hosentasche und ein Qantensprung gegenüber dem N95. Aber selbst Nokias neues Flaggschiff N97, dessen Software bei der Bedienung öfters mal Denkpausen einlegt und unsmarte/unlogische Wege geht, kommt hier einfach nicht mit, geschweige denn Nokias OVI (App) Store. Nicht einmal das Samsung i8910 hat mich wegen der Software ganz überzeugt, obwohl es technisch etwas besser ist. Software wird immer wichtiger und hier zieh ich meinen Hut vor Apple!
M. Michaelis 12.08.2009
3.
Zitat von sysopKönnen der Handy- und der Softwaregigant gemeinsam gegen iPhone und Blackberry Punkte machen? Diskutieren Sie mit!
Zweifelhaft, da keinerlei Innovationskraft und gänzlich uninspiriert. Hinzu kommt dass das iPhone prinzipiell mit ActiveSync harmoniert und damit was die Server betrifft MIcrosoft kein Konkurrenz macht. ActiveSync wiederum ist vergleichsweise kompliziert und unzuverlässig. Da arbeiten MobileMe von Apple und die Blackberry-Dienste zuverlässsiger.
SNA 12.08.2009
4.
Zitat von yato...ich bin vom Nokia N95 auf neue iPhone 3GS umgestiegen und genau dieses Neue Teil ist das Problem von Nokia & co, denn die grossen alten Schwächen wurden behoben, jetzt ist eine (supergute) Videofunktion drin, MMS, Copy/Paste usw. Der Hammer beim iPhone aber ist die Software und die Applikationen. Hier stimmt fast alles und ich komme mir vor als würde ich ein Gerät aus der Zukunft in der Hand haben. Eine Art Communikator wie Spock ihn bei Raumschiff Enterprice hatte. Es ist zwar nicht Perfekt und mich stört die Verkaufspolitik und das geschlossene System von Apple (ich hab ein in Deutschlnd zu teueres 32GB simlockfreies EU Gerät). Aber es ist ein fast vollwertiger PC (Spielkonsole, Camcorder, Navi, MP3, Textverarbeitung, Tastatur, Web, Datenarchiv etc) für die Hosentasche und ein Qantensprung gegenüber dem N95. Aber selbst Nokias neues Flaggschiff N97, dessen Software bei der Bedienung öfters mal Denkpausen einlegt und unsmarte/unlogische Wege geht, kommt hier einfach nicht mit, geschweige denn Nokias OVI (App) Store. Nicht einmal das Samsung i8910 hat mich wegen der Software ganz überzeugt, obwohl es technisch etwas besser ist. Software wird immer wichtiger und hier zieh ich meinen Hut vor Apple!
Super Sache. Ich habe auch eins. Nur: einen privaten Termin eintragen kann man nicht. Standard im Business Bereich seit zig Jahren. Emails auf dem Server suchen? Fehlanzeige. Die Terminerinnerungs-Funktion ist ein Witz. Ein kurzes Signal und wenn man da gerade in einem anderen Raum war... wird man halt nicht an den wichtigen Geschäfts- oder Gerichtstermin erinnert. Bis zum Business-Phone ist es für das iPhone noch ein langer Weg und was die Usability angeht ist es für MS noch ein langer Weg. Gut so, am Ende profitieren wir, die Verbraucher.
ichwersonst © 12.08.2009
5. Nokia schaufelt hiermit am eigenen Grab
während andere Hersteller mit neuen Bedien- und Nutzkonzepten überzeugen setzt Nokia jetzt auf das konzeptionelle Fossil MS-Office. Schon am normalen PC hat sich die Office-Suite seit Jahren konzeptionell überlebt, auf der kleinen Fläche eines Smartphones wird solch eine Software nur noch zur Farce für den Nutzer. Das schlechte Bedienkonzept dominiert nur deshalb noch den Markt, weil Microsoft diese Software mit aller Gewalt in den Markt drückt. IHKs, Volkshochschulen und Bildungswerke sind billige Helfer um die bestenfalls mittelprächtige Software in ihrer Stellung als unverdient dominierender Marktführer zu verteidigen. Es macht sich am Ende also doch bezahlt, wenn Menschen mit Visionen und technischem Sachverstand IT-Konzerne leiten, nicht umsonst gewinnt Apple permanent Marktanteile hinzu. Bei Nokia jedoch muß vermutet werden, daß Entscheidungen wie diese Kooperation, aus der Perspektive von phantasielosen Verwaltern gefällt werden, welche tatsächlich glauben MS-Office wäre das Zentrum des Software-Universums im Jahre 2009. Nokia zementiert mit dieser Kooperation den Rückstand gegenüber den Innovationen von Apple und anderen. Das lukrative Geschäft der Smartphones werden zukünftig Hersteller beherrschen, die dem Kunden via Software Konzepte mit tatsächlichem Mehrwert und Komfort bieten.
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