Mit ultraschneller Laseroptik Microsoft speichert kompletten Superman-Film auf einer Glasscheibe

Mit einer neuen Technologie will Microsoft große Datenmengen in kleinen Glasscheiben konservieren - für die Nachwelt. Sieht aus wie ein Designer-Bierdeckel, hat aber die Speicherkapazität von 16 DVDs.
Schauspieler Christopher Reeve in seiner Rolle als Superman im gleichnamigen Film von 1978

Schauspieler Christopher Reeve in seiner Rolle als Superman im gleichnamigen Film von 1978

Foto: ddp images

Microsoft ist es gelungen, den kompletten Hollywoodfilm "Superman" von Warner Bros. auf ein neuartiges und besonders haltbares Speichermedium zu bannen. Im Rahmen des Projekts "Silica" hätten es Forscher geschafft, den 1978 veröffentlichten Blockbuster auf ein Glasstück von der Größe einer Untertasse zu speichern, erklärt Microsoft-Managerin Jennifer Langston in einem Blogeintrag. 

Bei ihrem Projekt haben die Forscher demnach jüngste Entdeckungen in der ultraschnellen Laseroptik sowie künstliche Intelligenz genutzt, um Glas als Speichermedium einsetzen zu können. Die neue Technologie basiert darauf, dass ein sogenannter Femtolaser mikroskopisch kleine Gitter und andere Formen als Datenspeicher in mehreren Ebenen in das transparente Material schreibt.

Zum Auslesen wird die Glasscheibe mit polarisiertem Licht durchstrahlt, wobei die dabei entstehenden Bilder und Muster von Algorithmen interpretiert werden, die durch maschinelles Lernen für diese Aufgabe trainiert wurden. Die Speicherkapazität einer derart per Laser mit Informationen beladenen Scheibe gibt Microsoft mit 75,6 Gigabyte an. Das entspricht ungefähr der Kapazität von 16 einseitig beschriebenen DVDs.

Der komplette Superman-Film von 1978 auf einer Glasscheibe

Der komplette Superman-Film von 1978 auf einer Glasscheibe

Foto: Microsoft / John Brecher

Neben der Speicherkapazität ist es jedoch vor allem die enorme Widerstandfähigkeit und Haltbarkeit, die das neue Medium auszeichnet. Laut Microsoft sind die Quarzglas-Scheiben unempfindlich gegenüber hohen und niedrigen Temperaturen sowie Magnetfeldern.

Im Gegensatz zu üblichen Speichermedien wie Festplatten und Magnetbändern, die in gut geschützten und klimatisierten Räumen gelagert werden, könnte man auf solchen Medien gesicherte Daten quasi in einer Kiste im Garten verbuddeln, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Auch Umwelteinflüssen, Überschwemmungen und Erdbeben könnten sie standhalten. Damit würde sich die Methode vor allem zur Langzeitspeicherung von Daten aus historischen Archiven oder für kulturelle Schätze eignen, schreibt Managerin Langston.

Länger frische Daten

Die Lagerung des gesamten "Superman"-Films in Glas sei ein wichtiger Meilenstein, erklärte Microsoft-Manager Mark Russinovich. Er glaube nicht, "dass alle Fragen vollständig beantwortet wurden, aber es sieht so aus, als wären wir jetzt in einer Phase, in der wir an der Verfeinerung und dem Experimentieren arbeiten, statt die Frage zu stellen: 'Können wir es tun?'"

Das Filmstudio Warner Bros. sucht Microsofts Blogeintrag zufolge schon seit Jahren nach Möglichkeiten, seinen wertvollen Bestand an alten Filmen und Radioaufzeichnungen auf Speichermedien, die Hunderte von Jahre halten und nicht ständig aktualisiert werden müssen, zu archivieren.

Microsoft präsentierte die neue Speichertechnik am Montagabend auf seiner Entwicklerkonferenz Ignite in Orlando, Florida.

mak/dpa
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